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Kultur

Der Horror des Machbaren

Mit der Ankündigung der bevorstehenden Geburt eines geklonten Menschen hat der italienische Mediziner Severino Antinori für Aufsehen gesorgt. Ein Kommentar von Thomas Kirschning.

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Jeder Gärtner klont, wenn er Stecklinge in die Erde pflanzt. Selbstverständlich nimmt er Stecklinge nur von besonders gut gedeihenden Pflanzen. Wären die Probleme unserer Welt zu lösen, wenn wir sie künftig mit neuen, gleich- und gutartig gedeihenden Menschen ausstatteten? Hieße es nicht, endlich eine gedeihliche Zukunft planen zu können, wenn die vom Träger des Friedensnobelpreises abgekupferten einhundert Söhne aufschauen und sagen könnten: "So also werden wir einmal in 50 Jahren sein?"

Einmal abgesehen davon, dass man den Wahrheitsgehalt der Ankündigungen des Herrn Antinori mit äußerster Skepsis beurteilen sollte: Natur existiert und definiert sich durch ihre Vielfalt. Wer in die Vielfalt der menschlichen Spezies und damit der Natur eingreift, vernichtet die Natur und damit auch die eigene Art - eine schlichte Erkenntnis jenseits von Ethik, Moral und Recht.

Ein Duplikat

Wohlgemerkt: Antinori und seine Mittäter haben keine künstliche Befruchtung im Mutterleib durchgeführt oder embryonale Stammzellen zum Zwecke medizinisch-therapeutischer Forschung vervielfältigt, sondern angeblich einen menschlichen Embryo im Labor dupliziert, um ihn anschließend austragen zu lassen.

Einen Embryo oder hunderte? So unmenschlich dieses Verfahren ist, so zulässig muss daher dieser Vergleich sein: Bei Tieren war das reproduzierende Klonen bislang nur seltenst 'erfolgreich'. Bei den uns genetisch nahen Schweinen in lediglich 0,2 Prozent der Fälle. Das heißt: In 98 Prozent der Fälle starben Embryo oder Mutter.

Gnadenlose Wissenschaft

Wie vielen Leihmüttern haben diese gnadenlosen Wissenschaftler also wie viele zuvor herangezüchtete menschliche Embryos eingesetzt? Wie viele von ihnen mussten sterben, abgetrieben werden, damit jetzt womöglich eines geboren werden kann? Von welchen Krankheiten wird diese bedauernswerte Kreatur gezeichnet sein? Die grausamen Erfahrungen mit geklonten Tieren lassen Schlimmstes befürchten.

Zu den schauerlichsten Argumentationen pro Klonen gehört diese: Man stelle frühzeitig Ableger von Neugeborenen her, auf dass man - sollte das Original später erkranken - stets in jeder Hinsicht passende Ersatzteile zur Verfügung habe. Wo und wie sollen diese Ableger denn gehalten, gelagert, gepflegt werden? Es wären Menschen!

Ein Blick in die Geschichte

Derartige Versuche und Überlegungen unterscheiden sich nicht im geringsten von jenen, die vor über 50 Jahren unter dem Nationalsozialismus in deutschen Konzentrationslagern durchgeführt wurden. Das reproduktive Klonen des Menschen ist nicht nur aus moralischen oder ethischen Gründen verwerflich, sondern auch aus medizinischer Sicht überflüssig und damit absolut verantwortungslos.

Wenn das öffentlichkeitswirksame Auftrumpfen des Herrn Antinori ein Gutes bewirken könnte, dann lediglich dies: Ein weltweites, mit schwerer Strafe bewehrtes Verbot des reproduzierenden Klonen menschlicher Embryos muss sich jetzt endlich durchsetzen.

Die Hoffnung auf Vernunft und Verantwortung von Medizinern und Wissenschaftlern ist verloren, seit sie alles machen, was machbar ist.