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Kultur

"Mehr Respekt, ich bin deine Mutter"

Im Interview mit DW-WORLD erzählt der Argentinier Hernán Casciari, Gewinner der diesjährigen Weblog Awards der Deutschen Welle "The BOBs", alles über seine Mutter – und über sein ausgezeichnetes Weblog.

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Hernán Casciari: "Es begann als Selbstversuch"

Gehörst du schon zum alten Eisen, wenn deine Tochter mehr Sexstellungen kennt als du? Hast du noch die Hoffnung auf einen Orgasmus, wenn dein arbeitsloser Ehemann die meiste Zeit am Fußballplatz verbringt? Gibt es einen Weg in Würde zu altern, wenn dein 80-jähriger Schwiegervater wegen Marihuanakonsums eingebuchtet wird? Kannst du noch ruhig schlafen, wenn dein Sohn meint schwul zu sein, dann wieder nicht, und du an allem schuld bist? Dies sind nur einige der Fragen die sich Mirta Bertotti stellt, Mutter einer durchgeknallten Familie und Hauptdarstellerin des Weblogs "Mehr Respekt, ich bin deine Mutter".

Der Autor dieses humorvollen Blogromans heißt Hernán Casciari. Er ist diesjähriger Gewinner des "Best Weblog Awards" der Deutschen Welle stellt sich den Fragen von DW-WORLD.

DW-WORLD: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die Nachricht von Ihrer Auszeichnung erfahren haben?

Hernán Casciari: Ich war total überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Jury ein Weblog auswählt, das so "unmodern" daherkommt, da es sich gar nicht mit Technologie und neuen Medien beschäftigt. Ich dachte immer, dass so ein Preis nur ein edles Projekt wie zum Beispiel das ebenfalls nominierte Tsunami-Weblog gewinnen könne. Umso erfreuter war ich über die gute Nachricht.

Wann und wie begann die Arbeit an "Mehr Respekt ich bin deine Mutter“?

Ich begann die Arbeit an diesem Weblog vor über zwei Jahren als eine Art Selbstversuch, um zu erfahren, was ein Weblog überhaupt ist. "Mehr Respekt ich bin deine Mutter" ist meine erste literarische Arbeit, die ich mit Hilfe eines Weblogs begann. Alles hat wie ein netter Gag angefangen. Ich hatte nicht mehr als sieben oder acht Leser, alles Freunde aus Argentinien. Später erst kamen die ganzen anderen Leser aus aller Welt hinzu, etwas was ich überhaupt nicht erwartet hatte.

Warum haben Sie eine Frau wie Mirta als Hauptfigur für Ihr Weblog gewählt?

Weil sie eine Mutter ist, und sie mich an die Art meiner Mutter erinnert. Es fällt mir überhaupt nicht schwer, sie nachzuahmen wenn ich schreibe. Jedes Mal wenn ich darüber nachdenke, wie Mirta wohl etwas ausdrücken würde, denke ich an meine Mutter, und schon kommen mir die Sätze klar und sauber rüber. Das ist äußerst praktisch, da ich nicht lange überlegen muss und ich in der Regel sehr faul bin.

Ihr Weblog ist sehr argentinisch gefärbt. Die Familie Bertotti stammt aus dem argentinischen Ort Mercedes, genau wie Sie. Sie leben mittlerweile in Barcelona. Stellt dieses Weblog für Sie auch eine Art Verbindung zur Heimat her?

Irgendwie schon. Jeden Morgen, wenn ich mich an den Rechner setzte, um ein weiteres Kapitel zu schreiben, dann war das sicher ein Weg um mich wieder der Heimat nahe zu fühlen. Es war auf jeden Fall nicht meine Intention, in diesem Weblog die argentinische Kultur oder Gesellschaft darzustellen, der ein oder andere Hinweise oder Kommentar ist dann aber doch drin, klar.

Haben Sie mit diesem Weblog ein bestimmtes Publikum im Visier?

Eigentlich schreibe ich nur, um ein paar wenige Leute, die ich kenne, zum Lachen zu bringen. Ich versuche zu vergessen, dass es da noch ein paar tausend Andere gibt, die das lesen. Die Fans von Mirta sind sehr heterogen. Es sind Menschen zwischen 17 und 70 aus über 25 Ländern. Es gibt keine spezielle Zielgruppe, aber der Erfolg hat mich doch sehr überrascht.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, welche Bedeutung Weblogs in der Literatur haben und warum Hernán Casciari die meisten Weblogs für überflüssig hält.

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