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WM-Aufstockung

Mega-WM sorgt für Verärgerung in Deutschland

Die von der FIFA beschlossene WM-Aufstockung auf 48 Mannschaften sorgt im deutschen Fußball fast einhellig für Kopfschütteln. Nicht nur DFB-Chef Reinhard Grindel und Bundestrainer Joachim Löw äußern sich kritisch.

Bundestrainer Löw und DFB-Chef Grindel. Foto: dpa-pa

Bundestrainer Joachim Löw (l.) und DFB-Präsident Reinhard Grindel (r.) können der Reform wenig abgewinnen

In Deutschland ist die von der FIFA beschlossene Aufstockung der Weltmeisterschaften auf 48 Mannschaften von 2026 an auf ein fast durchgängig negatives Echo gestoßen. Er sei "nicht glücklich" mit dieser Entscheidung", sagte Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): "Meine große Sorge ist, dass sich der Fußball an sich verändert, dass die Attraktivität des Spiels leidet. Wir alle lieben Spiele, in denen sich die Mannschaften mit offenem Visier begegnen. Nun sehe ich aber die Gefahr, dass wir künftig vermehrt defensiv eingestellte Teams sehen könnten." Da der Beschluss des FIFA-Councils einstimmig getroffen worden sei, gelte es nun jedoch, "ihn zu respektieren und den Blick nach vorn zu richten". Der DFB war bei der Abstimmung im höchsten Gremium nicht vertreten. Der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte den Posten abgegeben, nachdem die Sperre gegen ihn im Zuge der Affäre um die WM 2006 bestätigt worden war.

"Verwässerung"

Oliver Bierhoff. Foto: DW

Oliver Bierhoff gehört zu den Kritikern

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff pflichtete Grindel bei. "Ich kann jeden verstehen, der die Aufstockung des Teilnehmerfeldes als eine Verwässerung empfindet. Auch für mich fühlen sich 48 Teams beim größten und wichtigsten Turnier der Welt zu viel an", sagte Bierhoff. "Die Faszination einer Weltmeisterschaft liegt für die Fans und Zuschauer doch darin, die besten Mannschaften mit den großen Stars zu sehen, davon geht etwas verloren." Der Ex-Nationalspieler kritisierte zudem, "dass die Belastung der Spieler nicht noch größer wird." Bundestrainer Joachim Löw kann nach eigenen Worten "aus rein sportlicher Sicht einer Aufstockung gar nichts abgewinnen. Man sollte das Rad nicht überdrehen."

"Idiotisch"

Martin Schmidt, Trainer des FSV Mainz 05. Foto: Getty Images

Der Mainzer Trainer Martin Schmidt zeigt Verständnis

Kritische Stimmen gab es auch aus der Bundesliga. Jörg Schmadtke, Sportdirektor des 1. FC Köln, sprach von einer "idiotischen" Entscheidung: "Wir haben ohnehin immer mehr Belastung, und dann wird die WM auch noch aufgeblasen. Den sportlichen Wert kann ich nicht erkennen." Christian Heidel, Manager des FC Schalke 04, erwartet, dass die Qualität der Turniere leiden wird: "Wenn 25 Prozent aller FIFA-Mitglieder mitspielen dürfen, finde ich, ist es nicht mehr das Turnier der besten Mannschaften der Welt. Wenn wir jetzt mit 48 anfangen, warte ich nur darauf, dass die Idee kommt, wir können auch mit 64 spielen." Weniger aufgeregt klang Martin Schmidt, Trainer des FSV Mainz 05: "Ich denke, dass der Fußball der ganzen Welt gehört, und dass jeder die Chance haben muss, bei so einem Turnier dabei zu sein." Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), hätte sich mehr Solidarität der Europäer gewünscht. "Solange sich die großen europäischen Fußball-Nationen, ihre Verbände, Ligen und Klubs nicht auf eine gemeinsame Position verständigen können, ist auch die Meinung des Weltmeisters bedauerlicherweise nur eine unter vielen", sagte Rauball. 

"Gelddruckmaschine wird angekurbelt"

Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, griff FIFA-Chef Gianni Infantino an. "Infantino geht es nur darum, seinen Machtkreis und Einfluss zu vergrößern und noch ein wenig fester an der Gelddruckmaschine Fußball-WM zu kurbeln", sagte Mutlu. "Statt im eigenen Laden aufzuräumen, Korruption zu bekämpfen, die fragwürdigen Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 genauer unter die Lupe zu nehmen, funktionierende Good-Governance Strukturen zu implementieren und Transparenz zu schaffen, kümmert er sich um seine Wahlgeschenke." Auch FIFA-Sponsor Adidas ging auf Distanz zu der Entscheidung des Council: "Wir glauben, dass darunter die Qualität der Veranstaltung und damit auch das Interesse der Zuschauer leiden werden", sagte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen.

sn/to (dpa, sid)

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