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Wirtschaft

Milder Winter, mehr Jobs

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar nicht so stark gestiegen wie sonst im Winter üblich. Flüchtlinge spielen noch keine große Rolle am Arbeitsmarkt - wohl aber Jobs rund um die Flüchtlingsbetreuung.

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Flüchtlinge: Hohe Kosten, großer Nutzen (01.02.2016)

Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im vergangenen Monat 2,92 Millionen Arbeitslose registriert, wie die Behörde am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das seien 239.000 mehr gewesen als im Dezember, aber 111.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg von 6,1 Prozent im Dezember 2015 auf 6,7 Prozent im Januar 2016.

Nach dem Weihnachtsgeschäft im Dezember und wegen des Winterwetters ist es üblich, dass die Zahl der Arbeitslosen zu Jahresbeginn steigt. Der Anstieg fiel laut BA aber geringer aus als in den vergangenen Jahren - das hängt auch mit dem milden Wetter zusammen. "Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hat sich zum Jahresbeginn fortgesetzt", sagt BA-Chef Frank-Jürgen Weise.

Experten optimistisch

Was die weitere Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt angeht, so zeigen sich die Fachleute fast durchweg optimistisch. Bis zum Sommer werde die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt weiter sinken, prognostizieren sie. Erst dann müsse man in Deutschland wegen der wachsenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge mit einem leichten Anstieg der Erwerbslosen rechnen. Die Volkswirte korrigierten damit ihre in den vergangenen Monaten etwas pessimistischeren Prognosen leicht.

Gestützt wurde der zuversichtliche Ausblick von neuen Daten der Bundesagentur zur Arbeitskräftenachfrage. Danach gab es zum Jahresbeginn so viele freie Stellen wie nie zuvor, berichtete die Nürnberger Bundesbehörde am Montag unter Berufung auf ihren aktuellen Stellenindex BA-X. Der Indikator für den Umfang unbesetzter Stellen sei im Januar mit 211 Punkten auf ein Rekordniveau gestiegen; dies seien vier Punkte mehr als im Dezember 2015.

Flüchtlingsstrom belebt Arbeitsmarkt

Die Bundesagentur führt die wachsende Arbeitskräftenachfrage auch auf den Flüchtlingsstrom zurück. Viele der mit der Unterbringung oder Betreuung von Asylbewerbern beauftragten Betriebe suchten verstärkt nach Mitarbeitern, berichtete die BA. "So ist insbesondere die Zahl der gemeldeten Stellen in der öffentlichen Verwaltung und bei Wach- und Sicherheitsdiensten in den letzten Monaten stark gestiegen."

Daneben seien noch andere Wachstumsbranchen im Dienstleistungssektor für den Stellenschub verantwortlich. So sei aktuell jede fünfte freie Stelle im Gesundheits- und Sozialwesen und im Handel zu besetzen. Aber auch die Industrie und die ihr zuarbeitenden Dienstleister suchten verstärkt nach neuen Mitarbeitern, berichtete die Bundesagentur. Ein Drittel der Vakanzen werde von Zeitarbeitsunternehmen gemeldet.

Belastungen kommen erst noch

Gemessen an den absoluten Zahlen spielen Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Vergleich zu den rund 43 Millionen Erwerbstätigen bislang noch keine allzu große Rolle. Von den im November in Deutschland lebenden 786.000 Menschen aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern waren 90.300 arbeitslos gemeldet - im Dezember 2014 waren es 58.100. Zugleich hatten aber auch 117.800 einen Job, wie aus dem jüngsten Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

Was sich aber inzwischen deutlich abzeichnet: Anerkannte Flüchtlinge werden, sofern sie nicht rasch einen Job finden, bald schon zur Belastung für die Jobcenter werden. Bereits im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Hartz-IV-Bezieher aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern spürbar an: Von September 2014 bis September 2015 um 75.600 auf 266.100. Damit waren zwei von fünf der in Deutschland lebenden Afghanen, Eritreer, Iraker, Nigerianer, Pakistaner, Somalier und Syrer Hartz-IV-Empfänger. Zum Vergleich: Bei den EU-Ausländern in Deutschland traf das nur auf jeden Zehnten zu.

wen/ hmf (rtr, dpa)

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