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Kultur

Malerei fern der Abbildung

Gerhard Richter gehört zweifellos zu den erfolgreichsten lebenden Künstlern. Seine Werke erzielen auf dem internationalen Kunstmarkt Millionensummen. Über seine Arbeiten wurde in der Vergangenheit viel diskutiert.

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"Wolken"

Richter wird 1932 in Dresden geboren. Die Schule verlässt er mit 16, um Bühnenmaler zu werden. In den 50er Jahren studiert er an der dortigen Kunstakademie und macht seinen Abschluss zum Diplom-Wandmaler. 1961 zieht Richter nach Düsseldorf und studiert an der Staatlichen Kunstakademie bei Karl Otto Götz. Mit seiner Übersiedlung 1961 in die Bundesrepublik Deutschland vollzog sich nicht nur biographisch, sondern auch künstlerisch ein radikaler Neuanfang des Künstlers. Signifikantes äußeres Merkmal ist die Neunumerierung seines Oeuvres von diesem Zeitpunkt an sowie die Hinwendung zur abstrakten Sprache von Form und Farbe. Mit seinen Arbeiten aus der künsterlischen Anfangsphase ist Richter selbst so unzufrieden, dass er sie später vernichtet.

Erste Erfolge

Pop-Art und Photorealismus prägen Richters Frühwerk. Der Anspruch an seine Arbeiten lässt ihn nicht ruhen. Scheinbar Vollendetes wird wieder und wieder überarbeitet. Im Mai 1963 nimmt Richter an seiner ersten öffentlichen Gruppenausstellung teil. Gemeinsam mit seinen Studienfreunden Sigmar Polke und Konrad Lueg zeigt er unter dem Titel "Malerei und Grafik. Sonderausstellung" Arbeiten in einem zum Abbruch bestimmten Ladenlokal in der Düsseldorfer Kaiserstraße.

1966 entstehen seine ersten Farbtafeln nach Lackmusterkarten. Richter lässt die getrennten Farbtöne zu motivlosen Formenschlieren verschmelzen. Er experimentiert mit gegenstandsloser Malerei – seine Bilder heißen "Bunt auf Grau" oder "Achtzehn Farben". Mit den Grau-Bildern erreicht Richter die nächste Ebene auf der Suche nach einer Möglichkeite, "nichts" abzubilden und als Maler in seinen Werken keine persönlichen Spuren zu hinterlassen. 1971 tritt der Maler seine Professur an der Düsseldorfer Akademie an. 23 Jahre bleibt er dem Lehrbetrieb erhalten. Zwischendurch nimmt er eine Gastprofessur am College of Art in Halifax, Kanada und an der Frankfurter Städelschule an.

Richter thematisiert den "Deutschen Herbst"

In den 80er Jahren entwickelt sich die abstrakte Bildsprache neben dem Photorealismus zu Richters bevorzugtem Ausdrucksmittel. In Kassel wird ihm für sein bisheriges Werk der Arnold-Bode-Preis verliehen. 1986 wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine erste Retropektive des Künstlers gezeigt – zwei Jahre später in den USA. Richter geht dazu über, Landschaften nach Fotovorlagen abstrahiert nachzumalen. Parallel arbeitet er an vielschichtigen Aquarellen von eigenartiger Tiefe. Aufsehen erregt er mit dem "Stammheim-Zyklus". Es ist eine Serie von persönlichen Gegenständen und Polizeifotos der toten RAF-Häftlinge Gudrun Ensslin und Andreas Baader. Titel: "Zyklus zum 18. Oktober 1977". An diesem Tag fand man die beiden Häftlinge tot in ihrer Zelle. 1997 erhält er auf der 47. Bienale von Venedig den Goldenen Löwen.

Gerhard Richter lebt heute in Köln. Am 9. Februar feierte er seinen 70. Geburtstag. In seinem Gratulationsschreiben betonte Bundespräsident Johannes Rau, Richter habe mit seinem Gesamtwerk den Betrachter dazu gebracht, sich sowohl mit wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen als auch mit der Rolle des Künstlers und der Kunst in der Gesellschaft zu befassen.

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