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WM-Aufstockung

Kommentar: Nicht ganz ehrlich

Die FIFA stimmt für eine Aufstockung der Fußball-WM und löst damit Frust und Jubel aus. Doch wird die Diskussion über Für und Wider der Mega-WM von mehreren Seiten recht scheinheilig geführt, meint Andreas Sten-Ziemons.

Gianni Infantino (picture-alliance/dpa/C. Charisius)

Sein Wahlversprechen und zugleich sein erster großer Sieg als Präsident: Die Mega-WM kommt.

Beginnen wir mit der eigentlichen Hauptsache bei der Fußball-WM: dem Sport. Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Leidtragende der WM-Aufstockung sein. Die vergrößerte EM in Frankreich hat es gezeigt. Viele der Spiele waren absolut langweilig und hatten kein gutes Niveau. Die Befürchtungen, dass das bei einer aufgeblähten WM mit 48 Teams ebenfalls passieren wird, sind daher nachvollziehbar. Allerdings offenbar nicht für FIFA-Präsident Gianni Infantino, der sogar sagte, die Qualität der WM werde durch die Aufstockung noch erhöht, auch wenn er nicht logisch begründen kann, warum. Aber was soll er auch sagen? Er muss sein Produkt schließlich verkaufen. Um den Sport geht es bei der Fußball-WM schon lange nicht mehr.

Es klingelt in der Kasse

Infantinos tatsächliche Antriebsfedern sind Machtwille und Geldgier und nicht - wie oft behauptet - der Wunsch, den Fußball zu erneuern oder weiterzuentwickeln. Er wolle denen die Möglichkeit geben, an einer WM teilzunehmen, die sonst keine Chance hätten, dabei zu sein, behauptet Infantino. Das mag sogar sein, doch wahr ist auch: Die FIFA ist ein profitorientiertes Wirtschaftsunternehmen und handelt dementsprechend - auch wenn sie sich selbst gerne als gemeinnützigen Verband bezeichnet. 16 WM-Teilnehmer mehr sind 16 zusätzliche Absatzmärkte für TV-, Lizenz- und Sponsorenverträge. Laut einem FIFA-Papier soll der zusätzliche Gewinn bei einer 48er-WM mit 80 statt bislang 64 Spielen rund 600 Millionen Euro betragen. Welches Argument wäre besser? Gleichzeitig gibt es mindestens 16 zufriedene Verbandsvertreter mehr, die Infantino bereitwillig ihre Stimme geben werden, wenn erneut die Wahl zum FIFA-Präsidenten ansteht.

Alle wollen an den Kuchen

DW-Sportredakteuer Andreas Sten-Ziemons. Foto: DW

Andreas Sten-Ziemons, DW Sport

Zu Infantinos Verteidigung ist zu sagen: Er hat nicht allein entschieden, die Anzahl der WM-Teilnehmer zu erhöhen. Im FIFA-Council hatte er nur eine Stimme von 33. Seine Idee muss also vielerorts auf fruchtbaren Boden gefallen sein - und das verwundert auch nicht. Logischerweise sind die Verbände Afrikas, Asiens, Amerikas und Ozeaniens daran interessiert, mehr WM-Startplätze zu bekommen. Genau so logisch und verständlich ist die Ablehnung der (meist europäischen) Nationen, die mit der bisherigen Regelung bestens fahren - zum Beispiel die Deutschen. Sich nicht für eine WM zu qualifizieren ist für die DFB-Elf nach bisherigem Modus fast unmöglich, bereits in der Vorrunde auszuscheiden ebenfalls. Warum also sollte man freiwillig etwas von seinem Stück des Kuchens abgeben wollen? Aber warum sollten die anderen freiwillig darauf verzichten?

Jammern ohne eigene Bereitschaft

Die großen europäischen Klubs haben schon im Vorfeld der Entscheidung darüber geklagt, dass die Belastung ihrer Spieler durch eine WM mit 48 Teams noch einmal erhöht wird. Schließlich sei sie wegen der vielen Länderspieltermine ohnehin schon viel zu hoch. Allerdings: Mit dem Turniermodus in 16 Dreiergruppen bestreiten die Teams nach wie vor maximal sieben WM-Spiele. Auch die Dauer der Weltmeisterschaft bleibt nahezu gleich.

Was die Klub-Vertreter eigentlich meinten, ist, dass sie generell keine Lust haben, im Sommer regelmäßig wochenlang auf ihre besten Spieler zu verzichten und diese anschließend in miesem körperlichem Zustand zurückzubekommen. Außerdem bleibt den Vereinen so weniger Zeit, ihre Teams inklusive der Top-Leute in der Sommerpause im eigenen Interesse zu Werbezwecken durch die Welt zu schicken. Denn auf Marketingreisen nach China, in die USA, nach Katar oder zu anderen neuen Absatzmärkten wollen die Klubs natürlich nicht verzichten. Der sportliche Wert dieser Trips darf allerdings bezweifelt werden. Der Entlastung der Spieler dienen sie aber mit Sicherheit nicht.

Weg mit dem Confed-Cup!

Es wäre wünschenswert, die vergrößerte WM durch ein Abspecken an anderer Stelle zu kompensieren (was natürlich nie passieren wird). Geeignete Streichkandidaten sind die Länderspiele nach Saisonende im Juni und vor allem der Confed-Cup, den man ungefähr so dringend braucht wie eine eitrige Mandelentzündung im Hochsommer. Weg damit! Die überspielten Kicker der stärksten Nationen hätten so wenigstens mal einen Sommer lang Pause. Die Entscheidung Joachim Löws, zur WM-Generalprobe im Juni und Juli nur eine B-Elf zu entsenden, ist daher absolut richtig. Er könnte sogar noch weiter gehen und eine C- oder D-Elf nach Russland schicken, damit alle Nationalspieler aus dem späteren deutschen WM-Kader ihre Akkus ein Jahr vor der WM aufladen können.

Und sollte die FIFA protestieren und ihr Produkt durch einen Mangel an sportlicher Qualität im deutschen Team gefährdet sehen, wäre die Begründung recht einfach: Löw könnte sagen, er wolle auch denen mal die Möglichkeit geben, an einem Turnier teilzunehmen, die sonst gar keine Chance hätten, dabei zu sein. Denn die Qualität des Turniers würde durch das Mitnehmen zweitklassiger Spieler schließlich sogar noch erhöht. Gianni Infantino - siehe oben - hätte dafür ganz sicher Verständnis.

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