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Wissen & Umwelt

Konferenz in Paris: Weltweite Sorge wegen Zika

Das Zika-Virus breitet sich schnell aus, es schürt Ängste und hat viele Fragen aufgeworfen. Antworten aber gibt es nur wenige. Das wird gerade auch in Paris deutlich, wo eine internationale Zika-Konferenz stattfindet.

Brasilien - Forschung Zika Virus - Elektronenmikroskop

Zika-Virus unter dem Elektronenrastermikroskop

Laut WHO hat es seit 2015 in 42 Ländern erste Ausbrüche von Zika-Infektionen gegeben. In diesen Ländern war das Virus vorher nicht nachgewiesen worden. Mit einer solchen Entwicklung hatte niemand gerechnet. Zur Zika-Konferenz im renommierten Pariser Institut Pasteur reisen Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. Unter den Organisatoren sind auch die WHO, die europäische Kommission und die Bill and Melinda Gates Foundation.

Verwechslung nicht ausgeschlossen

Die Hauptthemen der Konferenz: Erkrankungen, die mit dem Zika-Virus in Verbindung gebracht werden und die Frage nach der Schädigung von Ungeborenen. Es geht um Impfung und um eine möglichst flächendeckende Kontrolle über die Stechmücken. Aber es geht auch um Diagnostik. Das ist das Fachgebiet des Bonner Virologen Jan Felix Drexler. Er ist einer der Referenten.

Die Diagnostik sei beim Zika-Virus kompliziert, sagt Drexler. Denn oft könne man verschiedene Infektionen, die durch andere Viren ausgelöst werden, klinisch nur sehr schwer auseinander halten. Dazu gehören beispielsweise Dengue-Viren und Chikungunya-Viren. Diese Viren werden durch dieselben Stechmücken übertragen, die auch das Zika-Virus übertragen.

"Diese Viren verursachen alle ähnliche, klinische Bilder. Da ist es schwierig zu sagen: 'Der Patient hat mehr Ausschlag und weniger Fieber. Das sieht eher nach Zika aus'", so Drexler. "Wir sehen zwar langsam, dass sich die klinischen Symptome der betreffenden Viren voneinander unterscheiden. Aber es ist nicht möglich, als Blickdiagnostik sicher zu sagen: Das ist eine Zika-Infektion." Dafür brauche man einen virologischen Labortest.

Costa Rica Stechmücke Aedes Aegypti Zika Virus (Foto: Reuters/P. Whitaker)

Die Diagnostik beim Zika-Virus ist schwierig

Nachgewiesen wird eine Infektion über virales Erbgut im Blut, im Urin, im Speichel und im männlichen Ejakulat, oder über spezifische Antikörper im Blut des Patienten.

"Die Diagnostik durch Labore und die Versorgung der Labore mit den dafür nötigen Reagenzien läuft hier in Deutschland sehr schnell und sehr gut, meist innerhalb von Tagen. Aber in Brasilien dauert es eher Wochen oder sogar Monate", erklärt Drexler.

Natürliche Immunität

Eine Impfung gibt es nicht und in den aktuell betroffenen Ländern haben die Menschen keinen natürlichen Immunschutz aufgebaut. "Im afrikanischen und südostasiatischen Raum war das Zika-Virus vermutlich schon immer weit verbreitet", sagt Virologin Susanne Modrow. "Kinder haben sich infiziert und wurden so immun. Wenn die Mädchen dann mit zwanzig oder 25 schwanger wurden, waren sie vor einer erneuten Ansteckung mit dem Virus geschützt."

Für gesunde Menschen bedeutet eine Infektion mit dem Zika-Virus keine Gefahr. Und auch Schwangere entwickeln bei einer akuten Infektion nur ganz selten schwere Symptome. "Es kann schon mal zu Hautausschlag oder Gliederschmerzen kommen. Sie haben eine veränderte Immunreaktion, ein großer Teil der Immunantwort ist üblicherweise während der Schwangerschaft leicht unterdrückt", erklärt Modrow.

Es ist der Fötus im Mutterleib, der gefährdet ist. Dabei ist der Zeitpunkt der Infektion entscheidend. Die Schwangere muss sich in den ersten drei Monaten mit dem Virus anstecken. Nur dann kann es zu den gefürchteten Missbildungen kommen. Wird eine Frau vor ihrer Schwangerschaft infiziert, besteht keine Gefahr.

Brasilien Recife Baby mit Mikrozephalie (Foto: picture-alliance/dpa/A. Lacerda)

Kind mit Mikrozephalie in Brasilien

Angriff auf das Gehirn

Das erste Schwangerschaftsdrittel ist die Phase, in der die Gehirn- und Organentwicklung besonders ausgeprägt sind. "Bei einer Infektion der Mutter mit dem Zika-Virus kann es beim Fötus dann zur Mikrozephalie kommen, also zu einem verkleinerten Kopf, der auch mit einem verkleinerten Gehirn verbunden ist", sagt Modrow.

Die Virologin geht davon aus, dass es weitere Schädigungen geben könnte, Hörstörungen etwa oder Defekte in der Sehfähigkeit, versteifte Gelenke oder Fehlbildungen im Skelett. "Aber das wird man erst abschätzen können, wenn diese Kinder auf der Welt sind und sich entwickeln."

Aber nicht nur das Zika-Virus kann zu Mikrozephalie führen. Drexler nennt in diesem Zusammenhang das Zytomegalie-Virus CMV. "Dieses Virus spielt gerade hier bei uns eine großen Rolle. Nur bei etwa 40 bis 50 Prozent aller Frauen in Deutschland können wir Antikörper nachweisen. Missbildungen durch eine Erstinfektion mit diesem Virus sind erheblich. Wahrscheinlich kommt es dabei häufiger zu einer Schädigung als bei Zika-Virus-Infektionen." Ähnliches gilt für Rubellaviren, die Röteln auslösen können.

Was ist noch normal?

Eines der Hauptanzeichen für eine Mikrozephalie ist ein extrem kleiner Kopf des Neugeborenen. Genau definierte Maße gibt es nicht. Wann ist der Kopf eines Babys also zu klein? Man müsse da sehr aufpassen, so Drexler.

"Das muss man vor dem Hintergrund der Population sehen", sagt der Virologe. "Ein Kind kann einen kleinen Kopf haben, und das kann bei einer asiatischen Familie im Vergleich zu einer europäisch-stämmigen Familie durchaus normal sein. Gerade Brasilien ist genetisch gesehen ein sehr vielfältiges Land, mit vielen unterschiedlichen Einflüssen und Menschengruppen. Man kann also nicht einfach sagen: der Kopf ist zu klein, ohne den genetischen Hintergrund zu berücksichtigen."

Infografik Die Ausbreitung des Zika-Virus Deutsch

Die Stechmücke Aedes aegypti überträgt das Zika-Virus

Könnte sich das Virus auch in Deutschland ausbreiten? Auch das ist Thema in Paris. Drexler hat da eine klare Meinung: "Ich glaube, dass wir in Deutschland ein Risiko haben, was absolut vernachlässigt werden kann und dass sich das Zika-Virus hier nicht halten kann." Aus der Perspektive des Virus gebe es hier einfach nicht die richtigen Mücken, ist der Virologe überzeugt.

Denn Tigermücke ist nicht gleich Tigermücke. Es gibt die Aedes albopictus, die asiatische, die während der Sommermonate vereinzelt in in Bayern und Baden-Württemberg vorkommt. Sie könnte das Virus eventuell von Menschen, die beispielsweise in Brasilien infiziert wurden, aufnehmen und möglicherweise auch übertragen. Aber vermutlich ist ihre Dichte viel zu gering, um das Zika-Virus in Deutschland zu halten, und das Virus bleibt meist nur wenige Tage im menschlichen Blut.

Die andere Spezies ist die Aedes aegypti, die im Zusammenhang mit der derzeitigen Häufung von Zika-Infektionen in Lateinamerika steht. Diese Mückenart aber gibt es in Deutschland nicht. Die Europäer, bei denen das Zika-Virus nachgewiesen werden konnte, sind Reiserückkehrer, die sich bei einem Auslandsaufenthalt infiziert haben. Die Warnung an Schwangere, nicht in die vom Zika-Virus betroffenen Länder zu reisen, gilt nach wie vor.

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