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Kunst

"Let's buy it!" - Kunst zwischen Luxus und Spekulation

Der Kunstmarkt boomt. Was nicht jedem gefällt. Doch Kunst und Markt gehören seit jeher zusammen. Und der Hype wird weitergehen, prognostiziert Christine Vogt, Direktorin der Oberhausener Ludwig Galerie, im DW-Interview.

DW: Kunst und Kommerz, das ist eine jahrhundertealte Verbindung. Ist sie eher Vernunftehe oder verhängnisvolle Affäre?

Vogt: Da muss man unterscheiden: Es gibt die "Kunst für alle" und die Kunst für eine ganz exklusive Gruppe. Da sind die Preise explodiert. Das hat nichts mit den Bildern zu tun, die bleiben ja immer dieselben, sondern damit, dass manche Menschen einfach zuviel Geld haben und Kunst zu den großen Luxusgütern gehört. Es ist mittlerweile eine Extremsituation auf dem Kunstmarkt: Einerseits erzielen Künstler wie Damien Hirst Höchstpreise, andererseits können nur ein bis drei Prozent der Kunstakademie-Absolventen von ihrer Kunst leben. Diese Gegensätze versucht die Ausstellung auch darzustellen.
 

Sie zeigen Gerhard Richter, einen der teuersten lebenden Künstler. Er kritisiert den Markt scharf: Es gehe nur noch um den Preis. Platzt die Blase irgendwann?

Das ist eine gute Frage. Während der Finanzkrise wurde prophezeit, dass auch der Kunstmarkt zusammenbricht, aber das ist ja nicht passiert. Es scheint also schon ein Segment zu sein, das recht stabil ist. Das hat meines Erachtens aber auch mit den Akteuren am Kunstmarkt zu tun, die sich auf höchster Ebene gegenseitig die Bälle zuspielen.

Ist die Kritik am Markt von Künstlerseite nicht auch ein Stück weit heuchlerisch? Man könnte sich dem Markt ja auch entziehen…

Man könnte sich dem entziehen, dann wüsste man aber nicht, wovon man seine Miete bezahlen soll. Dann müsste man andere Einnahmequellen haben. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich hat den Begriff "Siegerkunst" geschaffen, wonach Kunst bestimmte Kriterien erfüllen muss, um erfolgreich zu sein: etwa, dass sie international, global, leicht verständlich, in hoher Zahl verfügbar sein muss und so weiter. Und wenn man Kunst schafft, die dem nicht entspricht, die zum Beispiel flüchtig oder schlecht aufzubewahren ist, dann entzieht man sich dem automatisch.

Der britische Graffiti-Künstler Banksy zum Beispiel versucht das ja.

Aber Banksy ist ja gerade ein gutes Beispiel dafür, wie der Kunstmarkt funktioniert. Banksy sprüht etwas an eine Wand, und die Leute kommen nachts, schlagen es aus der Wand heraus und verkaufen es dann. Daran sieht man ja, dass sich der Markt offensichtlich nicht darum schert, was die Künstler wollen oder tun.

"LET'S BUY IT!" – das ist eine klare Aufforderung zum Kauf. Sind etwa auch Sie dem Kunst-Hype erlegen?

Also wir sind ja ein Ausstellungshaus, von daher kaufen wir üblicherweise keine Kunst an. Zu dieser Ausstellung hat sich aber der Freundeskreis der Ludwig Galerie bereit erklärt, etwas Geld zur Verfügung zu stellen, um doch ein paar Dinge ankaufen zu können. Das gehört zwar eher in das Segment "Kunst für alle", aber das Kaufen macht schon Spaß.

Sie persönlich haben für das Museum bei Ebay Kleinanzeigen eine Grafik von Felix Droese erstanden, die dieser 2003 in einer Stückzahl von 10.000 bei Aldi Süd für 12,99 Euro verkauft hat. Was mussten Sie dafür bezahlen?

30 Euro, inklusive Porto. Auch hier hat sich der Wert also schon verdoppelt. Und er wird sicher noch weiter steigen.

Das Gespräch führte Katharina Abel

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