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Politik

Lieber Freitod als Abschiebung

Afghanische Flüchtlinge leben in Angst. Jeden Tag droht die Abschiebung, denn die deutschen Landesregierungen lassen sich alle Hintertüren offen, um die hilfsbedürftigen Menschen nicht allzu lange erdulden zu müssen.

Afghanische Kinder spielen in einem Autowrack vor dem zerstörten Königspalast in Kabul. Quelle. AP

In der Heimat erwarten die Menschen Gewalt und Zerstörung

Afghanische Asylanten in Deutschland sind derzeit verunsichert, weil die Lage in Afghanistan sehr instabil ist. Es gibt Fälle, in denen die Afghanen verzweifelt versucht haben, sich zu wehren, wie der rechtspolitische Referent der Nicht-Regierungs-Organisation Pro Asyl, Bernd Mesovic, erzählt: "Ein fünfunddreißigjähriger Afghane ist bei einem Abschiebungsversuch von der Flugzeugtreppe gesprungen und hat sich beide Beine gebrochen." Dieser Mann sei schon fünf Jahre in Deutschland gewesen und habe im Krankenhaus angekündigt, beim nächsten Abschiebungsversuch möglicherweise wieder einen Suizid zu begehen.

Verzweiflung und Ausweglosigkeit

Viele afghanische Flüchtlinge sind traumatisiert. Eine Rückkehr käme für sie einem Zustand permanenter Angst und Unruhe gleich. So auch für Mohammed Ali, einem afghanischen Asylsuchenden in Hamburg: "Ich habe dort schon seit meiner Kindheit viel Leid erfahren. Wir hatten dort sehr viele Probleme, politische wie familiäre, allerdings hatte ich auch sehr viele persönliche Probleme."

Afghanisches Kind macht am Tisch seine Hausaufgaben, während die Eltern im Hintergrund Fernsehgucken. Quelle: dpa

Auf kleinstem Raum lebt, isst und schläft eine dreiköpfige afghanische Familie in Stuttgart

Oftmals sind auch Menschen in Gefahr abgeschoben zu werden, die sich nach mehreren Jahren im Gastland eingelebt und eine Ausbildung begonnen haben. Diese Jugendlichen sind meist in Begleitung ihrer Eltern nach Deutschland gekommen und haben den größten Teil ihres Lebens hier verbracht. Sie kennen ihr Heimatland kaum oder gar nicht. Eine schwierige Situation, sagt die Migrationsbeauftragte der FDP, Sybille Laurischk: "Eine deutlich liberalere Aussage im Gesetz ist notwendig, damit sie zumindest eine Ausbildung machen können und dann Möglichkeiten haben, sich im Heimatland besser zurechtzufinden." Laurischk hält die Lage für kritisch: Familien würden oftmals getrennt, da sie aufenthaltsrechtlich unterschiedlich behandelt würden.

Einfach glücklich sein

Panzer in Afghanistan. Quelle: DW

Panzer in Afghanistan

Das ursprüngliche Motiv, warum die Afghanen geflohen sind, war, dem Krieg zu entkommen, der in ihrem Heimatland tobte. Deshalb hat auch die Familie von Paymana Haydar in Deutschland eine Duldung erhalten: "Wir sind 1989, als der Krieg schon richtig im Gange und schon vieles zerstört war, aus Afghanistan geflüchtet. Wir wollten ein glückliches Leben. Meine Eltern wollten, dass wir hier zur Schule gehen und in Ruhe und Frieden leben, wie die anderen Kinder dieser Welt. Sie wollten uns vor dem Krieg und Chaos fernhalten."

Dass Asylanten eingebürgert werden, ist bisher noch die Ausnahme. Das sollte sich ändern, fordert FDP-Politikerin Sybille Laurischk: "Wir sind der Meinung, dass Zuwanderung nicht über Asylanträge erfolgen sollte oder gesteuert werden kann. Wir haben einen Antrag im Bundestag eingebracht, dass bestimmte Berufsgruppen auch als interessant für die Einwanderung definiert werden. Davon allerdings sind wir noch erheblich entfernt."

Vorgespieltes Engagement

Bernd Mesovic von Pro Asyl ist der Meinung, dass Deutschland sich nicht ausreichend an das internationale Flüchtlingsrecht hält: "Ich habe den Eindruck, dass Deutschland sich mehr und mehr vom internationalen Flüchtlingsrecht verabschiedet - zugunsten einer Praxis, die da heißt: Die Menschen sollen in den Regionen bleiben, dann sind wir in gewissem Maße bereit mitzuhelfen, aber hier in Deutschland und der EU sollen möglichst Wenige Aufnahme finden." Es gebe immer wieder Äußerungen, dass die wenigen, die nach Europa kommen, immer noch zuviel seien, und das hält Pro Asyl für unverständlich.

Das führe dazu, dass ärmeren und instabileren Staaten, die die Erstaufnahme von Flüchtlingen in der Welt überwiegend jetzt schon übernehmen, weitere Lasten aufgebürdet würden, so Mesovic. So wie das jetzt beispielsweise im Irak und seinen Nachbarstaaten der Fall sei.

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