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Kultur

Bier-ernste Forschung

Wissenschaft schafft Wissen, und wie! Endlich ist bewiesen: Bierschaum zerfällt exponentiell. Butterbrote landen falsch herum. Kansas ist platter als ein Pfannkuchen. Nicht lachen: Das alles ist klüger, als es klingt!

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Wann verschwindet der Schaum? Alles schon erforscht

Der gemeine Pfannkuchen ist für Wissenschaftler offenbar ein besonders lohnendes Forschungsobjekt. Wie zum Beispiel wendet man das Ding am geschicktesten? Zehnwöchige Tests an der Universität Leeds haben ergeben: Die persönliche Wurfgeschwindigkeit berechnet sich als Quadratwurzel aus Pi mal Schwerkraft, geteilt durch die vierfache Entfernung Ellenbogen-Pfannkuchen-Mittelpunkt. Bittebitte, gern geschehen.

Kansas als Flachgebiet

Außerdem ist ein Pfannkuchen nicht so flach, wie er aussieht – der US-Bundesstaat Kansas ist vergleichsweise noch flacher. Das lehrt uns die Arbeit von Mark Fonstad und William Pugatch (beide Texaner) und Brandon Vogt aus Arizona.

Was ist flacher

Die Vergleichsobjekte: Pfannkuchen versus Kansas, USA

Sie haben Kansas mathematisch auf Pfannkuchengröße geschrumpft und per Digitalbild und Lasermikroskop mit einem handelsüblichen Eierkuchen verglichen. Ergebnis: Wenn der absolute Flachheitsindex 1 wäre, dann erreicht der Pfannkuchen nur 0,957 (flach, aber nicht flach genug). Kansas aber kommt auf 0,9997 (verdammt flach).

Wie konnten wir nur so lange ohne diese Entdeckung überleben? Aber es gibt ja eine Freiheit der Forschung. Und man sollte nicht vorschnell urteilen, betont Dr. Arnd Leike, Physiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München: "Erstmal sagt man, der ist ja durchgeknallt. Aber es ist schon ernst."

Mathematik im Glas

Leike weiß, was er sagt – er machte darauf aufmerksam, dass der Schaum auf dem Bier nicht einfach so kleiner wird, sondern dass er einer Exponentialfunktion gehorcht. Dafür bekam er 2002 den Ig-Nobelpreis - eine Art Anti-Auszeichnung für Forschung, "die nicht wiederholt werden kann oder sollte".

Am 2. Oktober 2003 findet die nächste Verleihzeremonie an der Harvard University statt. Dann vergibt die Zeitschrift "Annals of Improbable Research" zehn Preise für Entdeckungen, "die einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen". Auch "echte" Nobelpreisträger sollen kommen.

Schaum dient der Wahrheitsfindung

Leike, Oberassistent in der Sektion Physik, findet sein Experiment auch nur vordergründig zum Lachen. "Der Bierschaum war sozusagen das Werbeplakat", erklärt er gegenüber DW-WORLD. "Ich wollte meinen Studenten einfach demonstrieren, wie man in der Naturwissenschaft Hypothesen testet." Das würde nämlich viel zu selten gelehrt – und wenn, dann zu langweilig: "Ich brauchte ein einprägsames Experiment, das jeder nachvollziehen kann."

Leider hätten viele Außenstehende nur "Bier" verstanden, die Hypothesen-Botschaft dahinter allerdings nicht. "Das ist eine zweischneidige Sache", sagt Leike, "aber das habe ich in Kauf genommen". Auch über den Ig-Nobelpreis (ignoble heißt unwürdig) hat er sich nicht geärgert, sondern gefreut, obwohl er die Reise zur Verleihung selber bezahlen musste. "Ich war auch der erste Deutsche, der einen bekommen hat", erzählt er.

Auch Brot gehorcht der Physik

Für abgefahrene Forschung hat Leike auch durchaus etwas übrig, die erfordere nämlich mehr Mathematik, als es den Anschein habe. "Kollegen haben mal nachgerechnet, warum der Toast meistens verkehrtherum landet, wenn er fällt. Da kann man sehr schön Physik dran erklären." Und das sei wichtig, um Menschen die Zusammenhänge nahezubringen, damit sie neue Erfindungen auch verstehen. "Die sollten nicht nur benutzt werden wie Gras, das die Kuh frisst", findet Leike. Die Amerikaner seien viel eifriger darin, "die Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm herauszuholen. Public Relations für Wissenschaft kommt ja aus Amerika."

Für diese Bemühungen müssen Wissenschaftler auch hart im Nehmen sein. "Das Bier habe ich nicht bezahlt gekriegt", betont Leike. "Aber ich hab‘ das schon getrunken - obwohl es nach dem Versuch natürlich schal war."

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