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Kultur

Man lebt nur zweimal

Angeblich ist ein zweites Klonbaby zur Welt gekommen - das Kind einer lesbischen Niederländerin. Das erste Klonkind soll bereits kurz nach Weihnachten geboren worden sein. Das Projekt ist extrem umstritten.

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Rohstoff Mensch?

Die Raelianer-Sekte hat in den USA die Geburt eines zweiten angeblichen Klon-Babys verkündet. Das Mädchen sei am Freitagabend (3.12.2003) auf die Welt gekommen, sagte die Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier der Nachrichtenagentur AFP. Wo genau, verschwieg sie. Der Vorsitzende der Raelianer in den Niederlanden, Bart Overvliet, bestätigte die Geburt, die von unabhängiger Seite jedoch nicht belegt wurde.

Kopierte Katzen und Kaninchen

Brigitte Boisselier ist Chefin des Unternehmens Clonaid in Las Vegas, das sich mit dem Klonen von Menschen beschäftigt. Wenn die Geburten von unabhängiger Seite bestätigt würden, wären es die ersten Kinder, die durch Klonen gezeugt wurden. Allerdings bezweifeln viele Wissenschaftler, dass Clonaid überhaupt die technischen Fähigkeiten dazu hat. Beim Klonen wird der Kern einer Zelle eines Lebewesens in eine fremde Eizelle eingesetzt – aus der wiederum soll eine exakte Kopie des Lebewesens entstehen. Mit Schafen und Mäusen ist das Wissenschaftlern schon gelungen, im Frühjahr 2002 auch mit Kaninchen und Katzen.

Das Klonen von Menschen ist allerdings sehr strittig. In der Diskussion geht es um zwei Verfahren. Das reproduktive Klonen hat die Geburt eines Menschen zum Ziel. Dagegen geht es beim therapeutischen Klonen darum, einen gen-gleichen Embryo zu erzeugen. Er liefert die so genannten Stammzellen, aus denen menschliche Organe gezüchtet werden können. Dabei wird der Embryo vernichtet.

Klone haben meistens Gen-Fehler

Ein weltweites Verbot, Menschen zu klonen, gibt es nicht, aber in den meisten Staaten ist es untersagt. Denn Experten warnen, die Folgen seien "unabsehbar". Bei einigen geklonten Tieren tauchten zum Beispiel genetische Fehler auf: Klonschaf "Dolly", erschaffen 1997, bekam sehr früh Arthritis. Klonmäuse leben nur relativ kurz und sind im Alter ungewöhnlich dick. Klonforscher George Seidel von der Staatlichen Universität Colorado hält eine Erfolgsrate von zwei Prozent für typisch - auf 50 Versuche ein gesundes Tier. Das sei "vielleicht für Rinder akzeptabel, ganz bestimmt aber nicht bei Menschenkindern".

Kritik und Skepsis regten sich bereits, als der italienische Mediziner Severino Antinori

Doktor Severino Antinori kündigt Klonbaby an

Doktor Severino Antinori

im November die Geburt eines geklonten Jungen für Januar 2003 ankündigte. "Weltweit wird davon ausgegangen, dass Herrn Antinori die wissenschaftliche Kompetenz abgesprochen werden muss", erklärte Markus Montag, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Reproduktionsbiologie des Menschen. Denn das derzeitige Klonverfahren sei wenig effizient. Wenn Forscher tatsächlich einen Menschen geklont hätten, müssten sie dabei tausende Eizellen von hunderten Frauen verbraucht haben: "Es ist kaum möglich, dass Antinori so etwas klammheimlich machen kann."

Kein genetisches Ersatzteillager

Hinzu kommen schwere ethische Bedenken. Nach Ansicht der Bischofskonferenz ist das Klonen von Menschen "ein auf das Schärfste zu verurteilender Verstoß gegen die Würde des Menschen". Die Initiative "Stoppt PID (Präimplantations-Diagnostik) und Klonen" befürchtet, dass der einzige Zweck geklonter Menschen darin bestünde, "als Rohstoff für Heilungen des Originals verwandt zu werden". Wenn tatsächlich jemand Menschen klone, handle es sich um "verantwortungsloses Experimentieren mit menschlichem Leben", erklärte der Bonner Reproduktionsmediziner Prof. Hans van der Ven.

Deutschland und Frankreich hatten bei der UNO eine Initiative gestartet, um das Klonen von Menschen zur Fortpflanzungszwecken weltweit verbieten zu lassen. Sie scheiterten damit aber im November, weil die USA und streng katholische Länder wie Spanien und die Philippinen Einspruch einlegten. Die Verhandlungen liegen bis September 2003 auf Eis.

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