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Amerika

Noriega, ein unbequemer Heimkehrer

Über zwanzig Jahre hat der frühere Diktator Noriega in Gefängnissen in den USA und Frankreich verbracht. In seiner Heimat muss er sich wegen politischen Mordes verantworten.

Manuel Noriega auf dem Weg ins Gefägnis in Panama (Foto: dapd)

Manuel Noriega auf dem Weg ins Gefängnis in Panama

Er ist einer der letzten Vertreter der alten Diktatoren-Garde Lateinamerikas: Der heute 77 Jahre alte Ex-General Manuel Noriega ist ein von Krankheit und zwanzig Jahren Haft gezeichneter Greis. Doch seine Verbrechen sind in Panama nicht vergessen – und zum großen Teil bis heute auch nicht aufgeklärt.

Nach seiner Ankunft mit einem Linienflug am Sonntagabend (11.12.2011) ist Noriega vom Flughafen direkt in das Gefängnis El Renacer außerhalb von Panama-Stadt gebracht worden. Jetzt drohen ihm bis zu 60 Jahre Haft wegen der Ermordung von elf politischen Gegnern. Außerdem stehen noch weitere Prozesse an wegen der Ermordung von Opfern des berüchtigten Geheimdienstes G-2, dem Noriega ab 1970 vorstand.

Noriega schuldet seinem Land die Wahrheit

Unter Berücksichtigung von Noriegas Alter und Gesundheitszustand hatte Panamas Präsident Ricardo Martinelli sich dafür ausgesprochen, die Gefängnisstrafe in Hausarrest umzuwandeln, wie es das Gesetz für Häftlinge über 70 vorsieht. Doch Angehörige von Opfern, die Kirche sowie einige politische Parteien wollen das verhindern: "Die Familien der zahlreichen Opfer haben ein Recht zu wissen, wo ihre verschwundenen Angehörigen sind", so Erzbischof Domingo Ulloa am Sonntag. Der große Dienst, den der Ex-General jetzt noch leisten könne, sei, "die ganze Wahrheit zu sagen."

Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega (Foto: AP)

Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega

Ingesamt 21 Jahre, elf Monate und acht Tage hat Noriega wegen Drogenhandels und Geldwäsche in den USA und Frankreich hinter Gittern gesessen. In den USA war er 1990 zu 40 Jahren Haft wegen Drogenschmuggels verurteilt worden. Nachdem er die Hälfte der Strafe verbüßt hatte, war Noriega im April 2010 an Frankreich ausgeliefert worden, wo er wegen Geldwäsche von bis zu drei Millionen Dollar bereits 1999 in Abwesenheit zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Nach seiner vorzeitigen Entlassung im September saß er in Auslieferungshaft.

Seine Rückkehr nach Panama reißt viele alte Wunden in dem mittelamerikanischen Land auf. Hunderte Fälle von toten und verschwundenen Regimegegnern blieben ungeklärt. Viele seiner Weggefährten aus der Zeit der Diktatur (1983-1989) haben heute wichtige Posten in der Regierung inne.

Doppeltes Spiel mit den USA

Noriega selbst stand als Geheimdienstchef 16 Jahre lang, von 1971 bis 1987, mit nur kurzen Unterbrechungen auf der Gehaltsliste der CIA. Er half den USA, Waffen über Panama an die Contra-Rebellen in Nicaragua zu liefern. Ohne Wissen der USA arbeitete Noriega auch mit den Geheimdiensten von Nicaragua, Kuba und Libyen sowie mit dem kolumbianischen Kokain-Kartell aus Medellin zusammen. Panama wurde zur Durchgangsstation für den Drogenschmuggel in die USA.

Als die Verbindungen durch US-Medien aufgedeckt wurden, konnte die Regierung von George Bush Sr. dem Treiben nicht länger tatenlos zuschauen. Ende Dezember 1989 marschierten US-Truppen in Panama ein. Noriega suchte zunächst Zuflucht in der apostolischen Nuntiatur in Panama-Stadt bevor er sich am 3. Januar stellte und nach Miami in ein Gefängnis gebracht wurde.

Angehörige von Diktatur-Opfern protestieren gegen Manuel Noriega (Foto: DW/ Amir Valle

Angehörige von Diktatur-Opfern protestieren gegen Manuel Noriega

Ein Greis spaltet das Land

Die Rückkehr Noriegas spaltet die öffentliche Meinung in Panama. In der Presse und in Online-Foren diskutieren Experten und Bürger über den Umgang mit dem einst gefürchteten General. Während seine Gegner die vollständige Aufklärung der Menschenrechtsverbrechen fordern, erwartet die Kirche "Reue und Buße", so Erzbischof Ulloa. Seine Anhänger hingegen fordern Straffreiheit für Noriega und verweisen auf sein hohes Alter.

Zunächst jedoch sitzt Manuel Noriega in der Haftanstalt El Renacer, wo er nach Auskunft der Gefängnisleitung "keinerlei Privilegien" genießt, in einer Zelle mit Bett und Schreibtisch, privatem Bad und Blick auf den Panama-Kanal, aber ohne Fernsehen und Internetzugang. Wann die Prozesse gegen Noriega beginnen ist noch offen.

Autorin: Mirjam Gehrke
Redaktion: Andreas Noll

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