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Amerika

Obama preist Demokratie in Lateinamerika

Kräftig verhagelte die Libyen-Krise den ersten Teil von Barack Obamas Lateinamerika-Reise. In Chile versuchte der US-Präsident, doch noch einen epochalen Ton anzuschlagen.

US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede im Stadttheater in Rio de Janeiro am 20.03.2011 (Foto: AP)

US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede im Stadttheater in Rio de Janeiro

US-Präsident Barack Obama hat den Ländern Lateinamerikas Anerkennung für ihre demokratische und wirtschaftliche Entwicklung ausgesprochen und ihnen zugleich eine neue Partnerschaft angeboten. "In einer Zeit, in der viele Menschen weltweit Freiheit fordern, zeigt Chile, dass ein friedlicher Übergang von einer Diktatur zu einer Demokratie möglich ist", sagte Obama nun während eines Staatsbesuchs in dem südamerikanischen Land. Auch die wirtschaftliche Bedeutung des Subkontinents werde immer größer. Obama verwies darauf, dass die USA mehr nach Lateinamerika als nach China exportierten.

Bei der mit Spannung erwarteten Rede an die Völker Lateinamerikas forderte der US-Präsident die Zusammenarbeit aller Länder Amerikas in den Bereichen Wirtschaft, Armutsbekämpfung und Demokratiestärkung. Angesichts der hohen Erwartungen an die Rede, die die US-Diplomatie durch einen Vergleich mit John F. Kennedys "Allianz für den Fortschritt" von 1961 noch geschürt hatte, war die Reaktion auf Obamas Rede jedoch eher verhalten. "Er hat Absichten angekündigt, mal sehen, was nun kommt", sagte etwa der frühere chilenische Außenminister und heutige Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza.

Keine Entschuldigung für US-Rolle während der Militärdiktaturen

Barack Obama zu Besuch bei Chiles Präsidenten Piñera in dessen Amtssitz La Moneda in Santiago de Chile, 21.03.2011 (Foto: AP)

Neue Richtung für die Beziehungen der USA zu Lateinamerika?

Einer Forderung von chilenischen Parlamentariern, Menschenrechtsorganisationen, Studenten und sozialen Bewegungen, er solle sich für die Rolle seines Landes während der Militärdiktaturen in Lateinamerika und vor allem in Chile (1973-1990) offiziell entschuldigen, kam Obama nicht nach. "Ich kann für vergangene US-Politik nicht die Verantwortung übernehmen, nur für gegenwärtige und künftige", so der US-Präsident.

In den 60er bis 80er Jahren hatten die USA politisch, logistisch und finanziell mehrere Militärputschs in lateinamerikanischen Staaten gegen demokratisch gewählte linksgerichtete Regierungen unterstützt. Während der Diktaturen wurden zehntausende Andersdenkende verfolgt, gefoltert und ermordet. Viele Militärs waren zuvor in der US-Militärakademie "School of Americas» in Panama ausgebildet worden. 1973 unterstützten die USA in Chile das Militär, als sie den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende stürzten.

Umstrittene Atomzusammenarbeit

Familie Obama besucht die Chtistus-Statue auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro, Sonntag, 20.03.2011 (Foto: AP)

Kriegspräsident auf Touri-Trip? Über den ersten Teil von Obamas Reise hagelte es Kritik

Obama war im Rahmen einer Lateinamerikareise von Brasilien aus zu dem 20-stündigen Besuch in Chile eingetroffen. Bei den Gesprächen mit dem konservativen chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera ging es auch um die erst vergangenen Freitag vereinbarte und in Chile umstrittene Atomzusammenarbeit beider Länder. Piñera betonte angesichts der vehementen Ablehnung von Atomkraft in dem stark erdbebengefährdeten Land, während seiner Regierungszeit werde kein Atomkraftwerk gebaut. Das war aber auch nicht vorgesehen. In einer Umfrage, die nach dem Atomunfall in Japan erhoben wurde, lehnen 86 Prozent der Chilenen die Atomkraft ab.

Obama, der von seiner Frau Michelle und den beiden Töchtern Malia und Sasha begleitet wird, fliegt an diesem Dienstag (22.03.2011) nach El Salvador weiter. Der mittelamerikanische Staat ist die letzte Station der Reise, die am Mittwoch endet.

Autor: Sven Töniges (dpa, kna)

Redaktion: Mirjam Gehrke

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