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Politik

Kontrolleure nach Teheran

Seit Donnerstag (2.10.) kontrolliert die Internationale Atomenergiebehörde Irans Nuklearanlagen. Bis Ende November will die IAEA ihre Einschätzung dazu abgeben, ob das Land Atomwaffen bauen kann.

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IAEA-Direktor Mohammed el Baradei

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kontrolliert von Donnerstag (2. Oktober 2003) an Nuklearanlagen im Iran, um Klarheit über das umstrittene Atomprogramm des Landes zu erhalten. Das teilte die IAEA am Mittwoch (1. Oktober 2003) in Wien mit. Die nächsten Wochen seien entscheidend, weil über die Iran eingeräumte Frist bis Ende Oktober 2003 zur Beantwortung aller offenen Fragen nicht mehr verhandelt werden könne, erklärte der IAEA-Generaldirektor Mohammed el Baradei unmittelbar vor dem Abflug seiner Experten.

Volle Unterstützung nötig

Die IAEA veröffentlichte am Mittwoch erstmals Einzelheiten der in Iran geplanten Kontrollen, die von el Baradei am 9. September 2003 vor dem Gouverneursrat seiner Organisation hinter verschlossenen Türen vorgetragen worden waren. Danach stehen die verschiedenen Stufen der Urananreicherung, die unterschiedlichen Isotope und die Frage, wo diese Anreicherung stattgefunden hat, im Mittelpunkt des Interesses der IAEA-Inspekteure. Daneben solle geklärt werden, wo Iran Gaszentrifugen zur Urananreicherung getestet hat.

Als nächster Schritt müsse das Laserprogramm Irans ebenso untersucht werden wie das Programm zur Herstellung von so genanntem Schwerem Wasser, erläuterte el Baradei weiter. Es müsse auch geklärt werden, ob iranische Behauptungen wonach importierte Atomtechnik bereits Spuren von angereichertem Uran aufgewiesen habe, zuträfen. Zudem müsse festgestellt werden, ob Iran waffentaugliches Uran importiert oder im Lande selbst hergestellt hat. "Dafür benötigen wir auch die volle Unterstützung aller Länder, die zum iranischen Programm beigetragen haben könnten", so el Baradei.

UNO-Sanktionen gegen Iran sind möglich

Vor allem die USA beschuldigen Teheran an Atomwaffen zu arbeiten. Iran hatte stets behauptet, es ziele nur auf die zivile nukleare Stromproduktion. Die IAEA will nach Darstellung el Baradeis bis Ende November 2003 ihre endgültige Einschätzung des Atomprogramms abgeben. Sollte Iran nicht ohne Wenn und Aber mit der IAEA zusammenarbeiten, soll der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) eingeschaltet werden, der Sanktionen verhängen könnte.

Der iranische Außenminister Kamal Charasi stellte derweil eine verstärkte Zusammenarbeit seiner Regierung mit der IAEA in Aussicht. Dies sei die "offizielle Position" Irans zur Forderung der UNO-Behörde, ein Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen, sagte er am Mittwoch in Teheran vor der Ankunft der IAEA-Kontrolleure. Es müsse verhindert werden, dass der Atomstreit im Sicherheitsrat behandelt werde. Das höchste UNO-Gremium könnte eingeschaltet werden, wenn Iran nicht die von der IAEA gesetzte Frist einhält, bis zum 31. Oktober 2003 sein Atomprogramm offen zu legen.

Iran hatte erst am Dienstag (30. September 2003) jüngste EU-Forderungen nach zusätzlichen Kontrollen seines Atomprogramms zurückgewiesen. Die EU-Außenminister hatten zuvor engere Handelsbeziehungen zu Iran von Fortschritten in dieser Frage abhängig gemacht. Die Europäische Union befürchtet insbesondere einen nuklearen Rüstungswettlauf in der Region. (kap)

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