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Amerika

Kolumbiens Jeanne d'Arc

Seit über zwei Jahren ist Ingrid Betancourt in den Händen der marxistischen Guerilla. Präsident Uribes Verhandlungen mit rechten Milizen werfen nun Fragen um den Umgang mit Rebellen wieder auf.

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Engagement gegen die Zustände ihres Landes: Ingrid Betancourt

Das Militär im Hintergrund

Präsident Uribe, geschützt vom Militär

Am 23. Februar 2002 wurde die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt von der marxistischen Gruppierung FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) entführt. Heute ist es still geworden um Betancourt. Ihr Name taucht immer dann auf, wenn es um die zentrale Frage der kolumbianischen Innenpolitik geht: wie mit den Rebellen umgehen? Ob mit Verhandlungen oder mit der harten Hand. Kolumbiens Staatspräsident Uribe willigte nun in Gespräche mit ultrarechten Paramilitärs ein.

Einige mächtige Figuren der politischen Elite Kolumbiens sowie zum Beispiel die internationale Organisation International Crisis Group (ICG) setzen sich ebenfalls für Verhandlungen mit FARC ein, um Betancourt zu befreien. Die Präsidentschaftskandidatin war ohne Begleitschutz zu einer Kundgebung in San Vicente del Caguán aufgebrochen. In derselben Sicherheitszone der Rebellen war kurz zuvor ein Linienflugzeug mit einem Senator an Bord in die Gewalt der Guerilla geraten.

Betancourt spielte mit hohem Einsatz

Nicht nur für Spitzenpolitiker ist Kolumbien gefährlich. Weltweit steht das Land an der Spitze der Kriminalitätsstatistik. Die Guerilla hält mehrere tausend Gefangene fest. Sich als Präsidentschaftskandidatin ohne Begleitschutz in diese Kampfzone zu begeben, war zweifellos ein Risiko. Die einen bezeichneten es als leichtsinnig, die anderen als heldenhaft. Auf jeden Fall zeigte es, dass bis zum tragischen Höhepunkt ihrer politischen Karriere mit hohem Einsatz für die Belange ihres Landes zu kämpfen bereit war. Eben diese Eigenschaft brachte ihr vor allem in europäischen Medien den Namen "Jeanne d'Arc Kolumbiens" ein. Eine tragische Analogie, die sich für Betancourt hoffentlich nicht in aller Konsequenz bewahrheiten wird.

Ingrid Betancourt Demonstration in Kolumbien

"Ingrid libre": Demonstration für ihre Befreiung

Ingrid Betancourt entspringt der politischen Elite Kolumbiens und gehörte damit zu den wenigen, die die Missstände im Land nur selten zu spüren bekommen. Sie war sich dessen bewusst. In politischen Ämtern befinden sich meist diejenigen, die schon in der Kindheit gemeinsam die selben Schulen besucht haben. Als Diplomatenkind teilweise in Frankreich aufgewachsen, studierte sie nach dem Abitur Politische Wissenschaften in Paris. Aus Sicherheitsgründen ließ sie ihre beiden Töchter in Frankreich, als sie sich nach der Trennung von ihrem ersten Mann entschied, nach Kolumbien zurückzukehren und eine politische Karriere einzuschlagen.

Eine Heldin in Europa

Ihre Verwurzelung in Frankreich äußert sich auch in dem Erfolg ihrer Autobiografie mit dem deutschen Titel "Die Wut in meinem Herzen". Vor allem in Kolumbien wurde ihr vorgeworfen, dass sie sich in ihrem Buch als Heldin mit weißer Weste stilisiert. In Europa dagegen entwickelte sie sich zu einer Ikone im Freiheitskampf gegen die Zustände im fernen Kolumbien, sie wurde Ehrenbürgerin in Hunderten von europäischen Gemeinden, die Heinrich-Böll-Stiftung verlieh ihr - ebenfalls nach ihrer Entführung - den Petra-Kelly-Preis.

Die etwas in Vergessenheit geratene Betancourt wirft anlässlich der im Juli 2004 angesetzten Verhandlungen des Präsidenten Uribe mit den (in diesem Fall) rechten Milizen die alten Fragen auf: ob Verhandlungen mit den Guerillagruppen, oder ob die harte Linie, für die Uribe bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren stand, die Probleme des Landes langfristig lösen können. Verschiedene Gruppen, die ihre Solidarität mit Betancourt ausgesprochen haben - vor allem in Europa -plädieren seit einiger Zeit für den Austausch von gefangenen Guerillakämpfern gegen Geiseln. Diese Position erntet bisweilen harsche Kritik. Der britische "Economist" zum Beispiel sieht in dieser Überzeugung vor allem die mangelnde Sachkenntnis in Europa bezüglich der Konflikte Kolumbiens.

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  • Datum 02.07.2004
  • Autorin/Autor Wenzel Bilger
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5G76
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