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Kommentare

Kommentar: Perfide PR der pakistanischen Islamisten

Ziel der Anschläge in Lahore waren Christen, getroffen wurden aber vor allem Muslime. So werden auch hier wieder Menschen aus einem Land flüchten, wo sogar ein Spielplatz lebensgefährlich ist, meint Florian Weigand.

Folgt man der zynischen Sichtweise der Attentäter, dann war der Anschlag in Lahore eine Blamage. Am symbolträchtigen Ostersonntag wollten sie die christliche Gemeinschaft treffen, als sie einen Vergnügungspark in der Millionen-Metropole Lahore angriffen. Die vorläufige Bilanz am Tag danach: Über 70 Tote, darunter mindestens 26 Kinder und - aus Sicht der Attentäter - zu wenige Christen. Das berichtet unser DW- Korrespondent vor Ort.

Dass die Angreifer in Lahore behaupten, Christen treffen zu wollen, war wohl ein perfider PR-Schachzug. Die Splittergruppe der Taliban konnte mit Recht darauf hoffen, weltweit - und vor allem im christlich geprägten Westen - größtmögliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Es zeigt sich aber wieder einmal: Egal, welche Ziele die Islamisten verfolgen, noch immer sind die Masse der Opfer Muslime. Sei es in Syrien, im Irak, in Afrika, Indonesien oder im Dauerhotspot Afghanistan-Pakistan.

Weigand, Florian (Foto: DW)

Florian Weigand leitet die DW-Redaktionen Paschtu, Dari und Urdu

Man kann Pakistan nun wirklich nicht nachsagen, eine besonders säkulare Gesetzgebung zu haben. Blasphemie ist noch immer ein Verbrechen, auf das die Todesstrafe steht. Viele Pakistaner sind gläubige Muslime, die es zudem in Ordnung finden, dass sich auch das öffentliche Leben nach den Grundsätzen des Koran ausrichtet. Es gehört aber genauso zur Realität, dass christliche sogenannte Convent-Schools, beliebte Ausbildungsstätten für die Kinder der muslimischen Elite sind. Das Niveau der Schulen ist unbestritten hoch. Auch das gehört zu einem Land, dessen gesellschaftliche Komplexität nicht in knappen Sätzen zu beschreiben ist

Die Geister, die man rief

Wer nach den Anschlägen in die sozialen Medien blickt, sieht dort vor allem Bestürzung. Eine junge Muslima aus Islamabad schreibt beispielsweise, alle Menschen seien ihre Brüder, eine andere zitiert den Propheten Mohammed, der diese Greueltaten als unislamisch verurteilen würde. Gleichzeitg gedeiht im Land aber auch eine unheilvolle Strömung eines radikalen Islamismus - lange geschürt von der Regierung und den Geheimdiensten - als willfähriges Instrument gegen den Nachbarn Afghanistan. Anfänglich unterstützten das sogar die USA - in den 80er Jahren, als Afghanistan kommunistisch und jedes Mittel gegen die ehemalige Sowjetunion recht war. Nun werden sie diese Geister nicht mehr los. In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere Militäroffensiven, aber die Anschläge nahmen eher zu.

Es ist wohl zu erwarten, dass auch in Pakistan immer mehr Menschen ihr Glück im Ausland suchen werden. Glücklich, wer mit einem der zahlreichen Stipendien oder einem guten Jobangebot aus den Emiraten oder in Europa rechnen darf. Die privilegierte Elite macht jetzt schon regen Gebrauch davon. Die weniger Privilegierten werden sich überlegen, ob nicht sogar ein Lager wie in Idomeni nicht doch eine bessere Alternative zu einem Land ist, wo bereits ein Familienausflug in einen Vergnügungpark lebensgefährlich ist.

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