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Politik

Konfliktherd Kolumbien

Seit 40 Jahren liefern sich in dem südamerikanischen Land linke Rebellen, rechte Paramilitärs und Regierungstruppen blutige Kämpfe. Verhandlungen sollen nun ein Ende des Bürgerkriegs einleiten.

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Der Beginn der Friedensgespräche zwischen der Regierung und ultrarechten Paramilitärs am Donnerstag (1.7.04) stand unter keinem guten Stern. Ein Kommando der so genannten Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens (AUC) hatte am Sonntag den ehemaligen Senator José Gnecco verschleppt. Erst einen Tag vor Beginn der Verhandlungen wurde die Geisel wieder freigelassen. Als Zugeständnis hat zwar die Regierung einen Haftbefehl gegen den Anführer des Entführertrupps, Rodrigo Tovar, aufgehoben, am Verhandlungstisch darf Tovar aber nicht mehr Platz nehmen.

Die Paramilitärs waren von Großgrundbesitzern aufgestellt worden, um gegen die linken Guerillagruppen, die eine sozialistisch gefärbte Agrarreform propagieren, anzugehen. Die rechte AUC ist mittlerweile auf eine Größe von rund 20.000 Kombattanten angewachsen. "Rund 85 Prozent der politisch motivierten Morde in Kolumbien und fast alle Massaker gehen auf das Konto der AUC", meint Heidrun Zinecker, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Zudem seien die ultrarechten Milizen tief in den Drogenhandel verstrickt.

Freiräume für Rebellen

Paramilitärs in Kolumbien

Ob die Kämpfer der AUC ihre Waffen niederlegen, erscheint fraglich

Präsident Alvaro Uribe hatte im Sommer 2002 sein Amt mit dem Anspruch angetreten, die linken Guerillas zu besiegen und die rechten "Paras" in die Schranken zu weisen. Sein Vorgänger hatte den linken Guerilleros inmitten des südamerikanischen Staates etwa 42.000 Quadratkilometer Land überlassen, um dort mit ihnen über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Das Vorhaben scheiterte jedoch kläglich. Zunächst hatte Uribe angekündigt, er werde kein Stück Boden mehr preisgeben. Doch nun hat er im Nordwesten des Staates den rechten Milizen ein 368 Quadratkilometer großes Rückzugsgebiet zugesprochen.

Paramilitärs in Kolumbien

Rebellenführer Salvatore Mancuso (re.) trifft sich zu Friedensverhandlungen mit Uribe

Entgegen der Meinung der Menschenrechtsgruppen glaube ich nicht, dass eine enge Beziehung zwischen den 'Paras' und kolumbianischen Staatsorganen existiert", sagt Heidrun Zinecker im Gespräch mit DW-WORLD. Zwar gebe es Verbindungen, beispielsweise mit der regulären Armee, aber die AUC sei ein unabhängiger Akteur mit selbst formulierten Forderungen und eigenen Führungspersonen.

Möglicher Wiederaufbau der Milizen

Alvaro Uribe

Muss in den sauren Apfel beißen: Uribe macht Zugeständnisse

Offiziell bezeichnet die Regierung in Bogotá die Paramilizionäre als terroristische Vereinigung, genauso wie die linken Rebellengruppen. "Uribe muss sich die Frage gefallen lassen, warum er ausgerechnet mit der AUC verhandelt, mit den Guerilleros allerdings nicht", sagt die Lateinamerika-Expertin. Dies sei aber eines der Dilemmas des Konflikts. Entweder könne mit Verhandlungsversuchen immerhin einer der Kriegsakteure ausgeschaltet werden, oder Gespräche mit Terroristen würden generell abgelehnt.

"Ich bezweifle nicht, dass die AUC sich am Ende der Gespräche vielleicht entwaffnen lässt", meint Heidrun Zinecker. "Aber Uribe verhandelt hier nicht mit seinen größten Feinden." Solange die linksgerichteten Guerillagruppen bestehen bleiben, hätten die rechten Milizen einen Grund, sich wieder neu aufzubauen. "Es ist durchaus möglich, dass eine andere Organisation mit den gleichen Zielen die Stelle der AUC einnimmt", ergänzt die Politikwissenschaftlerin. Der politische Einfluss der Paramilitärs würde auch nach einer Lösung am Verhandlungstisch nicht zurückgehen.

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