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Europa

Polen verabschiedet sich von Kaczynski

Eine Woche nach dem Unfalltod von Präsident Lech Kaczynski nehmen die Polen Abschied von ihrem Staatsoberhaupt. Zu einer Gedenkfeier in Warschau werden mehrere hunderttausend Menschen erwartet.

Trauerende (Foto: AP)

Trauer um den Präsidenten und die Angehörigen

Bei dem Staatsakt auf dem Pilsudski-Platz im Zentrum der polnischen Hauptstadt Warschau soll nicht nur Lech Kaczynski und seiner Frau gedacht werden, sondern auch der anderen 94 Menschen, die vor einer Woche beim Absturz der Präsidentenmaschine in der Nähe der russischen Stadt Smolensk ums Leben gekommen waren. Ein großes Transparent mit den Bildern der tödlich verunglückten Politiker, Geistlichen, Militärs und Staatsbeamten wurde bereits auf dem Platz aufgestellt. Am Morgen begannen die Trauerfeierlichkeiten mit einer Schweigeminute.

Vorbereitungen für die Trauermesse auf dem Pilsudski-Platz (Foto: AP)

Vorbereitungen auf dem Pilsudski-Platz: Hier wird an diesem Samstag die Trauermesse stattfinden

Am Nachmittag werden die Särge des Staatsoberhauptes und seiner Gattin in die Johannes-Kathedrale in der Warschauer Altstadt gebracht, wo am Abend eine Trauermesse für das Präsidentenpaar geplant ist.

Unvorhergesehene Schwierigkeiten

Am Sonntag sollen Kaczynski und seine Frau in der Gruft der Wawel-Kathedrale in Krakau beigesetzt werden - in Anwesenheit vieler Staatsgäste aus dem Ausland. Doch ob diese tatsächlich in großer Zahl nach Krakau kommen werden, ist ungewiss. Wegen der Aschewolke aus dem isländischen Gletscher-Vulkan, die derzeit über Europa hinwegzieht, musste am Freitag auch der Luftraum über Polen geschlossen werden. Auch der Flughafen Balice bei Krakau machte dicht. Genau dort wollten am Sonntagvormittag jedoch Staats- und Regierungschefs aus aller Welt landen - unter ihnen US-Präsident Barack Obama, der russische Staatschef Dmitri Medwedew, Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel.

Jacek Sasin, der Sprecher der polnischen Präsidialkanzlei, setzte allen Spekulationen über eine Verschiebung der Feierlichkeiten mit Nachdruck ein Ende. Der Termin solle "unter keinen Umständen" geändert werden, sagte Sasin. Dies sei der ausdrückliche Wille der Familie Kaczynskis. Eine Änderung des Programms würde die Ehre der Toten verletzen. Auch Regierungssprecher Pawel Gras versuchte, die Gemüter zu beruhigen: Es gebe bisher keine offiziellen Absagen. Endgültige Entscheidungen würden die ausländischen Gäste wohl am Samstag treffen.

In Trauer vereint

Für Köhler, Merkel und Außenminister Guido Westerwelle soll die Reise nach Krakau auch ein Zeichen sein: zwei große europäische Nachbarn, belastet durch die Geschichte, aber in Trauer vereint. Das letzte Mal, dass Deutschland ähnlich prominent bei einem Begräbnis vertreten war, liegt genau fünf Jahre zurück. Auch damals wurde um einen Polen getrauert: Im April 2005 war Köhler mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer beim Begräbnis von Papst Johannes Paul II. in Rom.

Wawel-Burg bei Nacht (Foto: AP)

Trauerbekundungen auf dem Wawel: Hier soll Kaczynski am Sonntag in einer Gruft bestattet werden

Der anfängliche Widerstand vieler Polen gegen das Begräbnis Kaczynskis auf dem Krakauer Wawel ist inzwischen abgeebbt - nach eindringlichen Appellen der Kirche. Kritiker hatten argumentiert, dass eine Beisetzung an diesem Ort bisher Königen und Nationalhelden vorbehalten war. Der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz hatte allerdings das Begräbnis in der Wawel-Kathedrale gebilligt. Zur Begründung sagte er, Lech Kaczynski sei "auf heldenhafte Weise ums Leben gekommen, denn er war auf dem Weg nach Katyn, um dort im Namen der ganzen Nation den Märtyrern seine Ehrerbietung zu erweisen". In Katyn, einem westrussischen Ort in der Nähe von Smolensk, hatte der sowjetische Geheimdienst vor 70 Jahren Tausende gefangene polnische Offiziere und Intellektuelle ermordet.


Autor: Christian Walz (dpa, afp)
Redaktion: Marko Langer

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