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Politik

Kommissarische Regierungschefs ernannt

Die Großfahndung nach den Attentätern des serbischen Ministerpräsidenten Djindjic geht weiter. Unterdessen wurden vier Interimsregierungschefs ernannt, die sich wöchentlich abwechseln.

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Flagge vor dem Parlament auf Halbmast

Auf der Jagd nach den Tätern nahm die Polizei mehrere Dutzend Verdächtige fest. Der Polizeichef von Belgrad, Milan Obradovic, erklärte, an der Tat am Mittwoch (12.3.2003) seien drei Männer direkt beteiligt gewesen. Sie hätten mit einem Präzisionsgewehr auf den Politiker geschossen und seien geflohen. Die Behörden haben Steckbriefe für mehr als 20 Angehörige des so genannten "Zemun-Klans" ausgeschrieben, denen der Anschlag zur Last gelegt wird. Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt Milorad Lukovic, alias "Legija", der bis Ende 2001 Befehlshaber der Sondereinheit des serbischen Geheimdienstes war.

Während der Unruhen, die im Oktober 2000 zum Sturz des damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic führten, verweigerte Lukovic den Schießbefehl auf die Demonstranten. Später protestierte er gegen Milosevics Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal.

Turnusmäßiger Wechsel

Die Regierungsgeschäfte Serbiens werden nach Angaben des Kabinetts vorübergehend von den vier Stellvertretern Djindjics geführt. Nebojsa Covic, Zarko Korac, Miodrag
Isakov und Dusan Mihajlovic sollen bis zum 25. Mai im wöchentlichen Turnus den Posten des Interimspremiers innehaben. Den Anfang macht der serbische Vizeministerpräsident Nebojsa Covic, der am Donnerstag (13.3.2003) offiziell zum neuen Chef der Interimsregierung ernannt wurde.

Derweil sicherte die EU Serbien politische und wirtschaftliche Unterstützung zu. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und EU-Außenkommissar Chris Patten bekundeten am Donnerstag in Belgrad ihre Solidarität mit dem Land. Die EU wolle Serbien helfen, den Traum von Djindjic, die Annäherung an die EU, zu verwirklichen, sagte Solana vor der Presse. Er bezeichnete das organisierte Verbrechen und die Mafia als die größte Gefahr für Europa.

Beisetzung am Samstag

Außenminister Goran Svilanovic wertete ihren Besuch als wichtiges Zeichen nach dem Attentat. Er versicherte, das Land werde seine Reform- und Demokratisierungspolitik in Richtung Europa fortsetzen.

Währenddessen strömten tausende trauernde Menschen in das Regierungsgebäude in Belgrad, um sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Vor dem Regierungssitz, wo Djindjic von den Heckenschützen niedergestreckt worden war, legten sie ein Meer von Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Der ermordete Reformpolitiker soll am Samstag in Belgrad beigesetzt werden.

Öffentliches Leben ruht teilweise

Nach dem Attentat wurde in Serbien eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Alle Sportveranstaltungen sind abgesagt, Theater und Kinos bleiben bis Sonntag geschlossen. Die Rundfunksender änderten ihre Programme und sendeten fast nur Nachrichten und ernste Musik. (mik)

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