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Asien

Pakistan gespalten zwischen Obama und Romney

Trotz Spannungen mit den USA würden viele Pakistanis eine Wiederwahl Barack Obamas begrüßen. Dagegen sympathisiert das Militär eher mit dem republikanischen Herausforderer Mitt Romney.

Im Jahre 2009 begrüßten die meisten islamischen Länder die Wahl Barack Obamas zum ersten afro-amerikanischen Präsidenten. Viele dieser Länder sahen ihn als eine Art Heilsbringer, einen charismatischen Staatsmann der, so die weitverbreitete Meinung, den Dialog zwischen den USA und der islamischen Welt nachhaltig verändern würde. Auch in Pakistan war die Hoffnung groß, dass Obama und seine Administration einen anderen Kurs einschlagen würden als sein Vorgänger George W. Bush, dessen Politik von vielen als anti-islamisch wahrgenommen wurde.

Nun jedoch, da Obama um eine zweite Amtszeit gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney kämpft, ist die Popularitätsquote des Präsidenten in vielen islamischen Ländern, darunter auch Pakistan, in den Keller gerasselt. Besonders in Pakistan gilt Obamas Präsidentschaft inzwischen sogar als noch schlimmer als die seines Vorgängers. Die Beziehungen zwischen dem Land und den USA erreichten im Mai 2011 ihren Tiefpunkt als US-Spezialkräfte im Auftrag von Präsident Obama Osama bin Laden in seiner Festung in Abbottabad töteten, ohne die pakistanische Regierung vorher über die Aktion informiert zu haben. Diese zeigte sich zwar zufrieden mit dem Ausgang, warf den USA jedoch vor ihre territoriale Souveränität verletzt zu haben.

Zudem gab es weitere Zwischenfälle, die die Beziehungen schwer belasteten. Im November letzten Jahres starben 24 pakistanische Soldaten bei einem NATO-Angriff nahe der afghanischen Grenze. Pakistan betrachtete den Zwischenfall als Angriffshandlung und blockierte NATO-Nachschubwege nach Afghanistan. Ein weiterer Dauer-Streitpunkt sind die  zahlreichen Dronenangriffe auf pakistanischem Boden.

Dronenangriff in Pakistan REUTERS/Stuart Phillips/U.S. Navy/Handout

Die Zahl der Dronenangriffe auf pakistanischem Boden ist unter Obama gestiegen.

Das kleinere Übel

Die anti-amerikanische Stimmung hat derzeit einen Höhepunkt erreicht. Die meisten Pakistanis differenzieren längst nicht mehr zwischen Demokraten und Republikanern. Für viele radikale Gruppen sind die USA ein Symbol des Bösen. Doch selbst moderate Pakistanis werfen den Amerikanern offene Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes vor. Dennoch betonten zahlreiche Experten, dass die meisten Pakistanis lieber Obama im Weißen Haus sehen würden als Romney. "Die meisten betrachten Obama als das kleinere 'Übel'", sagte der Entwicklungs-Experte Usman Qazi der Deutschen Welle. "Dieser Eindruck basiert auf seiner Rasse, seiner vermeintlich pro-pakistanischen Haltung und seinen Aussagen die Kriege in den verschiedenen Ländern beenden zu wollen. Romney wird als zu pro-israelisch und anti-islamisch gesehen".

Moazum Rauf, Schriftsteller und Dozent an der Universtät von Lahore nimmt Obama sogar in Schutz. "Die Menschen in den moslemischen Ländern haben zu hohe Erwartungen in Obama gesteckt. Viele dachten vermutlich er würde sich sensibler im Umgang mit Moslems zeigen - aufgrund seiner Herkunft, was natürlich absurd ist  - aber so dachten viele in Pakistan. Sie meinten er würde unverzüglich den Krieg in Afghanistan beenden und als das nicht geschah schlug die Hoffnung in Enttäuschung um".

Das Militär und die Republikaner

Anti-amerikanische proteste in Pakistan (Foto:Arshad Butt/AP/dapd)

Die Stimmung ist in Pakistan inzwischen deutlich anti-amerikanischer geworden.

Während also die Bevölkerung im Zweifel dennoch eher Obama und die Demokraten befürwortet, so ist der mächtige pakistanische Militärapparat eher auf Seiten der Republikaner.

"Historisch betrachtet haben die Demokraten immer eine konstitutionelle Demokratie in Pakistan unterstützt, während die Republikaner sich für Militär-Diktatoren eingesetzt haben," sagte Shahram Azhar, pakistanischer Wirtschaftsexperte und Aktivist im amerikanischen Amherst der DW. Diese Einschätzung wird von Usman Qazi geteilt. "Beide, die Republikaner und die Militärregime in Pakistan, befürworten eine strategisch-expanisive Ausrichtung in der Region".

Azhar relativiert jedoch die Kontakte zwischen dem Militär und den Republikanern und weist darauf hin, dass sich die Beziehungen in den letzten Jahren aufgrund der zweispältigen Rolle Pakistans im Kampf gegen die Taliban verschlechtert haben. Viele Republikaner glauben, dass die pakistanische Armee und der Geheimdienst (ISI) die Taliban und andere radikale Gruppierungen unterstützen, obwohl Washington viel Geld in die Bekämpfung dieser Gruppen gesteckt hat. Letztendlich kommen jedoch zahlreiche Beobachter zu dem Schluss, dass die pakistanischen Generäle nichts tun werden, um ihre Beziehungen mit den USA zu gefährden, denn die Armee des Landes ist schlicht viel zu sehr auf militärische und wirtschaftliche Hilfe aus dem Westen angewiesen.

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