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Europa

Mehr Polizisten sollen neuen Unruhen in Paris vorbeugen

Mit einem massiven Polizeieinsatz hat sich Frankreich auf den Jahrestag der Pariser Vorstadtunruhen vorbereitet. Nach den Brandangriffen auf Stadtbusse sollen Polizisten vor allem auf "sensiblen Linien" mitfahren.

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Verstärkte Polizeipräsenz soll Angriffe auf Busse zukünftig verhindern

Am Freitag (27.10.) jährt sich der Beginn der wochenlangen Jugendunruhen in den Pariser Banlieues vom Herbst 2005. Die französische Regierung hat deswegen die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Im Großraum von Paris wurden mehr als 500 zusätzliche Polizisten in Bereitschaft versetzt.

Unruhen in der Nacht zum Jahrestag

Unruhen im Raum Paris

Bei den Unruhen vor einem Jahr gingen rund 10.000 Autos in Flammen auf

Dennoch kam es in der Nacht zum Freitag in der Pariser Vorstadt Grigny erneut zu Unruhen: Jugendliche bewarfen Polizisten mit Steinen und steckten ein Fahrzeug in Brand. Bereits am vergangenen Wochenende hatten Randalierer in Grigny einen Bus angezündet.

Zuvor hatten am späten Donnerstagabend Jugendliche in der Nähe des Unruheviertels Bosquets (Seine-Saint-Denis) in Montfermeil ein Auto angezündet. Ein Polizeibeamter wurde durch Steinwürfe leicht verletzt. Die Krawalle fanden in der Nähe des Hauses des Bürgermeisters Xavier Lemoine statt. Der Politiker von der konservativen Regierungspartei UMP hatte im April alle Ansammlungen von mehr als drei Jugendlichen verboten. Bereits im Mai wurde sein Haus mit Steinen beworfen und das Rathaus mit Molotow-Cocktails beschädigt.

Verstärkung auf "sensiblen Linien"

Nicolas Sarkozy

Für ihn sind Randalierer "Gesindel": Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy

Innenminister Nicolas Sarkozy will Buspassagiere zukünftig besser vor Randalierern schützen. Dazu sollen in französischen Bussen verstärkt Polizisten mitfahren. "Wir arbeiten auf allen sensiblen Linien zu allen heiklen Stunden", sagte Sarkozy am Donnerstagabend nach einer Krisensitzung der Pariser Transportgesellschaften. Der öffentliche Dienst solle "nirgendwo in der Republik" unterbrochen werden.

Jugendliche hatten am späten Mittwochabend drei Busse im Umkreis von Paris überfallen und in Brand gesetzt. Zwei Fahrzeuge wurden zerstört, im dritten Fall gelang es dem Fahrer, die Flammen zu löschen. Verletzt wurde niemand, doch wurde ein Busfahrer wegen Schocks behandelt. Busfahrer weigerten sich daraufhin, bestimmte Viertel im Dunkeln anzufahren.

"Explosives Klima"

Der Jahrestag lenkt die Scheinwerfer der Medien erneut auf die Problemviertel. Nach einer Umfrage des Instituts IPSOS halten 59 Prozent der französischen Bürgermeister eine Wiederholung für sehr oder ziemlich wahrscheinlich. Auch Henrik Uterwedde, stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts, betont im Gespräch mit DW-WORLD.DE: "Es gibt Anzeichen dafür, dass das Klima in den Vorstädten weiterhin explosiv ist."

Nach dem Tod von zwei Jugendlichen in der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois am 27. Oktober 2005 waren zunächst in Pariser Vororten und schließlich landesweit Unruhen ausgebrochen. Die Jugendlichen hatten sich auf der Flucht vor der Polizei in einem Hochspannungstransformator versteckt und kamen dort durch Stromschläge ums Leben.

"Aufruf zur Ruhe"

Um zehn Uhr begann deshalb in Clichy-sous-Bois ein Trauermarsch zur Erinnerung an die beiden toten Jugendlichen . Sowohl der Bürgermeister der Stadt als auch die Verwandten und Freunde von Zyed Benna und Bouna Traoré betonten, dass der Marsch auch ein "Aufruf zur Ruhe" sei.

Während der drei Wochen dauernden Unruhen - den schwersten in Frankreich seit fast 40 Jahren - gingen mehr als 10.000 Fahrzeuge in Flammen auf, rund 300 Gebäude wurden angezündet. Innenminister Sarkozy hatte damals die vornehmlich aus afrikanischen und arabischen Famlien stammenden jugendlichen Randalierer als "Gesindel" bezeichnet und damit den Zorn der Jugendlichen noch weiter geschürt. (ana)

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