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Wirtschaft

Mikrofinanzierung hilft den Armen

Viele Menschen in Entwicklungsländern leben von weniger als 50 Euro im Monat. Kleinste Kredite helfen dort beim Start in selbständige wirtschaftliche Arbeit. Dieses Konzept der Mikrofinanzierung breitet sich weiter aus.

Frau am Webstuhl in Sierra Leone

Auf Finanzhilfe angewiesen: Eine Weberin in Sierra Leone (Archiv)

"Kleinstkredite haben sich als wichtige Kraft zur Befreiung in Gesellschaften erwiesen, in denen vor allem Frauen gegen unterdrückerische soziale und wirtschaftliche Bedingungen kämpfen müssen. Wirtschaftswachstum und politische Demokratie können ihr volles Potenzial nicht entfalten, wenn nicht die weibliche Hälfte der Menschheit auf gleiche Weise wie die Männer beteiligt ist."

Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus

Friedensnobelpreisträger Mohammed Junus

Mit diesen Worten begründete am Freitag (13.10.2006) das norwegische Nobelkomitee die Vergabe des Friedensnobelpreises 2006 an den Bankfachmann Mohammed Junus (66) aus Bangladesch und die von ihm 1983 gegründete Grameen Bank.

50 Euro können helfen

Die Mikrofinanzierung spielt seit den 1990-er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine immer größere Rolle in der Entwicklungspolitik. Ihr Ziel ist es, auch der armen Bevölkerung auf dem Land oder in städtischen Armenvierteln den Zugang zum Sparen und zu Krediten zu ermöglichen. Die kleinen Darlehen zwischen umgerechnet 50 und 500 Euro werden ohne große Sicherheiten und mit minimalem Verwaltungsaufwand vergeben.

Die Grameen Bank hat nach eigenen Angaben mehr als 6,6 Millionen Kunden mit durchschnittlich 180 US-Dollar Kreditsumme. Die mehr als 18.000 Bankangestellten sind in 71.000 Dörfern Bangladeschs aktiv. Sie vergeben Darlehen von jährlich rund 700 Millionen Dollar, bislang insgesamt mehr als 5,7 Milliarden Dollar. Zu ihren Kreditnehmern zählen überproportional viele Frauen. Die Rückzahlungsmoral ist den Angaben der Bank zufolge sehr hoch und liegt bei fast 99 Prozent.

"Jahr des Mikrokredits"

Unter den Begriff Mikrofinanzierung fallen auch Selbsthilfegruppen und Dorfkassen in Afrika, aber auch Banken für Kleinunternehmen auf dem Balkan. Sie bieten Menschen mit Geschäftsideen besondere Konditionen bei der Einrichtung von Konten und der Rückzahlung von Krediten. Junus und die Grameen Bank gelten als Vorreiter bei der Vergabe von Kleinkrediten.

Die Bedeutung der Mikrofinanzierung für die Armutsbekämpfung heben auch die Vereinten Nationen hervor. Sie erklärten 2005 zum "Jahr der Mikrokredits". UN-Generalsekretär Kofi Annan betonte, dass der Zugang zu Kleinkrediten Armut lindern könne, weitere Verdienstmöglichkeiten schaffe, Kindern den Schulbesuch ermögliche und Familien zu ärztlichen Versorgung verhelfe.

Vertrauen ist wichtig

Während in westlichen Industrieländern Girokonten, Sparbücher und Kreditvergabe selbstverständlich sind, gilt das für die arme Bevölkerung in Entwicklungsländern nicht. Die einfachste Form einer Kleinkredit-Initiative sind daher Sparvereine. Menschen, die Vertrauen zu einander haben, schließen sich zu Selbsthilfegruppen zusammen - meist sind es Frauen. Sie zahlen regelmäßig in eine Kasse ein, aus der der Reihe nach ein Mitglied eine größere Summe entnehmen kann, um etwa eine Hühnerzucht oder eine Schneiderei zu starten.

Dorfkassen werden oft von nichtstaatlichen Organisationen unterstützt. Sie vergeben Kleinkredite und helfen Bauern oder Handwerkern, Saatgut, Vieh oder Werkzeug zu kaufen. Seit einigen Jahren zeigt sich in der Mikrofinanzierung eine zunehmende Professionalisierung. Die deutsche Entwicklungspolitik fördert durch die KfW-Entwicklungsbank den Aufbau von Banken, die auf Mikrokredite spezialisiert sind. Außerdem werden Großbanken, die Kleinunternehmer bislang vernachlässigten, dabei unterstützt, neue Geschäftsbereiche für die Vergabe von Kleinkrediten einzurichten. (mas)

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