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Lufthansa-Piloten drohen wieder mit Streik

Passagieren der Lufthansa droht nach Ostern ein neues Verkehrschaos. Verhandlungen des Konzerns mit der Pilotengewerkschaft Cockpit sind abgebrochen worden. Die Gewerkschaft rief die Piloten zum erneuten Streik auf.

Wartende Passagiere vor Lufthansa Check-In-Schaltern (Foto: dpa)

Dichtes Gedränge vor den Lufthansa-Schaltern in Frankfurt beim Streik am 22. Februar 2010

Immerhin: Über Ostern müssen Lufthansa-Passagiere nicht damit rechnen, auf den Flughäfen zu stranden. Aber vom 13. bis zum 16. April soll es ernst werden. Für diesen Zeitraum rief die Pilotenvereinigung Cockpit am Montag (22.03.20210) ihre Mitglieder an allen deutschen Standorten zum Ausstand auf. Nicht nur die Piloten der Lufthansa sollen ihre Arbeit niederlegen, sondern auch die Flugzeugführer der Konzerntöchter Germanwings und Cargo. Laut der Pilotenvereinigung sind die Gespräche mit der Lufthansa vorerst gescheitert. Cockpit vertritt die Interessen von rund 4500 Kapitänen und Co-Piloten.

Hoffnung auf neue Gespräche

Lufthansa-Flugzeug hebt ab (Foto: dpa)

Über Ostern sollen Lufthansa-Flugzeuge noch planmäßig abheben

Der Konzern forderte die Gewerkschaft zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Ein Streik ist also noch nicht beschlossene Sache. Durch die frühe Ankündigung der Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft nach eigenen Angaben dem Lufthansa-Management Zeit geben, den bisherigen Kurs zu überdenken.

Die Lufthansa hatte Cockpit in den vergangenen Wochen ein neues Verhandlungsangebot vorgelegt. Dieses Angebot sieht eine Nullrunde vor, aber nach Angaben der Gewerkschaft auch Verschlechterungen des Manteltarifvertrages. Solche Regelungen kämen für Cockpit nur in Frage, wenn die Lufthansa die bereits bestehende Tarifvereinbarung zur Arbeitsplatzsicherung wieder einhalte, heißt es. Bereits vor Wochen hatten die Piloten sich im Gegenzug für eine Jobgarantie zu einer Nullrunde bereit erklärt.

Cockpit: Lufthansa unterläuft Konzerntarifvertrag

Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht der Konzerntarifvertrag, der die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen der Piloten sichern soll. Die Flugzeugführer werfen ihrem Arbeitgeber vor, den 1992 abgeschlossenen Vertrag abschaffen zu wollen. Der Tarifvertrag sieht unter anderem vor, dass in Lufthansa-Maschinen mit über 70 Sitzen nur Personal eingesetzt werden darf, das nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt wird. Nach Angaben von Cockpit unterläuft die Lufthansa diese Regelung jedoch immer öfter. Hinzu komme, dass die Piloten eine Verlagerung von Arbeitsplätzen befürchten. Die Gewerkschaft will verhindern, dass die Fluggesellschaft nach und nach Strecken von Tochtergesellschaften wie etwa der österreichischen Fluglinie "Austrian" bedienen lässt, deren Piloten meist weniger verdienen.

Lufthansa: Konzerntarifvertrag veraltet

Das Lufthansa-Management verteidigte sich. Aus Sicht des Konzerns ist der bestehende Konzerntarifvertrag veraltet. Die Lufthansa möchte nach der weltweiten Wirtschaftskrise möglichst rasch wieder in die schwarzen Zahlen fliegen. Daher muss sie aus Sicht des Managements vor allem im Europaverkehr sparen – dazu gehörten auch Zugeständnisse der Belegschaft. Im Interesse aller Lufthanseaten müsse man für wettbewerbsfähige Strukturen sorgen und unter allen Umständen Kostensteigerungen vermeiden, sagte der Lufthansa-Verhandlungsführer Roland Busch.

Foto der Arbeitsrichterin Silke Kohlschitter in einer Verhandlungspause (Foto: dpa)

Der Frankfurter Arbeitsrichterin Silke Kohlschitter gelang es im Februar überaschend, die Streithähne wieder an den Verhandlungstisch zu bringen

Die Fronten bleiben also verhärtet. Und aus Sicht der Passagiere ist es zweifelhaft, ob der erneute Streikaufruf so glimpflich enden wird wie beim vorigen Mal. Die Piloten hatten bereits im Februar gestreikt, die Arbeitsniederlegungen jedoch nach einem gerichtlichen Vergleich mit der Lufthansa nach nur einem Tag abgebrochen. Konzern und Piloten einigten sich vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main auf Vorschlag der Vorsitzenden Richterin Silke Kohlschlitter, die Tarifgespräche vorläufig wiederaufzunehmen – freilich ohne Erfolgsgarantie.

Autor: Walter Lausch (dpa, rtr und afp)

Redakteur: Martin Schrader

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