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Politik

Massenvernichtungswaffen aus Papier

Kriegsgegner ahnten es schon lange: Nach einer Studie hat die Bush-Regierung die irakische Gefahr übertrieben. Nun ziehen die USA ihr Suchteam für Massenvernichtungswaffen aus dem Irak ab.

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Hinterher ist man schlauer: so viel Schutz wäre nicht nötig gewesen

Nach einem Bericht der "New York Times" hat die US-Regierung ein 400 Mann starkes Team, dass im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchen sollte, abgezogen. Aus Regierungskreisen habe es geheißen, man habe die Erwartung, im Irak noch Massenvernichtungswaffen zu finden, weitgehend aufgegeben. Unterdessen kritisiert eine am Donnerstag (8. Januar 2004) veröffentlichte Studie die Bush-Regierung dafür, die Bedrohung durch den Irak falsch eingeschätzt zu haben.

"Gefahr übertrieben"

Der Bericht der renommierten "Carnegie Foundation" stellt den US-Geheimdiensten ein miserables Zeugnis aus: Die Waffenprogramme des Irak hätten weder für die USA noch für die Region selbst eine akute Bedrohung dargestellt. "Unsere Gefahreneinschätzung war sehr fehlerhaft", sagt Joseph Cirencione, einer der Autoren der Studie. Die Gefahr sei schlicht "übertrieben" worden. "Es wurde der schlimmst mögliche Fall angenommen und danach gehandelt. Und einige Dinge, von denen wir behauptet haben, sie würden nicht funktionieren, wie die Waffeninspektionen oder die Sanktionen, funktionierten in Wirklichkeit recht gut."

Massenvernichtungswaffen nur auf dem Papier

In dem über hundert Seiten langen Bericht heißt es, der Irak habe sein Nuklearprogramm bereits in den neunziger Jahren eingestellt. Der Golfkrieg 1991, weitere US-Militäraktionen unter Präsident Clinton und die UN-Waffeninspektionen hätten dazu geführt, dass auch Saddams vorhandene Chemiewaffenkapazitäten keine Bedrohung mehr dargestellt hätten. Einzig die biologische Komponente, mit ihren doppelten Nutzungsmöglichkeiten im zivilen und militärischen Bericht habe ein gewisses Restrisiko dargestellt, ohne jedoch eine strategische Bedrohung darzustellen. Viele der von der Bush-Regierung behaupteten Massenvernichtungsprogramme hätten nur auf dem Papier existiert. Noch einmal Cirencione: "Fakt ist, dass Saddam selbst die Entscheidung getroffen hat, so weit wir wissen Mitte der neunziger Jahre, unter dem Druck der UN-Inspektionen diese Programme aufzugeben. Gleichzeitig versuchte er jedoch bei seinen Nachbarn weiterhin den Eindruck zu erwecken, er sei ein mächtiger Bösewicht."

Powell: Thema noch nicht abgeschlossen

Colin Powell

No Smoking Guns: Colin Powell

US-Außenminister Colin Powell, der im Februar 2003 vermeintliche Beweise für irakische Massenvernichtungswaffen dem Weltsicherheitsrat vorgelegte hatte, verteidigte sich jedoch am Donnerstag: "Ich stehe zu dem was ich präsentiert habe. Die Geheimdienste stehen zu ihrem Material und nur das habe ich vorgelegt. Das Thema ist noch nicht abgeschlossen."

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