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Amerika

Das Land um den Kanal

Es ist eines der kleinsten Länder Lateinamerikas, aber das Nadelöhr der globalen Wasserwege. In der jetzt zu Ende gehenden Regierungszeit von Präsident Torrijos erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung.

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Der Panama-Kanal verbindet zwei Meere und trennt zwei Erdteile

Panamas wohl wichtigstes Merkmal ist zuallererst, dass es "dazwischen" liegt. Es ist die schmale Wespentaille zwischen dem Atlantik und dem Pazifik, zwischen Nord- und Südamerika. Und so wurde das Land über Jahrhunderte weg überschritten und überfahren, benutzt und ausgenutzt, durchschnitten, bebaut, verkauft. In der Landenge erkannten schon die spanischen Eroberer zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine ideale Verbindungsmöglichkeit zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean. Drei Jahrhunderte später sicherten sich die Vereinigten Staaten das Recht, den Isthmus "auf ewige Zeiten" überqueren zu dürfen.

Mit Hilfe der USA zur Unabhängigkeit

Zu diesem Zeitpunkt war Panama noch eine Provinz Kolumbiens, plante aber seine Unabhängigkeit. Da Kolumbien das Angebot der USA, einen Kanal durch die Meerenge zu bauen, ablehnte, unterstützen die Vereinigten Staaten kurzerhand die Unabhängigkeitsbewegung Panamas. Die Gründung der Republik wurde am 3. November 1903 proklamiert.

Abhängig vom großen Bruder

Freihandelszone Pannama

Jetzt - wann ist das? Demonstranten gegen die Freihandelszone

Wenige Monate später begann der Bau des Kanals unter US-amerikanischer Führung. Alle Nutzungsrechte lagen bei den USA, Panama bekam eine kleine jährliche Zuwendung und wurde ab 1964 außerdem Standort der berüchtigten US-Militärakademie "Escuela de las Americas". Dort wurden, bis zur Schließung 1984 über 60.000 Militärs und Polizeikräfte "ausgebildet"; unter den Absolventen zahlreiche der Diktatoren, die in den 70er Jahren zwischen Rio de la Plata und Feuerland Menschenrechtsverbrechen verübten: Manuel Antonio Galtieri, der Argentinien in den Malvinaskrieg führte, Augusto Pinochet, der zwischenzeitlich sogar Direktor der Akademie war und – ironischerweise auch der Panamaer Manuel Antonio Noriega.

Operation Just Cause

Nach dem mysteriösen Flugzeugabsturz des bis dato Präsidenten Omar Torrijos, übernahm Noriega 1983 die Macht. Seine Diktatur riss das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise. 1989 wurde der vormals wichtigste Verbündete der Vereinigten Staaten in Lateinamerika ausgerechnet von den USA (damals unter Georg Bush Sr.) in der Operation 'Just Cause' gestürzt. Ihm wurden nicht nur Verbindungen zum Drogenkartell von Medellín sondern auch zur CIA nachgewiesen.

1989 kehrte Panama zurück zur Demokratie. Und erhielt – wie 1977 in den Kanal-Verträgen festgehalten – zehn Jahre später die Hoheit über den Kanal.

Gipfel der amerikanischen Staaten in Trinidad

Panamas präsident Martín Torrijos auf dem Amerika-Gipfel im April 2009

Regiert wird Panama seit 2004 von Martín Torrijos , dem Sohn Omar Torrijos. Seinen Wahlkampf bestritt er mit der Parole Sí, se puede und mit dem Versprechen, die Korruption zu bekämpfen und Sicherheit und Beschäftigung zu schaffen.

Starker Wirtschaftsaufschwung

Anders als seine Vorgänger profitierte Martín Torrijos bisher von einem starken und stabilen Wirtschaftsaufschwung. In den ersten vier Jahren seiner nun zu Ende gehenden Regierungszeit ist das reale BIP im Durchschnitt um acht Prozent gewachsen, die Arbeitslosenquote fiel von über zwölf auf geschätzte sechs Prozent. Torrijo reformierte die Sozialversicherung, schloss Freihandelsverträge mit den USA und Costa Rica ab und stieß ein Wohnungsbauprogramm an.

Teures Prestige-Projekt

Im März 2006 präsentierte Torrijos den Plan für das bislang größte öffentliche Investitionsprojekt in der Geschichte des Landes: den Ausbau des Kanals für die neue Generation der Riesenfrachter. Die Panamaer stimmten dem auf 5, 3 Milliarden US-Dollar teuren Projekt in einer Volksabstimmung zu. Die 80-Kilometer-lange Wasserstraße wird seit Sommer 2007 für mehr als vier Milliarden Euro ausgebaut. Mit dem Prestige-Projekt soll der Sprung von einem Entwicklungsland zu einem Staat der Ersten Welt bewältigt werden. In Panama-Stadt scheint man diesem Ziel schon sehr nahe.

Allerdings ist die Kluft zwischen Arm und Reich nach wie vor sehr hoch. Abseits der Skyline der Hauptstadt leben rund 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, darunter viele Indigenas und das Gros der Landbevölkerung. Geldwäsche, Menschen- und Drogehandel florieren in dem Transitland weiter und Menschenrechtsorganisationen klagen über Repressionen und Bedrohung. (ahe/bpb/faz/sz/nzz)

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