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Amerika

20 Jahre Panama-Invasion

"Just Cause" - gerechte Sache - nannte das US-Militär seine Invasion in Panama im Dezember 1989. Vordergründig galt der Einmarsch der Festnahme des Machthabers Noriega. In Lateinamerika sieht man das bis heute anders.

Protest vor der US-Botschaft in Panama-Stadt (Foto: AP)

Obama vs. Noriega: bunter Protest vor der US-Botschaft in Panama-Stadt

Weihnachten steht vor der Tür in Panama-Stadt an diesem frühen Morgen des 20. Dezember 1989. Plötzlich dröhnen in die Stille der Nacht Militär-Transporter und Stealth-Bomber der US-Luftwaffe, bald folgen Lastwagenkolonnen mit den ersten von 24.000 US-Soldaten. Operation "Just Cause", die "gerechte Sache", hat begonnen. Zum ersten Mal seit dem Ende des Vietnamkriegs bedient sich die Außenpolitik der USA in größerem Umfang militärischer Mittel.

Washingtons verlorener Sohn

Die päpstliche Botschaft in Panama im Januar 1989(Foto: AP)

Noriegas Zuflucht: die päpstliche Botschaft in Panama im Januar 1989

Washington will Panamas zwielichtigen starken Mann dingfest machen, General Manuel Noriega. Der umtriebige Offizier hatte einst hoch in der Gunst der USA gestanden. In frühen Jahren diente Noriega der CIA als Informant, später, als Panamas Diktator, unterstützte er den Kampf der USA gegen kommunistische Umtriebe in Zentralamerika. Doch im Zuge der Iran-Contra-Affäre fiel Noriega in Ungnade. Seine Verstrickung in Drogen- und Waffengeschäfte war ruchbar geworden. 1988 klagten Bundesjustizbehörden in Florida Noriega wegen Geldwäsche und Drogenhandel an.

Im Oktober 1989 schlägt Noriega einen Putschversuch brutal nieder. Als kurz darauf das ihm gewogene panamaische Scheinparlament die USA mit einer Kriegserklärung provoziert, ist für die Entscheider in Washington das Maß voll: Präsident George Bush senior, innenpolitisch in schwere See geraten, befiehlt die erste große Militärintervention seit dem Rückzug der US-Truppen aus Saigon 1975.

Satanisches Liedgut in der päpstlichen Botschaft

Es dauert nur ein paar Stunden, bis die US-Marines das Hauptquartier Noriegas unter ihre Kontrolle bringen. Doch von dem General fehlt zunächst jede Spur. Schließlich ersucht der Junta-Chef am Heiligen Abend 1989 in der Botschaft des Vatikans in Panama-Stadt um politisches Asyl. Papst Johannes Paul II. will es dem unwillkommenen Gast nicht gewähren, Noriega aber auch nicht an die US-Streitkräfte ausliefern.

Die greifen derweil in die Trickkiste der psychologischen Kriegsführung. Pausenlos beschallen sie mit 10.000 Watt-Lautsprechern die Residenz des päpstlichen Nuntius mit Rockmusik. Nach elf Tagen ohrenbetäubender Beschallung mit Songs wie "Go to Hell" gibt der zermürbte General auf. Der den USA freundlich gesinnte Politiker Guillermo Endara wird als Präsident installiert, Noriega dagegen 1992 in Florida zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Anti-Drogen-Polizei im Einsatz (Foto: AP)

Auch 20 Jahre nach der US-Intervention ist Panama in den Drogenhandel verstrickt. Am 18. Dezember 2009 zerstören panamaische Polizisten die Drogenfunde der letzten 22 Tage: 6,5 Tonnen Kokain und mehr als 100 Kilo Marihuana

Völkerrechtswidriger Krieg

Doch mit ihrem militärischen Erfolg handeln sich die USA zwei politische Altlasten ein, mit denen man sich bis heute herum zu schlagen hat. Zum einen hallt das Echo der völkerrechtswidrigen Aktion in der Region bis heute nach. Die Operation "Just Cause" gilt als Rückfall in einen überwunden geglaubten Interventionismus der Supermacht. "Die Erinnerung an die Aktion trifft einen echten Nerv in Lateinamerika", sagt Michael Shifter vom Washingtoner Thinktank "Interamerican Dialogue" gegenüber der Deutschen Presseagentur. Zwar finde sich in der Region niemand, der Noriega verteidige. Zugleich aber werde die Aktion einhellig als illegal abgelehnt.

Zum anderen ist es Manuel Noriega, der den US-Behörden Kopfzerbrechen bereitet. Noch immer sitzt der einstige Lieblingsfeind der USA in Florida hinter Gittern. Wegen guter Führung war seine Haftstrafe reduziert worden. Demnach hätte der Ex-Machthaber 2007 auf freien Fuß gesetzt werden müssen. Doch Frankreich, wo Noriega in Abwesenheit zu einer zehnjährigen Haftstrafe wegen Geldwäsche verurteilt wurde, verlangt seine Auslieferung. Bislang konnten Noriegas Anwälte eine Abschiebung nach Frankreich abschmettern. Der Ex-General selbst verlangt seine Überstellung nach Panama. In seiner Heimat fürchten indes viele, Noriega könne in die Politik zurückkehren und für Unruhe sorgen.

Angehörige verlangen Wahrheitskommission

Julieth Lyons am Grab ihres Vaters. Der Offizier starb bei der Invasion (Foto: AP)

Julieth Lyons am Grab ihres Vaters. Der Offizier starb bei der Invasion

Unterdessen verlangten am Sonntag (20.12.2009), dem 20. Jahrestag der Invasion, Angehörige von Opfern des Einmarschs die Einrichtung einer Wahrheitskommission zur Aufklärung etwaiger Kriegsverbrechen. Menschenrechtler gehen davon aus, dass durch den Militäreinsatz bis zu 4000 Menschen starben, offiziell wird die Zahl der Toten mit rund 500 angegeben. Der finanzielle Schaden für Panama wird auf bis zu zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Autor: Sven Töniges (dpa/afp)

Redaktion: Manfred Götzke

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