1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Mit Handys gegen Armut

Nur eine Milliarde Menschen weltweit haben ein eigenes Bankkonto, 80 Prozent in Entwicklungsländern keinen Zugang zum Bankensystem. Aber es gibt drei Milliarden Handybesitzer: Ein Ansatz für neue Entwicklungsstrategien.

Äthiopier mit Handy, Foto: AP

Mit dem Telefon Bankgeschäfte erledigen

Die SMS versetzt Paul Kangethe in Erstaunen. "So etwas habe ich noch nie gesehen", wundert sich der 35-jährige Kenianer, denn gerade hat ihm sein Handy mitgeteilt, dass sein Schwager ihm Geld geschickt hat, das er im nächsten Handyladen abholen kann. Kangethe gehört zu den 65.000 Abonnenten des Handybankingsystems "M-Pesa", mit dem er Zugang zu einem Bankservice hat, ohne selbst ein Konto zu besitzen. 80 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern haben kein Konto.
Bauer in Simbabwe, Foto: dpa

Was tun, wenn der nächste Bankschalter 100 Kilometer entfernt ist?

Doch der Zugang zu einem Bankensystem ist ein wichtiges Element in der Armutsbekämpfung: "Vor allem für Kleinstunternehmen", erklärt Klaus Tischhauser, Geschäftsführer der im Mikrokreditbereich aktiven Schweizer Anlageplattform "ResponsAbility". Ein Handwerker etwa könne sich mit einem Kredit selbstständig machen und eine Maschine kaufen, führt er als Beispiel an. Dadurch werde die Arbeit profitabler, Konsum, Sparquote und Investitionen steigen. "Das treibt einen Wirtschaftskreislauf an, der für die Entwicklung sehr wichtig ist", so Tischhauser. Das belegt auch eine Studie der London Business School: Wenn nur zehn Prozent aller Menschen in afrikanischen Entwicklungsländern ein Handy hätten, könnte dies das Bruttoinlandsprodukt schon um 0,6 Prozent steigern.

Handys kurbeln die Wirtschaft an

Handybankingsysteme überwinden die großen Probleme, die die Armen mit dem traditionellen Bankensystem haben: Die zum Teil enormen Entfernungen zur nächsten Bankfiliale, die anfallenden Gebühren und die Hindernisse, die der Analphabetismus auch bei Bankgeschäften mit sich bringt. "Früher schickte mein Schwager mir Geld mit der Post, das konnte bis zu drei Tagen dauern", erinnert sich Kangethe; seine Stadt Kikuyu liegt etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt. Außerdem würden unter solchen Bedingungen viele Transaktionen in bar durchgeführt, fügt Tischhauser hinzu, "und das ist ein großes Sicherheitsproblem".

Bankautomat, Foto: AP

Nur 20 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern haben Zugang zum Bankensystem

Die Beratergruppe zur Armenförderung CGAP (Consultative Group to Assist the Poor), ein Zusammenschluss von 33 öffentlichen und privaten Hilfsorganisationen, will jetzt Handybanking als Chance nutzen, Arme an das Bankensystem anzuschließen. Das Handy könne Menschen überall und zu jeder Zeit den Zugang zu finanziellen Diensten ermöglichen, sagt die Geschäftsführerin der CGAP, Elizabeth Littlefield. "Arme nehmen das Mobiltelefon als Mittel zur Abwicklung von Geldgeschäften gerne an", so die Expertin weiter.

Niedrige Transaktionskosten

Da der Handymarkt seit Jahren in armen Ländern boomt, ist die Technologie praktisch allen vertraut. "Die Hürde, das Handy auch für Geldtransaktionen zu nutzen, ist relativ niedrig", meint Tischhauser, denn die Bedienung ist einfach: Kunden schicken per SMS und mit einem persönlichen Code eine Summe auf ein fremdes Mobiltelefon. Der Empfänger kann dieses Guthaben wiederum in Bargeld tauschen.

Bei Kenias "M-PESA", ein Pilotprojekt von Vodafone, der britischen Entwicklungshilfebehörde (DFID) und dem kenianischen Mikrofinanzunternehmen "Faulu" kann der Kunde bis zu 35.000 kenianische Schilling (umgerechnet 390 Euro) per Handy versenden. Dazu muss er im Geschäft eines lokalen Anbieters Geld einzahlen, das dann als "Mobilguthaben" angerechnet wird. Mit 170 Schilling (1,90 Euro) pro Transaktion liegen die Gebühren weit unter dem, was traditionelle Dienste für Geldtransfers in Rechnung stellen.

Schutz vor Raub und Korruption

Miettelefon in Nairobi, Foto: AP

Telefonbanking senkt Transaktionskosten

Auch in anderen Ländern sind die ersten Versuche erfolgreich angelaufen: In Südafrika ist das Telefonbanking-Unternehmen "Wizzit" seit 2005 im Geschäft und hat nach Angaben seines Chefs, Charles Rowlinson, großen Erfolg in Townships und entlegenen Regionen. Mittlerweile nutzen über 100.000 Menschen das Angebot.

Auch der kleine südafrikanische Ort Waterpoort, wo viele Arbeitsmigranten aus Simbabwe leben, gehört zum Wizzit-Einzugsgebiet. Die nächste Bank liegt rund 100 Kilometer entfernt, und gerade die Migranten, die bar bezahlt werden, haben vor der Einführung des Telefonbanking viel Geld an die Korruption oder an Straßenräuber verloren.

Der Experte Tischhauser rechnet damit, dass in den nächsten Jahren gerade in Afrika die Zahl der Menschen, die durch ihr Handy Zugang zum Bankensystem haben, steigt. "Dies löst eines der großen Probleme im Bereich der Mikrofinanzierung: Transaktionen werden billiger, schneller, sicherer und können über größte Distanzen abgewickelt werden, die sonst viel Geld und Zeit erfordern", sagt Tischhauser, "in meinen Augen hat das eine große Zukunft."

Die Redaktion empfiehlt