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Kultur

Nicht von Pappe

Preisfrage: Woraus besteht ein Bierdeckel? - Na ... warten Sie's ab. Das beliebte Spielzeug für langweilige Kneipenabende und stolz herumgezeigte Mitbringsel aus fernen Ländern wird 100.

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Auch zu DDR-Zeiten gab's "Getränkeuntersetzer"

Warum heißt der Bierdeckel eigentlich 'Deckel', wo er doch gar nichts bedeckt? Begründet sei dieser Irrtum im 19. Jahrhundert, berichtet Bierdeckelhersteller Elmar Hohmann. Damals hatten die Bierseidel der feineren Leute Deckel aus Silber oder Zinn. Weniger betuchte Zeitgenossen tranken ihr Bier aus Krügen ohne Deckel. Und um im Freien ihr Bier dennoch vor Blättern oder Insekten zu schützen, legten viele die damals gebräuchlichen Filz-Untersetzer auf die Krüge. Im Bayerischen hält sich bis heute der Begriff "Bierfilz".

Filz ist unhygienisch

Allerdings waren diese dunkelrot oder dunkelgrün gefärbten Filze nicht gerade hygienisch. Meist waren sie feucht, beherbergten Bakterien aller Art und rochen streng. Um 1880 soll der Dresdner Robert Sputh dann Holzfilzplatten erfunden haben. Er goss Papierbrei in Formen und ließ sie über Nacht trocknen. Bald stellte sich heraus, dass diese Papierplatten sich auch bestens dazu eigneten, Bierschaum aufzusaugen. Der Vorläufer des Bierdeckels hatte einen Durchmesser von 107 Millimetern - bis heute ist das das Standardmaß.

Bierdeckelprovinz im Schwarzwald

40 Prozent aller Bierdeckel der Welt kommen aus dem Murgtal am Rande des Schwarzwaldes. Casimir Otto Katz begann 1903 mit der Produktion von Bierdeckeln in großem Stil. Die kleine Fabrik, in der ursprünglich Eisenbahnschwellen und Telegrafenmasten hergestellt wurden, produziert heute täglich rund zehn Millionen Bierdeckel. Im Jahr sind es 1,4 Milliarden: Die Katz International Coasters GmbH & Co. KG ist Weltmarktführer in Sachen Bierdeckel. Elmar Hohmann, heutzutage Geschäftsführender Gesellschafter der Katz GmbH in Weisenbach (Baden-Württemberg), bezeichnet ihn als "ein Stück europäische Bierkultur". Der Exportanteil seiner Firma liegt bei 80 Prozent des Gesamtumsatzes von 24 Millionen Euro.

Gesprächsthema für flaue Kneipenabende

Frisches Fichtenholz eignet sich am besten als Grundstoff für einen Deckel. Es habe lange Fasern und gewährleiste höchste Saugfähigkeit, erklärt Hohmann. Die Stämme werden zermalmt und zu einem Brei verarbeitet, dem dann das Wasser entzogen wird. "Für unsere Bierdeckel ist noch kein Baum gefällt worden, der nicht ohnehin raus musste", macht er auf seinen Beitrag zum Waldschutz aufmerksam. Längst werben nicht mehr nur Brauereien auf den Untersetzern. Parteien, Radiosender oder Kinos nutzen sie als Werbeträger. "Sie sind billig und erregen große Aufmerksamkeit." Auch die Form ist inzwischen nicht mehr 08-15: Es gibt Bierdeckel in den Umrissen von Australien, mit "Löffelparkplatz" für den verschmierten Kaffeelöffel oder in Form eines Blattes für Weingläser.

Sollte der Gesprächsfaden in der Kneipe reißen, lassen sich einige Luxus-Exemplare sogar zum Puzzle oder zu einem Mühle-Spiel umgestalten. Der herausbrechbare Mini-Bumerang ("Fingerang") könnte jedoch an der Ordnungsliebe mancher Gastwirte scheitern. Trotzdem sind der Katz GmbH solche Einweg-Deckel am liebsten. Kultur hin oder her: "Am Ende eines jeden Kneipenbesuchs sollte jeder Gast seinen Bierdeckel zerstören."

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