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Testseite Politik

Kurzer Prozess im Kongo

Schnell und von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt hat die kongolesische Regierung in den frühen Morgenstunden einen Militärputsch in der Hauptstadt Kinshasa vereitelt.

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Kongo: Kein Ende der Gewalt

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Regierung im Kongo in der Nacht zum Freitag (11.6.) eine Militärrevolte niedergeschlagen. Nach Kämpfen zwischen meuternden und loyalen Truppen in der Hauptstadt Kinshasa präsentierte sich Präsident Joseph Kabila am Nachmittag im staatlichen Fernsehen unversehrt und demonstrativ in Militäruniform. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf: "Ich werde niemandem erlauben, einen Umsturz zu versuchen oder unseren Friedensprozess vom Kurs abzubringen.“ Ihm selbst gehe es, entgegen anders lautender Gerüchte, gut.

Laurent Kabila

Kabila erfreut sich bester Gesundheit

"Kabila neutralisieren"

In den frühen Morgenstunden waren in Kinshasa laut Diplomaten Explosionen, Artillerie- und Maschinengewehrfeuer zu hören, die sich aber auf die Hauptstadt beschränkt haben sollen. Meuternde Angehörige der Präsidentengarde besetzten für kurze Zeit den staatlichen Rundfunk und erklärten, dass Streitkräfte dabei seien, die Übergangsregierung unter Präsident Joseph Kabila zu "neutralisieren". Danach besetzten die Aufständischen die nationale Elektrizitätsgesellschaft SNEL, schnitten die Hauptstadt drei Stunden von der Stromversorgung ab und verkündeten die Absetzung des Präsidenten. Der größte Teil der Bevölkerung allerdings verschlief das Ereignis.

Bereits am späten Vormittag ließ Außenminister Antoine Ghonda verlauten, dass die Lage wieder unter Kontrolle sei und zwölf mutmaßliche Putschisten verhaftet worden seien. Nach unbestätigten Berichten floh der Anführer der Putschisten, Eric Lenge, in Richtung Flughafen. Zuvor hatte er im Radio Okapi gesagt, dass er nicht die Macht übernehmen wolle, sondern im Namen des Volkes gegen die Unfähigkeit der Regierung protestiere.

" Geistesgestörte"

Die Regierung hingegen war bemüht, den Vorfall herunter zu spielen: Es handle sich um einen "geistesgestörten Militär", sagte Informationsminister Vital Kamerhe. Ferner hätten die Aufständischen keinerlei Unterstützung von Regierungsmitgliedern oder ausländischen Kräften bekommen.

Kongo befindet sich derzeit in einer fragilen Phase des Friedensprozesses: Immer wieder wird der im vergangenen Jahr eingeleitete Friedensprozess im Kongo von Gewalt erschüttert. Ihm war ein fünfjähriger Bürgerkrieg voraus gegangen, in dem nach inoffiziellen Schätzungen bis zu 2,5 Millionen Menschen umkamen.

Massaker in Kongo Opfer im Krankenhaus

Bürgerkriegsopfer

Erst in der vergangenen Woche hatte die Regierungsarmee in der von Aufständischen eroberten Stadt Bukavu wieder die Kontrolle übernommen. Kabilas Amtsvorgänger, sein Vater Laurent, war 2001 von einem seiner Leibwächter getötet worden. Derzeit regiert in Kinshasa eine Übergangsregierng aus fast allen Parteien des Landes. Sie soll für das kommende Jahr demokratische Wahlen vorbereiten. (ina)

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