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Kultur

Ozonkiller wirken weiter

In fast jeder Umweltdiskussion ist es ein Thema: das Ozonloch. Doch Gegenmaßnahmen wie das Protokoll von Montreal zeigen ihrerseits Lücken - durch Ausnahmeregelungen für Entwicklungsländer.

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Die Nachricht klingt nur auf den ersten Blick beruhigend: Die Ozonschicht der Erde, die vor den schädlichen UVB-Strahlen der Sonne schützt, erholt sich wieder. Allerdings nur sehr viel langsamer als von Wissenschaftlern erwartet. Das Ozonloch über der Antarktis wird nach jüngsten Erkenntnissen der US-Raumfahrtbehörde NASA 20 Jahre länger bestehen als ursprünglich angenommen - nämlich bis 2068.

Dass sich die Ozonschicht der Erde überhaupt wieder erholt, ist vor allem dem Protokoll von Montreal zu verdanken. Darin hatten sich die Unterzeichnerstaaten 1987 verpflichtet, die Produktion ozonschädlicher Stoffe, der so genannten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), einzustellen. Die FCKW gelten als Hauptfeind der Ozonschicht. Sie wurden früher unter anderem in Kühlschränken, Klimaanlagen und als Treibgas in Spraydosen verwendet.

Antarktisches Ozonloch ist so groß wie Nordamerika

Die Folgen sind immer noch dramatisch: Alljährlich im Frühjahr öffnet sich über der Antarktis ein Ozonloch von 25 bis 29 Millionen Quadratkilometern Größe - das entspricht der Fläche Nordamerikas. Über der Arktis auf der Nordhalbkugel hingegen wurde ein vergleichbares Ozonloch bisher nicht beobachtet, dort bilden sich im Frühjahr allenfalls kleine Mini-Ozonlöcher.

Dass sich die FCKW im Norden und Süden so unterschiedlich auswirken, liege an den jeweils verschiedenen meteorologischen Gegebenheiten, erklärt Wolfgang Lohbeck, Ozonexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Für das Entstehen eines Ozonlochs braucht es zwei Dinge: viel FCKW und große Kälte." Die schädlichen Stoffe seien zwar im Norden und im Süden in etwa gleich verteilt. "Extreme Kälte aber bildet sich nur über dem Südpol aus - wegen seiner großen Landmasse, die der Nordpol nicht hat." Deshalb sei das Ozonloch, zumindest bisher, ein antarktisches Loch und kein arktisches Phänomen.

Protokoll von Montreal verzögert Erholung

Aber warum erholt sich das Ozonloch - trotz des Protokolls von Montreal und der seitdem reduzierten Menge an Treibhausgasen - nun so überraschend langsam? Lohbeck glaubt, dass das Montrealer Protokoll selbst dafür verantwortlich ist: Es habe die Benutzung der FCKW, die das Ozonloch verursachen, nahezu verboten, jedoch gleichzeitig Ausnahmegenehmigungen für die Entwicklungsländer erteilt. "Das Schlimme daran war, dass anstelle der FCKW neue, FCKW-ähnliche Stoffe eingeführt worden sind", beklagt Lohbeck. Diese Ersatzstoffe seien es, die die Erholung der Ozonschicht im Wesentlichen verzögerten. "Und das wäre nun absolut überflüssig gewesen."

Das NASA-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Arktis im Winter 1999/2000

Je blauer die Fläche, desto dünner ist die Ozonschicht über der Arktis (Aufnahme vom Winter 1999/2000)

Dass die industrielle Produktion auch ohne schädliche Ersatzstoffe möglich ist, hatte die Organisation Greenpeace schon vor über 13 Jahren gezeigt, als sie den ersten vollständig FCKW- und fluorkohlenwasserstofffreien Kühlschrank auf den Markt brachte: Das Gerät funktionierte mit natürlichen Kohlenwasserstoffen, wie sie seit Jahrmillionen in der Erde vorkommen - etwa Methan, Propan oder Butan. Doch die Industrie will auf ihre Ersatzstoffe nicht verzichten, schließlich geht es um Milliarden-Geschäfte.

Gefahr für Mensch und Natur ist längst nicht gebannt

Somit bleibt die Gefahr, dass sich die Ozonschicht der Erde auch in 60 Jahren noch nicht wieder erholt haben könnte. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur sind jetzt schon vielfältig: Beim Menschen ruft die UVB-Strahlung der Sonne vor allem Hautkrebs hervor und kann auch zu Erblindungen führen. Bei den Pflanzen wird das Wachstum geschädigt, Ernteausfälle sind die Folge.

Im Meer vor Australien verdrängen in Folge des Ozonlochs bereits bestimmte Algen viele empfindlichere Arten. Die neuen Algen sind jedoch für viele Tiere unverdaulich - die antarktische Nahrungskette droht zu reißen. Durch den Rückgang der schwächeren Algenarten, die für den Abbau von Kohlendioxid aus der Luft zuständig sind, entsteht außerdem ein weiteres Problem: Denn eine Verminderung des Kohlendioxid-Abbaus fördert die weltweite Klimaerwärmung.

Wolfgang Lohbeck von Greenpeace fordert deshalb eine massive Verschärfung des Montreal-Protokolls, das in seiner jetzigen Form bis zum Jahr 2040 Ausnahmen und schädliche Ersatzstoffe für FCKW in den Entwicklungsländern zulässt. "Da müsste man sofort die Notbremse ziehen." Die gesamte Stoffgruppe der fluorierten Kohlenwasserstoffe (FKW) gehöre verboten. Denn die FKW, die Nachfolger der ursprünglichen Treibhausgase, sind zwar keine direkten Ozonkiller, aber indirekt richten sie sehr wohl Schaden an: Als extreme Klimagase, die tausend Mal so stark wirken wie Kohlendioxid, heizen sie die Erdatmosphäre massiv auf. Das wiederum kühlt die Stratosphäre in einem komplizierten chemischen Prozess ab und begünstigt somit die meteorologischen Voraussetzungen für die Entstehung des Ozonlochs.

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