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Kultur

Literatur im Web: Der Autor 2.0

Sein Manuskript hat er noch ganz klassisch in Papierform beim Verlag abgeliefert. Seitdem macht Autor Sebastian Ingenhoff das Meiste am Computer. Seinen Roman promotet er bei Myspace. Seine Erzählungen gibt es online.

Screenshot der Myspace-Startseite (Quelle: Internet)

Mein Platz - auch für Autoren

Angefangen hat er 2005. Unter der Dusche. Denn da fiel ihm der erste Satz ein. Der Satz für einen Roman. Seinen ersten. Sebastian Ingenhoff ist 30, er ist Schriftsteller, schreibt für Zeitungen und Magazine. Im Moment arbeitet er nebenbei noch für ein Kölner Musikfestival. Denn vom ersten Buch allein kann er nicht leben. Noch nicht, denn das könnte sich ändern – unter anderem auch wegen Myspace.

Gratulieren, tu ich dir

Myspace - das soziale Netzwerk - hat weltweit 235 Millionen Mitglieder. 498 davon sind Sebastian Freunde. Mit dabei sind inzwischen auch eine ganze Menge Leser. Die finden auf seiner Profil-Seite einen kurzen Hörspielausschnitt aus seinem Roman "Rubikon", Fotos und verschiedene Kurzgeschichten und Erzählungen. Sebastian Freunde können alles kommentieren, Nachrichten hinterlassen oder Links schicken. Und das machen sie auch. In nicht immer einwandfreier Diktion:

"mein lieblingssatz: ( bzw. lieblings anderthalb sätze:) ‚ ... da lag ich dann eh schon immer wie ein kafkaesker käfer auf dem rücken und hatte nicht weniger als die komplette welt gegen mich. ich gratulierte mir herzlich.’ und gratulieren, tu ich nun dir, zu einem: schönen buch!"

Sehen wo man bleibt

"Das ist gerade für Autoren die ihr Erstlingswerk publizieren irgendwie schon eine gute Sache", erzählt Sebastian in Bezug auf Myspace. Denn obwohl sein Roman positiv im Feuilleton besprochen wurde und auch bei Amazon bestellbar ist, muss er doch sehen wo er bleibt: Um nicht in der Flut der Neuerscheinungen unterzugehen, um nicht nur ein weiterer von zahllosen Autoren zu sein.

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Myspace ist da nur eine Möglichkeit. Verschiedene neue Internetseiten wie readbox.net oder BookRix.de wollen eine Anlaufstelle für unbekannte Schriftsteller sein. Ihr Prinzip ähnelt allen sozialen Netwerkseiten: Künstler oder alle die es sein oder werden wollen stellen ihr Werk auf möglichst originellen Profilseiten vor. Wem es gefällt, der kann es kaufen oder zumindest in Kontakt treten.

Unabhängig von Ort und Zeit

Natürlich ersetzen weder Myspace noch andere Online-Dienste den ganz normalen zwischenmenschlichen Kontakt. Sie ergänzen und verändern ihn aber. Die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme wird wesentlich geringer. Und die Zielgruppe wird ideal erreicht – unabhängig von Ort und Zeit. Wer da allerdings jetzt alles sein Profil ganz genau anguckt, das interessiert Sebastian Ingenhoff nur mäßig. Er sitzt im Moment an einem neuen Erzählband und hat für aufwendige Kontaktpflege via Internet gar nicht genug Zeit.

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