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Welt

Kubas direkter Draht in den Vatikan

Havanna und der Heilige Stuhl pflegen auffallend enge Beziehungen. Der Besuch von Kubas Präsident Raúl Castro im Vatikan unterstreicht die zunehmende politische Bedeutung einer ganz besonderen Allianz.

Der Schulterschluss zwischen Katholiken und Kommunisten beruht vor allem auf einem gemeinsamen Feind: Materialismus. Ausgerechnet der antikommunistische Papst Johannes Paul II. bereitete den Boden für diese Allianz. Als er 1998 Kuba besuchte, kritisierte er nicht nur den Werteverfall und zunehmenden Säkularismus in der westlichen Welt, sondern auch das US-Handelsembargo gegen Havanna.

"Möge Kuba sich der Welt öffnen, und die Welt sich öffnen für Kuba!" – mit diesem historischen Satz legte Johannes Paul II. die Grundlage für die Kooperation zwischen Kuba und der Kurie. Der polnische Papst war der erste Vatikanchef, der dem kommunistischen Regime in Havanna einen Besuch abstattete. Und Fidel Castro wusste die päpstliche Kritik am US-Embargo geschickt für sich zu nutzen.

Nächstenliebe ohne Embargo

"Die Welt besteht nicht mehr aus guten Katholiken und schlechten Kommunisten, diese Zeiten sind auch auf Kuba endgültig überholt", sagte schon damals die Direktorin von Caritas Cuba, Maritza Sánchez Abillud. Die 1991 gegründete katholische Hilfsorganisation verfügt mittlerweile über ein Netz von 12.000 Freiwilligen im Land und wird immer noch von Sánchez Abillud geleitet.

Caritas Cuba ist eine der insgesamt 165 nationalen Organisationen des weltweiten katholischen Hilfswerkes, die unter dem Dach von "Caritas International" zusammengeschlossen sind. Zumindest im Bereich der katholischen Sozialarbeit scheint das US-Embargo bereits aufgehoben, schließlich ist der größte Geldgeber von Caritas Cuba der US-amerikanische "Catholic Relief Service" (CRS).

Symbolbild - Papst Franziskus I. (Bild: ULMER/Alberto Lingria)

Latinos unter sich: Papst Franziskus empfängt Kubas Staatschef Raúl Castro

Auch bei Caritas International in Deutschland hofft man auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Schwesterorganisation auf der Insel. "Bisher konnten wir nur in den Bereichen Katastrophenhilfe, Seniorenbetreuung und Behindertenhilfe arbeiten", sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas International. "Aber es könnte in Zukunft mehr werden, wenn die Regierung sich öffnet". Schließlich sei die Kirche in Kuba ein Player, der am ehesten solche Aufgaben im sozialen Bereich übernehmen könne.

Müller verfolgt nicht nur den Kurswechsel auf Kuba, sondern auch in der Kurie in Rom aufmerksam. "Kirchenpolitisch haben sich die Vorzeichen radikal gedreht", meint er. So wäre es unter Papst Benedikt undenkbar gewesen, dass Befreiungstheologen wie Gustavo Gutiérrez zur Jahresversammlung von Caritas International eingeladen worden wären. Der neue Papst hingegen habe keine Berührungsängste. Müller: "Ich bin optimistisch, denn es gibt jetzt von oben ein Signal: Bewegt Euch!".

Katechismus für Kommunisten

Das Tauwetter zwischen Havanna und dem Heiligen Stuhl begann bereits nach dem Mauerfall. Im Oktober 1992 veranlasste Fidel Castro die Umwandlung Kubas von einem atheistischen in einen laizistischen Staat. Seitdem können Katholiken Mitglied der kommunistischen Partei werden und umgekehrt dürfen Kommunisten auch Katholiken sein.

Galerie Papst Benedikt XVI. besucht Mexiko und Kuba (Bild: dpa)

Letzte Ehre: Nach dem Tod von Johannes Paul II. im April 2005 trägt Fidel Castro sich in das Kondolenzbuch ein

Auch der kubanische Klerus ist nicht mehr isoliert wie in den 1970er und 80er Jahren. Die Bischofskonferenz Kubas ist Mitglied des lateinamerikanischen Bischofsrats Celam; Priester und Bischöfe können ungehindert reisen. 2012 führte Raúl Castro im Zuge des Besuchs von Papst Benedikt auf Kuba zudem als Geste der Annäherung den Karfreitag als gesetzlichen Feiertag wieder ein.

Trotz des direkten Drahtes in den Vatikan kämpft die katholische Kirche auf Kuba mit zahlreichen Problemen. Kirchengebäude zerfallen, Priester verfügen oft nur verrostete Fahrräder, um von einer Gemeinde zur anderen zu gelangen, und der Zugang zu digitalen Medien ist schwierig. Auch die Menschenrechtslage und die Verfolgung von Regimegegnern erschwert die alltägliche Arbeit der katholischen Kirche auf Kuba.

Der kubanische Kardinal Jaime Ortega (Foto:EPA/Alejandro Ernesto)

Bereitet den Besuch von Papst Franziskus in Kuba vor: Havannas Erzbischof Kardinal Jaime Ortega

Alte Männer, neue Ideen

Nach der erfolgreichen Vermittlung des Papstes bei der Wiederannäherung zwischen Kuba und den USA im Dezember 2014 dürfte es für Raúl Castro nun schwierig sein, die Wünsche nach verbesserten Arbeitsbedingungen für die Kirche auf der Insel auszuschlagen. Und dennoch wird es bei seiner privaten Audienz am 10. Mai im Vatikan nicht nur um die Hilfe bei der Restaurierung von Gotteshäusern oder den Zugang zum Internet gehen.

Das historische Treffen der beiden alten Männer dient vielmehr der Vorbereitung des nächsten diplomarischen Höhepunkts: Der Kuba-Reise von Franziskus im kommenden September. Denn unmittelbar im Anschluss fliegt der Papst weiter nach Washington. Vielleicht mit mehr, als nur mit Grüßen von Raúl Castro im Gepäck.

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