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Kultur

Martina Gedeck in "Die Wand"

Verloren im eigenen Ich: In der Romanverfilmung "Die Wand" brilliert vor allem die Hauptdarstellerin. Martina Gedeck verleiht dem Leiden ein menschliches Antlitz.

Premiere feierte "Die Wand" im vergangenen Jahr bei den Berliner Filmfestspielen. In der Sektion Panorama gab´s am Ende den Preis der Ökumenischen Jury. Das ist nachvollziehbar. Die Handlung des Films nach dem Roman der Österreicherin Marlene Haushofer ist so schlicht und einfach, dass sie vielfach interpretierbar ist.

Eine Frau, die mit einem befreundeten Paar in eine abgelegene Berghütte fährt, muss nach kurzer Zeit feststellen, dass sie von diesem verlassen, vollkommen auf sich allein gestellt ist. Und mehr noch: Beim Versuch die Gegend zu erkunden, stößt sie auf eine unerklärliche gläserne Wand. Der Raum, in dem sie sich fortan bewegen kann, ist stark eingeschränkt. Einzig ein paar Tiere bleiben ihr als Begleiter, ein Hund, eine Katze, eine Kuh.

Als Marlene Haushofer den Roman 1963 zu Papier brachte, überwog die Ratlosigkeit. "Die Wand" wurde relativ schnell vergessen. Erst Jahre später, als sich vor allem feministisch orientierte Literaturwissenschaftlerinnen für die Autorin zu interessieren begannen, schenkte man dem Buch wieder Aufmerksamkeit. Man muss sich heute auf Buch wie Film geduldig einlassen, wird dafür allerdings belohnt. Die deutsche Schauspielerin Martina Gedeck, zur Zeit in der Jury der Filmfestspiele in Venedig, ist in der schwierig zu spielenden Hauptrolle intensiv und eindrucksvoll.

Der aus Österreich kommende Regisseur Julian Pölsler hat sich eng an Haushofers Vorlage gehalten. Der Zuschauer rätselt. Für was steht die gläserne Wand? Ist dies nun ein Film über menschliche Einsamkeit oder über das Zusammenleben von Mensch und Tier in unberührter Natur? Es sind nicht die schlechtesten Filme, die den Zuschauer irritieren und mit Fragen zurücklassen.

Julian Pölsler: Die Wand, Österreich/Deutschland 2012, 108 Minuten, mit Martina Gedeck, Karlheinz Hackl, Ulrike Beimpold u.a., auf DVD und BluRay bei Studiocanal erschienen.

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