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Politik

Kritik am Ministertourismus nach der Flut

Zuerst lehnten Kanzler Schröder und Außenminister Fischer Reisen in die Flutregionen ab. Man wolle lieber helfen. Dann beugte sich Fischer dem Katastrophentourismus seiner Kollegen und es gab Kritik seitens der UN.

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Shakehands: Für beide Seiten ein Termin mit positiven Schlagzeilen

Vier Tage lang war Joschka Fischer in den vom Tsunami betroffenen Ländern unterwegs. Im Namen der Bundesregierung hatte er zuletzt Sri Lanka langfristige und umfassende Hilfe beim Wiederaufbau der flutzerstörten Gebiete zugesagt. "Sri Lanka kann sich auf uns als Freund verlassen", sagte Außenminister Joschka Fischer am Dienstag (11.1.2005) in Colombo zum Abschluss seiner Reise durch die asiatischen Flutgebiete. Deutschland sei zur Restaurierung des Abwassersystems und zur sofortigen Unterstützung beim Wiederaufbau bereit. Die Bundesregierung werde sich zudem für Schuldenhilfe und einen Zugang Sri Lankas zum Markt der EU einsetzen. Sri Lankas Außenminister Lakshmar Kadirgamar dankte Deutschland für die Hilfsbereitschaft. "Wir sind tief berührt", sagt er nach einem Treffen mit Fischer. Gleiches tat Fischer in Indonesien und Thailand.

Die Bühne der Besuche

An diesen Fakten war zumindest nichts neu, was nicht schon vorher klar war: Die Hilfe Deutschlands. Die Außenminister aus aller Welt hatten ihr ganz persönliches Katastrophenprogramm: Ein Blick auf die Verwüstungen, ob vor Ort oder lieber aus dem Flugzeug, Gottesdienste, Regierungsbesuche, zum Schluss öffentliche Betroffenheit.

Entgegen der ursprünglich in Berlin geäußerten Absicht schloss sich auch der deutsche Außenminister dem Reisetrend der Chefdiplomaten an. Allein während seines Besuches in Thailand am Samstag (8.1.2003) hielten sich neben Bundesaußenminister Joschka Fischer auch seine Kollegen aus Japan, Norwegen und Kanada in Bangkok auf. Derzeit ist der spanische Außenminister Moratinos in der Region.

Abseits aller Erklärungen und wohlgemeinter Hilfe ist eine solche Katastrophe natürlich eine Gelegenheit, Flagge zu zeigen, Claims abzustecken und bilaterale Beziehungen zu stärken. Vor allem die Tatsache, dass die USA direkt mit dem Aufmarsch eines Flugzeugträgers im Indischen Ozean punkten konnten, bestärkte offenbar die Europäer, die viel Geld ausgeben aber nur langsam vor Ort präsent sind, ihre Außenminister auf Reisen zu schicken.

Politiker-Besuche blockieren Krisenhilfe in Thailand

Dies hat nun Kritik hervorgerufen: Der Chef der UN-Krisenhilfe in Thailand, Jan Eil Mosand, hat am Montag Politiker aus westlichen Ländern zum sofortigen Stopp ihrer Besuche in den Katastrophengebieten aufgefordert. Der Norweger sagte von Phuket aus in einem Interview mit dem Osloer Rundfunksender NRK wörtlich: "Diese Besuche blockieren mitunter unsere Arbeit fast völlig." In der vergangenen Woche seien allein zwölf Außenminister nach Phuket gekommen. Neben der aufwendigen Betreuung vor Ort nannte Mosand vor allem die immensen Sicherheitsmaßnahmen am Flugplatz als größtes Problem, das durch die Besuche von ausländischer Politprominenz verursacht werde. Vielleicht geht es ja auch mit weniger Aufwand, wenn demnächst der schwedische König Carl Gustav nach Thailand reist.

Das Interesse der Politik ändert sich nicht

Die UN dürften mit ihrer Kritik jedoch ziemlich allein auf weiter Flur stehen. Denn die betroffenen Staaten freuen sich freilich ihrerseits über die Politprominenz, stehen sie doch meist im Abseits der Weltpolitik oder machen eher durch negative Schlagzeilen auf sich aufmerksam, wie Sri Lanka und Indonesien. Darum sind diese Staaten vielmehr interessiert am Katastrophentourismus der Großen, bringt er ihnen doch positives Image.

Im übrigen hatte jüngst Sri Lanka selbst in punkto Blockade von Hilfsmaßnahmen einen der ersten Rekorde aufgestellt, als zu Beginn der Katastrophe erste Hilfsflüge einsetzten. Als nämlich die Staatspräsidentin selber zu einem Flug aufbrach, wurde der gesamte Luftraum des Landes gesperrt, die Hilfsflieger durften wieder umkehren. Das Leid der Menschen vor Ort trat hinter den Vorschriften zurück. (dk)

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