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Kultur

Ein Tusch im Staate Bush!

Frohsinn und rheinische Lebensart halten Einzug in der Lower East Side von New York. Das erste Kölsche Brauhaus ist da. Narrenfreiheit im Schatten der Freiheitsstatue?

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Ein frisches Kölsch gegen Durst und Heimweh

Am 11.11.2003, zur Eröffnung der neuen Karnevalssession, beginnt die fünfte Jahreszeit auch in New York. Während am East River die ersten Takte aber erst gegen Abend anklingen, lassen in den einschlägigen Hochburgen im Rheinland die Kräfte bereits stark nach. Zeitverschiebung samt strikteren Arbeitszeiten zwingen die Narren in New York zur Umverteilung der Prioritäten.

Bis vor kurzem hatten es Freunde der rheinischen Lebensart im New Yorker Exil allerdings noch etwas schwerer, denn die Loreley, ein Lokal nach Kölner Brauhaus-Vorbild, gibt es erst seit dem 3. Oktober 2003. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Michael

Bier

Prost!

Momm. Der 43jährige Deutsch-Amerikaner wuchs in Köln auf, lebt seit 17 Jahren in den USA und ist ein gefragter Musikproduzent und DJ. Obwohl der künstlerische Erfolg parallel zum gastronomischen Engagement unvermindert anhält, sieht Momm die Loreley als Herzensangelegenheit.

Yankee-Schunkel

Neben spektakulären Meldungen für die Heimat, wie "Kölsch erobert New York", ist Michael Momm die Vermittlung eines traditionellen und gleichzeitig modernen Deutschlandbildes wichtig. Von der ansonsten stark mit Klischees behafteten "originalen" deutschen Gastlichkeit jenseits des Atlantiks möchte sich der frisch gebackene Gastronom bewusst abgrenzen. Deshalb vertritt er auch beim Design eine klare Linie. So wurden die Tische zwar eigens in Köln angefertigt, übermäßige Dekoration aber vermieden.

Einzig der Name Loreley weckt Erinnerungen an ein kitschiges Verständnis von Deutschland in den Vereinigten Staaten. Wie Momm erklärt, steht die Mehrheit der amerikanischen Gäste trotz des authentischen Konzepts regionaler Differenzierung zwischen Köln, dem Rheinland oder Deutschland unwissend gegenüber. Somit muss der Name scheinbar mit einem höheren Wiedererkennungsfaktor zwischen Long Island und New Jersey entschuldigt werden.

Business as usual?

Im Gegensatz zur Bundesrepublik ist in den USA die Finanzierung eines gastronomischen Betriebes durch eine Brauerei verboten. Ein Jahr Vorbereitung hat das deutsche Multitalent benötigt, um genügend private Geldgeber zu finden. Der

Glas Bier mit Zapfhahn

Frisch gezapft schmeckt's am besten

Aufwand habe sich aber gelohnt, so Momm, da eine solch große Auswahl an deutschem Bier (zwölf vom Hahn, sechs aus der Flasche) in den USA selten zu finden sei. Zudem könne wegen der großen Anzahl der vor Ort ansässigen deutschen Firmen die Kundschaft kaum ausgehen.

Selbst wenn bislang noch etwa die Hälfte der Gäste aus Deutschen besteht, wird das Konzept ebenfalls von New Yorkern positiv aufgenommen. Ein begeisterter Gast nennt in einem Internetforum die Gründe: die Loreley sei modern, günstig sowie durch und durch "deutsch". Die Einschätzung "günstig" ließe sich mit europäischem Maßstab auch nach Einführung des Euro nicht halten, aber im New Yorker Durchschnitt liegen die Preise auf mittlerem Niveau.

Hip Hopfen

An der Bar sind neben Kölsch auch das derzeit sehr beliebte Hefe-Weizenbier sowie Pils die Renner. In Sachen fester Nahrung möchte Michael Momm aber nicht zurückstehen und mithelfen, den schlechten Ruf der deutschen Küche zu rehabilitieren. Seine Gäste danken es ihm mit reichlicher Bestellung von Reibekuchen und Wurstplatte mit Sauerkraut.

"Halber Hahn" beim Baseball-Schauen

Wo sich der Rheinländer gerne auf den Arm nimmt und nehmen lässt, geht man in den USA behutsamer vor. Undenkbar ist in New York die für Kölner Brauhäuser übliche Bezeichnung eines Käsebrötchens als "Halber Hahn". Jenseits des Atlantiks tituliert man die rheinische Delikatesse lieber als "Aged Gouda on a 5 grain roll". Kenner des Genres mögen angesichts der Abweichungen vom Original Milde walten lassen und sich an den Live-Übertragungen der Yankee-Baseballspiele erfreuen.

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