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Kommentare

Kommentar: Weltweite Krise - und keiner kommt

Die UN haben zum ersten "Nothilfe-Gipfel" gerufen. Über 60 Millionen Flüchtlinge und 125 Millionen Hilfsbedürftige können kaum noch versorgt werden. Die großen Industrieländer hätten hingehen müssen, meint Barbara Wesel.

UN Generalsekretär Ban Ki Moon fehlt als Generalsekretär der Vereinten Nationen das Charisma. Er konnte so manchen westlichen Regierungschef nicht dazu bewegen, zum ersten weltweiten "Nothilfegipfel" zu erscheinen. Soll man schon wieder über Hungernde im Süden Afrikas reden, weil es dort eine neue Dürreperiode gibt? Was ließe sich noch sagen über die Not der Flüchtlinge, wenn die eigenen Bürger es doch ablehnen, sie in Europa aufzunehmen? Und wie oft haben wir von Millionen Kindern ohne Zugang zu Schulbildung gehört oder von sexueller Gewalt gegen Frauen, die inzwischen als Kriegswaffe eingesetzt wird?

Der Gipfel des Leidens

"Wir sehen derzeit mehr Leid als jemals seit Gründung der Vereinten Nationen", bemüht sich der UN-Generalsekretär noch die Gewissen aufzurütteln. Aber der französische Präsident Francois Hollande, der Brite David Cameron und die anderen Chefs der großen Industrieländer scheinen es satt zu haben, über das weltweite Leiden auch nur zu reden. Sie kommen gar nicht erst. Rühmliche Ausnahme ist allein Angela Merkel - oder wollte sie bloß die Gelegenheit nutzen, um erneut mit Gastgeber Recep Tayyip Erdogan über das EU-Türkei Abkommen zu reden?

DW-Korrespondentin Barbara Wesel (Foto: DW)

DW-Korrespondentin Barbara Wesel

Die Bundeskanzlerin sagte, man sehe immer öfter die Bombardierung von Schulen und Krankenhäusern, und das sei "eine schreckliche Erfahrung". 'Dann tu etwas dagegen!', möchte man ihr zurufen. Hilfsorganisationen beklagen, Angriffe gegen Kinder und Kranke würden die "neue Normalität". Aber Wiederholung stumpft offenbar ab, das scheint nicht nur Fernsehzuschauern so zu gehen, sondern auch Regierungschefs. Aber es ist ihre verdammte Pflicht, Völkerrecht und Menschenrechte zu verteidigen - wer wegschaut macht sich mitschuldig.

Das gilt auch für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der den Krieg in Syrien für das Assad-Regime weiterführt und damit das Leiden dort skrupellos verlängert. Und es gilt für China, das hilft, UN-Resolutionen zu verhindern, mit denen Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen werden sollen. Und es gilt für gewissenlose Diktatoren in Afrika, die ihrer Machtgier alles unterordnen - die Liste ist verlängerbar.

Vor der eigenen Tür kehren

Aber klagen wir nicht über das die Anderen, sondern schauen wir auf uns selbst, auf den Westen. Zu lange tun die USA schon, als hätten sie mit dem Leid der Welt nichts zu tun. Flüchtlinge aufzunehmen könnte ja ein Sicherheitsrisiko sein. Und die Wahrer der Menschenrechte in Europa gingen schnell in die Knie, als die sogenannte Flüchtlingskrise zu ihnen nach Hause kam.

Am Ende sind sie alle noch zu feige, dem eigenen Versagen ins Gesicht zu sehen. Sie drücken sich vor einem Gipfel, wo vor allem die Hilfsorganisationen von ihnen keine leere Rhetorik, sondern Taten fordern. Wir wissen, dass der Apparat der Helfer schwerfällig ist und effektiver sein könnte. Aber alles ist besser, als das millionenfache Leiden einfach zu leugnen.

Auf einem Forum über den Schutz der Zivilbevölkerung beim Gipfel in Istanbul sprach auch eine Yezidin, die ihre Gefangenschaft durch IS Milizen schilderte. Wer sie gehört hat, weiß worum es geht. Wer sie ignoriert, ist kein Mensch.

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