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Amerika

Obama beendet Lateinamerika-Reise vorzeitig

Das Verhältnis von Nord- und Südamerika neu definieren wollte der US-Präsident mit seiner ersten großen Lateinamerika-Tour. Die Libyen-Krise machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

US-Präsident Barack Obama im Amtssitz des salavdorianischen Präsidenten in San Salvador am 22. März 2011 (Foto: AP)

US-Präsident Barack Obama in San Salvador

Groß waren die Erwartungen an Barack Obamas Lateinamerika-Trip nicht zuletzt in El Salvador, der letzten Reisestation des US-Präsidenten. Am Ende war auch der Besuch in dem kleinen mittelamerikanischen Land überschattet von den sich überschlagenden Ereignissen in Nordafrika. Wie bereits in den Tagen zuvor in Brasilien und Chile wurde das Besuchs-Programm zusammengestrichen. Schließlich brach Obama angesichts der Krise in Libyen und der amerikanischen Beteiligung an der Durchsetzung des Flugverbots die Reise vorzeitig ab.

Ein für Mittwoch (23.03.2011) geplanter Besuch von Maya-Ruinen in Mittelamerika wurde gestrichen. Obamas Berater hatten immer wieder betont, der Präsident sei ganz bei den Kampfeinsätzen der US-Piloten, auch wenn er seine öffentliche Auftritte in den vergangenen Tagen den Treffen mit den politischen Führern Lateinamerikas gewidmet habe.

US-Präsident Barack Obama, neben Salvadors Präsident Funes und Erzbischof Escobar, besucht 22.03.2011 das Grab des 1980 ermordeten Bischofs der Armen, Oscar Romero (Foto: AP)

"Eine Inspiration": Obama (3.v.l.) am Grab des 1980 ermordeten "Bischofs der Armen", Oscar Romero

Gedenken am Grab von Bischof Romero

Der ebenfalls für Mittwochmorgen geplante symbolische Höhepunkt der Reise fand dennoch statt: Am Dienstag besuchte Obama in der Hauptstadt San Salvador das Grab des 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Romero. Mit geschlossenen Augen legte Obama eine Gedenkminute für den als Märtyrer verehrten "Bischof der Armen" ein, berichteten lokale Medien. Romero sei eine Inspiration, sagte der US-Präsident. El Salvadors Staatschef Mauricio Funes würdigte Obamas Geste. Obama habe damit die "Größe des spirituellen Führers El Salvadors" anerkannt.

El Salvadors heutiger Erzbischof José Luis Escobar gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass durch Obamas Geste die Seligsprechung Romeros beschleunigt werde. Sie wird seit Mitte der 1990er-Jahre vom Vatikan geprüft. Escobar verglich Romero mit dem US-amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King. Romeros Ermordung am 24. März 1980 während einer Messe stand am Beginn eines Bürgerkrieges zwischen Armee und Guerilla, der zwölf Jahre dauerte und 75.000 Menschen das Leben kostete. Der Erzbischof hatte das damalige Militärregime, das von den USA unterstützt wurde, scharf kritisiert.

Migration und Drogenkriminalität

Protest gegen den Militäreinsatz in Libyen in San Salvador am 22.03.2011 (Foto: AP)

Protest gegen den Militäreinsatz in Libyen

Der Besuch des US-Präsidenten in El Salvador wird auch als Anerkennung des Mitte-Links-Präsidenten Mauricio Funes gewertet. Funes löste vor zwei Jahren erstmals die aus früheren Militärregimen hervorgegangenen Rechtsregierungen ab. Bei seinem Treffen mit Funes sicherte Obama 200 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Zentralamerika zu. Im Gegensatz zu früheren US-Hilfsprogrammen für die Region sollen die Mittel nicht nur für militärische Ausrüstung verwendet werden. Obama betonte, es sollten auch Justiz und Zivilgesellschaft gestärkt werden, um der Kriminalität den Boden zu entziehen.

Ein weiteres Thema der Gespräche Obamas mit Präsident Funes war die massive Auswanderung von Salvadorianern in die USA. Dort lebt mehr als ein Viertel der Bürger des zentralamerikanischen Landes. Beide Staatschefs stimmten darin überein, dass sowohl Kriminalität als auch Auswanderung langfristig nur mit einer Verbesserung der Lebensbedingungen in El Salvador gelöst werden können.

Autor: Sven Töniges (epd, ap, dpa)

Redaktion: Mirjam Gehrke

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