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Kultur

Malerisch immer einen Schritt voraus: Gerhard Richter wird 75

Gerhard Richter, einer der erfolgreichsten Maler der Gegenwart, wird 75. Zu seinen Markenzeichen gehören nach Fotografien gemalte Bilder und Collagen aus Zeitungsausschnitten und Fotos.

Zehn große Farbtafeln von Gerhard Richter

"Zehn große Farbtafeln" von Gerhard Richter

Mao, 1968

"Mao, 1968"

Gerhard Richter könnte unerkannt durch die City seiner Wahlheimat Köln spazieren. So unscheinbar und bescheiden wirkt der kleine vollbärtige Mann mit Brille. Was auffällt, sind einzig die rastlos umherschweifenden Augen und sein stetig prüfender Blick.

Als "Picasso des 21. Jahrhunderts" bezeichnen Kritiker den am 9. Februar 1932 in Dresden geborenen Künstler. Einer der erfolgreichsten Maler der Gegenwart ist Richter allemal. Seine Werke hängen in den bedeutendsten Museen der Welt. Arbeiten mit der Signatur des Deutschen erzielen Rekordpreise auf dem Kunstmarkt. Der "Kunstkompass" der Zeitschrift Capital listet Richter auf Platz eins aller lebenden Künstler. Die Welt überschüttet ihn mit Kunstpreisen.

Abseits des Glamours

Gerhard Richter

Gerhard Richter

Doch mit Picasso, dem Wegbereiter der modernen Kunst im 20. Jahrhundert, teilt Richter kaum mehr als den Ruhm. Zwar liebt auch Richter die Frauen. Er ist in dritter Ehe verheiratet und er spart nicht an Luxus. Doch anders als Picasso scheut Richter das Licht der Öffentlichkeit. Er gibt kaum Interviews und macht sich rar auf den Tummelplätzen der glamourösen Kunstwelt. Seit 40 Jahren lebt der gebürtige Dresdener im Rheinland.

Und im Unterschied zu Picasso macht Richter nicht die eigene Biografie zum Maß seiner Kunst, wie Richter-Biograph Dietmar Elger betont. "Picasso war jemand, der ganz eindeutig seine Motive aus seinem Privatleben geschöpft hat, und das jahrzehntelang", erklärt er. "Gerhard Richter hat das jahrzehntelang vermieden. Er hat Privatleben, wo er es gemalt hat, immer geleugnet und wo er es dann doch mal zugelassen hat, immer versucht, es zu verschleiern."

Kapitalistischer Realismus

Noch eins hat Richter mit Picasso gemein: Wo andere Künstler hinkommen, ist er stilistisch längst weiter gezogen. Das gilt bereits für seine frühen Pop-Art-Bilder und die ersten Gehversuche im "Abstrakten Expressionismus" Anfang der 1960er Jahre, die er zum "Kapitalistischen Realismus" deklariert. Es ist Richters ironische - und konsumkritische - Antwort auf die offizielle Kunstdoktrin der damaligen DDR, den "Sozialistischen Realismus".

Dem "sozialistischen Realismus" hat sich der Dresdner 1961 mit seiner Flucht nach Westdeutschland entzogen. Die Dresdner Hochschule für bildende Künste hatte ihn abgelehnt, 1951 begann er dann ein Studium an der Kunstakademie. Nach seiner Flucht studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie weiter, wo er von 1971 bis 1993 auch als Professor tätig war.

Bald darauf beginnt Richter mit seinem "Atlas", in dem er Zeitungsausschnitte, Fotografien, Entwürfe, Farbstudien, Landschaften, Porträts, Stillleben, historische Stoffe und Collagen versammelt. Eine Art Motivarchiv, das 1997 auf der Documenta in Kassel ausgestellt wird und dessen er sich über Jahrzehnte immer wieder bedient.

Die Malerei gerettet

Schädel und Zwei Kerzen

"Schädel" und "Zwei Kerzen"

Schon früh werden Widersprüche und Brüche zum Markenzeichen der Kunst Gerhard Richters. Sein Werk reicht von fotorealistischen Naturdarstellungen, den unscharfen Gemälden nach Fotografien und gemalten Vorlagen bis hin zu Glas- und Spiegelobjekten oder Installationen. Dabei folgt er, was mancher als mangelnde Kontinuität oder gar Stiluntreue kritisiert, der immer gleichen Absicht: Richter forscht und experimentiert mit Wirklichkeit. Und er lotet dabei die Möglichkeiten der Malerei aus.

"Gerhard Richter ist einer der Künstler, die es geschafft haben, die Malerei zu retten in das 21. Jahrhundert. Wir haben ja schon mehrfach die Situation gehabt, dass die Malerei totgesagt worden ist gegenüber anderen Techniken wie der Aktionskunst oder der Skulptur", sagt Egler. "Und Gerhard Richter hat durch seine Malerei nach Medienmotiven eine Form gefunden, Malerei weiterhin zu betreiben in einer Zeit, als alle glaubten, malen könne man überhaupt nicht mehr."

In diesen Tagen jährt sich die Gründung des Gerhard-Richter-Archivs der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden zum ersten Mal. Leiter der Forschungsstelle ist Richters früherer Sekretär und heutiger Biograf Dietmar Elger. Richters Geburtsstadt Dresden ehrt den Künstler an diesem Samstag (10. Februar) mit einem Symposium. Der aus Ostdeutschland stammende, in Westdeutschland gereifte Künstler Gerhard Richter ist zum ersten gesamtdeutschen Künstler mit Weltruhm geworden - auch wenn ihn auf der Straße keiner erkennt.

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