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Welt

McCain gibt alles, bereist sieben Staaten an einem Tag

Eigentlich war die Sache in Virginia klar: Seit 1964 hat der Bundesstaat immer republikanisch gewählt. Jetzt könnte das anders sein. Virginia gehört zu den heiß umkämpften Staaten - der Sieger ist noch immer unklar.

Schild McCain Country Quelle: ap

Von wegen "McCain Land": Der Vorsprung McCains in Virginia ist zusammengebrochen

Sie heißen "Battleground States": Die umkämpften Bundesstaaten bei den US-Präsidentschaftswahlen, in denen beide Kandidaten eine Chance haben, die Mehrheit der Stimmen zu gewinnen. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf bis zur letzten Minute. In Virginia gaben sich der Demokrat Barack Obama und der Republikaner John McCain buchstäblich die Klinke in die Hand.

Außerdem schickten sie ihre Vizekandidaten und andere prominente Vertreter ihrer Partei, um Wahlkampf zu machen.

So wetterte der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani in Virgina gegen Obama. Der Demokrat habe keine Erfahrung, wolle die Steuern erhöhen, kleinen Unternehmern das Leben schwer machen und seine Ideen kämen aus der sozialistischen Ecke, erklärte Giuliani. John McCain sei der richtige Mann für den Präsidenten-Job.

Unentschlossene sind wichtig

McCain. Quelle: ap

Kämpft bis zur letzten Minute: John McCain

Aber ob McCain wirklich noch Chancen hat, die Wahl zu gewinnen, wird immer unsicherer. Parteistrategen mutmaßen: Nur wenn McCain es schaffe, die Unentschiedenen für sich zu gewinnen, könne er noch punkten. Deswegen bereist John McCain an diesem letzten Tag vor der Wahl (03.11.2008) auch noch einmal ganze sieben US-Staaten. Doch die Kritik der Parteistrategen eilt ihm voraus: McCain habe keinen guten Wahlkampf geführt, sagen sie. Weder er noch die Partei hätten die republikanischen Werte erfolgreich vermitteln können.

Denkfehler der Republikaner

Zu lange haben die Republikaner wohl auch Virginia als ihr unumstrittenes Gebiet angesehen, erklärt der Politikprofessor Mark Rozell von der George Mason Universität in Arlington, Virginia. Der Norden des Bundesstaates, der an Washington, DC, grenzt, und die größeren Städte gelten zwar als Bastion der Demokraten. Aber eine Mehrheit im südlichen und westlichen Virginia und in den Vororten reichte den Republikanern in der Vergangenheit, um den Staat zu gewinnen. "Die herkömmliche Ansicht war, dass das große Wachstum der Vororte auch mehr Stimmen für die Republikaner bringen und weiterhin für eine republikanische Mehrheit im Bundesstaat reichen würde", erklärt Rozell.

Latino. Quelle: ap

Viele Latinos in den USA wählen demokratisch

Doch hätten die Republikaner genauer hingesehen, so Rozell, hätten sie festgestellt, dass die Neuankömmlinge der Vorstädte nicht der traditionellen Klientel der Republikaner angehörten. Denn während die weiße Bevölkerung in Virginia seit dem Jahr 2000 um zwei Prozent wuchs, betrug der Bevölkerungszuwachs bei den Latinos im gleichen Zeitraum 30 Prozent. Die Latinos aber neigen eher dem demokratischen Lager zu.

Demokraten ergriffen Chance

Die Demokraten sahen ihre Chance. Sie eröffneten 40 Wahlkampfbüros im ganzen Land, knapp doppelt so viele wie ihre Kontrahenten. So mobilisierten sie Menschen wie Gail Wise, die ihre Parteizugehörigkeit als "unabhängig" angibt und auch schon für republikanische Präsidenten gestimmt hat. Sie wundere sich manchmal, sagt sie, wieso sie als Großmutter in Turnschuhen für Barack Obama von Tür zu Tür geht. "Ich frage mich wirklich, wie ich dazu gekommen bin. Aber ich glaube, es liegt daran, dass es eine wirklich wichtige Wahl ist", sagt die 62-Jährige. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon einmal eine Wahl gab, die so wichtig war - für die Seele des Landes und für unsere Zukunft."

Wirtschaftskrise schadet McCain

Börse. Quelle: ap

Die weltweite Finanzkrise und das Rettungspaket der US-Regierung: Ein Schaden für McCain?

Fünf Millionen neue Wähler haben sich in Virginia registrieren lassen. Es sei die Wirtschaftkrise, sagen sowohl Demokraten als auch Republikaner, die die Menschen am meisten mobilisiere. Auch hier seien die Republikaner im Nachteil, meint Christian Schoenewald, Vorsitzender der Republikanischen Partei von Albemarle County. Das 700 Milliarden Dollar Hilfspaket für die Wirtschaft, das der Kongress verabschiedete, habe mit einer konservativen Steuerpolitik nichts mehr zu tun. "Die Republikaner haben es schwer, die konservative Steuerpolitik zu verkaufen", sagt Schoenewald. "Schließlich haben viele republikanische Politiker jetzt ihre Versprechen gebrochen, die sie vor zehn Jahren gemacht haben, als sie in den Kongress eingezogen sind."

Versteckter Rassismus?

Und so liegt Barack Obama in den Umfragen in Virginia vorn. Darauf aber will sich bei den Demokraten niemand verlassen. Es ist umstritten, ob es ihn gibt, aber viele denken an den sogenannten "Bradley-Effekt". 1982 verlor der Afroamerikaner Tom Bradley die Gouverneurswahlen von Kalifornien, obwohl er in vielen Nachwahl-Umfragen vorne lag. Viele Befragte wollten sich offensichtlich nicht Rassismus unterstellen lassen und gaben nicht zu, dass sie für den weißen Kandidaten gestimmt hatten.

Eine zweite Ungewissheit ist, ob die vielen neuen jungen Wähler, die meistens zu Obama tendieren, ihr Stimmrecht auch tatsächlich wahrnehmen. Denn die Wahlbeteiligung ist es, so sagen Strategen und Experten, die letztlich über den Sieger von Virginia entscheiden wird.

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