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Politik

Komorowski knapp vorn

Bei der Präsidentschaftswahl in Polen liegt der bisherige Parlamentschef Komorowski knapp vor dem Konservativen Kaczynski. Beide verfehlten die absolute Mehrheit. Die Entscheidung fällt in einer Stichwahl.

Porträt Bronislaw Komorowski (Foto: ap)

Laut Umfragen in Führung: Parlamentspräsdient Bronislaw Komorowski

Nach Auszählung von 71 Prozent der Stimmen kam der bisherige Parlamentschef Bronislaw Komorowski auf 40,1 Prozent, sein national-konservativer Herausforderer Jaroslaw Kaczynski auf 37,4 Prozent, teilte die Staatliche Wahlkommission in der Nacht zum Montag (21.06.2010) in Warschau mit. Dritter wurde der Mitte-links-Kandidat Grzegorz Napieralski mit knapp 14 Prozent der Stimmen. Das offizielle Endergebnis soll am Montagnachmittag bekanntgegeben werden.

Komorowskis Vorteil

Da beide Kandidaten keine absolute Mehreit erreicht haben, wird es am 4. Juli eine Stichwahl geben. Dabei dürften die Wähler des drittplatzierten Napieralski zum Zünglein an der Waage werden. Seine Wähler dürften meist zu dem liberalen Komorowski wandern, mit dem sie in Fragen wie Gleichberechtigung von Frauen und Rechte für Homosexuelle mehr Gemeinsamkeiten haben als mit dem konservativen Kaczynski.

Komorowski erklärte am Abend vor Anhängern in Warschau, er sei "glücklich und erfüllt", dass er das Vertrauen und die Unterstützung von Millionen Polen habe. Dann stellte er einen Bezug zwischen seiner politischen Situation und der Fußball-WM in Südafrika her. "Im Leben wie im Fußball ist die Verlängerung am schwierigsten. Das dürfen wir nicht vergessen. Lasst uns all unsere Kräfte für das große Finale am 4. Juli mobilisieren", sagte er.

(Foto: ap)

Jaroslaw Kaczynski, Zwillingsbruder des tödlich verunglückten Präsidenten, bei der Stimmabgabe mit seiner Groß-Nichte

Komorowski will in fünf Jahren den Euro einführen und die Reform von Wirtschaft und Arbeitsmarkt vorantreiben. Den Afghanistan-Einsatz der polnischen Streitkräfte will er beenden. Kaczynski, der am Freitag 61 Jahre alt wurde, wirbt dagegen für einen starken Staat und katholische Werte, einer Reform der Sozialsysteme steht er kritisch gegenüber. Einen festen Zeitplan für die Euro-Einführung lehnt er ab.

Kaczynski dankt seinen Gegnern

Überschattet wurde der Wahlkampf von dem Flugzeugunglück im russischen Smolensk, bei dem neben Präsident Lech Kaczynski auch dessen Frau und 94 weitere Repräsentanten des polnischen Staates ums Leben kamen. Diese Wahl sei "keine normale Wahl gewesen, sondern das Ergebnis einer riesigen Katastrophe, eines riesigen Unglücks, einer riesigen Tragödie", sagte Jaroslaw Kaczynski. Er dankte am Wahlabend seinen Anhängern und auch seinen Gegnern, die im Wahlkampf auf scharfe Töne verzichtet hatten.

Zur Wahl aufgerufen waren gut 30 Millionen Stimmberechtigte. Der Präsident wird für fünf Jahre gewählt. Viele seiner Pflichten sind vorrangig symbolisch. Er hat allerdings das Recht, sein Veto gegen Gesetze einzulegen und kann als Oberbefehlshaber der Streitkräfte ein gewichtiges Wort bei Auslandseinsätzen mitreden.

Autorin: Oliver Samson (apn, afp, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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