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Asien

Kritik an Mutter Teresa durch radikale Hindus

Radikale Hindu-Organisationen versuchen, Stimmung gegen angebliche Zwangsbekehrungen zum Christentum zu machen. Der Versuch, auch Mutter Teresa zu kritisieren, stieß aber auf weitgehende Ablehnung.

Wochenlang hatte Indiens Ministerpräsident Narendra Modi keine Stellung zu einer Serie von Angriffen auf christliche Kirchen in Neu Delhi genommen. Erst Mitte Februar bekräftigte er vor einer Konferenz christlicher Gruppen, dass seine Regierung jegliche Gewalt gegen religiöse Überzeugungen verurteile und dagegen vorgehen werde. Keine Religionsgemeinschaft, ob in der Mehrheit oder Minderheit, werde es gestattet, offen oder verdeckt Hass gegen andere Gruppen zu säen.

Eine Woche nach dieser klaren Stellungnahme goss der Führer der radikalen Hindu-Organisation RSS, Mohan Bhagwat, erneut Öl ins Feuer des Hindu-Nationalismus mit anti-christlicher Stoßrichtung. Er warf der 1997 in Kolkata (früher Kalkutta) gestorbenen Friedensnobelpreisträgerin und Ordensschwester Mutter Teresa vor, hinter ihrem Einsatz für die Armen und Kranken habe in erster Linie der Wunsch gesteckt, die Inder zum Christentum zu bekehren.

Bei der Eröffnung eines Waisenhauses im Bundesstaat Rajasthan am Montag (23.02.2015) sagte Bhagwat: "Wir bieten hier nicht Hilfe von der Art Mutter Teresas an. Ihre Arbeit mag gut gewesen sein, aber hinter ihrem Dienst steckte ein Motiv. Sie wollte diejenigen, denen sie diente, zum Christentum bekehren."

Mohan Bhagwat Anführer der Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (Foto: AFP/Getty Images)

Mohan Bhagwat ist der Führer der laut Selbstdarstellung "unpolitischen kulturellen Hindu-Organisation" RSS

Scharfe Kritik an Herabsetzung des Wirkens von Mutter Teresa

In Internetforen wie Twitter (#RSSQuestionsTeresa) wurden Bhagwats Äußerungen von zahlreichen Usern als "grundlos" und "abstoßend" kritisiert, auch im Parlament riefen die Äußerungen heftige negative Reaktionen hervor. Der vor kurzem neugewählte Chefminister des Bundesterritoriums Delhi, Arvind Kejriwal, twitterte, man möge Mutter Teresa, "eine edle Seele", in Frieden lassen. Ein früherer Minister der Kongress-Partei, Sachin Pilot, kritisierte Bhagwats Äußerungen als "Beleidigung aller, die an den Dienst am Menschen glauben."

Sunita Kumar, ehemalige Vertraute Mutter Teresas und Sprecherin der von Teresa gegründeten Organisation "Missionarinnen der Nächstenliebe", sagte, der RSS-Führer Bhagwat sei "falsch informiert." Es gebe 745 Mutter-Teresa-Heime in aller Welt, davon etwa 19 in Kolkata. Über 90 Prozent der dort Aufgenommenen seien Nicht-Christen. Von Seiten der Erzdiözese Delhi hieß es, die christliche Gemeinde stehe unter "Schock" nach den Äußerungen Bhagwats. Modi müsse jetzt handeln, nachdem er jeglicher Aufstachelung zu religiösem Hass eine Absage erteilt habe.

Narendra Modi in Arunachal Pradesh (Foto: picture-alliance/dpa)

Wird Premier Modi (hier bei der Einweihung einer Eisenbahnverbindung im äußersten Nordosten Indiens) sich der Herausforderung durch die Hindu-Fundamentalisten stellen?

Radikale Hindu-Organisation RSS bringt sich in Stellung

Die 1925 gegründete RSS (Rashtriya Swayamsewak Sangh, Nationale Freiwilligen-Organisation) gilt als eine besonders straff organisierte und ideologisch auf Hindu-Dominanz ausgerichtete Organisation. Sie wurde dreimal nach der Unabhängigkeit Indiens verboten und steht in enger Verbindung zur regierenden BJP von Premier Modi, der vor seinem Eintritt in die BJP Ende der der 80er Jahre lange Zeit für die RSS aktiv war. Angaben zu ihrer Mitgliederzahl sind nicht gesichert, es soll sich um bis zu sieben Millionen Männer handeln (für Frauen gibt es eine separate Organisation).

Befürworter eines säkularen und toleranten Staates in Indien sehen die Gefahr, dass es durch den deutlichen Wahlsieg von Modis BJP bei den Parlamentswahlen 2014 für radikale Organisationen wie die RSS leichter geworden ist, ihre hindu-nationalistische Agenda zu verfolgen, in der letztlich für Christen und Hindus kein Platz wäre.

Wenige Tage vor seinen umstrittenen Äußerungen zu Indiens nationaler Ikone Mutter Teresa hatte RSS-Chef Bhagwat bekräftigt, dass er an den sogenannten "Rückbekehrungen" festhalte. Inder, die "vom Weg abgekommen" seien, müsse man "wieder nach Hause bringen", sie seien "nicht freiwillig gegangen", so Bhagwat. Massenbekehrungen von Muslimen und Christen in verschiedenen indischen Bundestaaten (rund 14 bzw. 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung) hatten in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt. Sogar aus den Reihen der regierenden BJP war der Ruf nach Verabschiedung eines Gesetzes gegen Bekehrungen gekommen.

"Die RSS will jetzt wissen, wer das Sagen hat", erklärt Rakesh Batabyal von der Jawaharlal Nehru-Universität gegenüber der Deutschen Welle. "Bhagwats Erklärung zu Mutter Teresa war ein Test-Ballon und eine weiterer Versuch, die religiösen Trennlinien im Lande zu vertiefen."

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