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Spitzensportreform

Kommentar: "Ja" zum Geld

Die DOSB-Mitglieder stimmen mit großer Mehrheit für das Reformpaket zum deutschen Spitzensport. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie damit einverstanden sind, meint DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger.

13. Mitgliederversammlung DOSB (picture alliance / Peter Gercke/)

DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Alfons Hörmann mag Prozentzahlen offensichtlich gern. "98,6 sind genau die Steilvorlage und der Rückenwind, den wir für den Start der neuen Reform benötigen", erklärte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes nach der Abstimmung über die hoch umstrittenen Pläne, wie der deutsche Leistungssport zukünftig aufgestellt werden soll. Die Mitglieder hatten über diese Reform zu befinden - bei einem "Nein" wäre es so weiter gegangen wie bisher.

Doch genau das wollten die Verbände nicht, das haben sie übereinstimmend immer wieder betont. Es musste eine Änderung her, ein neues Konzept, neue Förderoptionen und frische Strukturen. Es darf allerdings stark bezweifelt werden, dass alle Mitglieder, die mit "ja" gestimmt haben, zu 100 Prozent mit dieser Reform und ihren Regeln einverstanden sind. So stößt vor allem das computergestützte Analyseverfahren PotAS auf Kritik, denn Erfolg lässt sich nicht mit mathematischen Formeln vorhersagen. Zudem muss die Frage erlaubt sein, wie realistisch und angemessen es ist, in Zeiten immer neuer Dopingskandale auf das Prinzip zu setzen: mehr Geld für mehr (selbstverständlich sauber gewonnene) Medaillen. 

De Maizière verspricht mehr Geld

Konkret bedeutet diese Reform aber auch Zentralisierung, also de facto Reduzierung von Olympia- und Bundesstützpunkten und vor allem tiefe Einschnitte für alle Sportarten, die perspektivisch gesehen keine großen Medaillenchancen aufweisen. Die anderen dürfen sich über mehr Geld freuen. Und darum geht es natürlich mal wieder - um die finanzielle Förderung. Das für den deutschen Sport zuständige Bundesinnenministerium hatte zuletzt den Sportetat für 2017 um gut fünf Millionen auf 167 Millionen Euro erhöht, der DOSB hatte schon für das kommende Jahr mit einer deutlich höheren Summe gerechnet. Diese stellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière ab 2018 bereits in Aussicht. Bedingung: Das Reformpaket muss gebilligt werden. Das wussten natürlich auch die Mitglieder, die auch deswegen zähneknirschend zustimmten.

Gerstenberger Olivia Kommentarbild App

DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger

Man darf nicht vergessen: Das Konzept wurde von DOSB und BMI entwickelt - die deutsche Politik will größeren Einfluss auf den deutschen Leistungssport nehmen. Das bedeutet zum einen eine Machtbeschneidung des DOSB, zum anderen aber auch: Mehr Geld. Das wollen alle. Da nimmt man auch in Kauf, dass der gesamte Reformprozess wenig transparent ablief, die Athleten kaum bis gar nicht eingebunden wurden und Präsident Alfons Hörmann alles dafür tat, die Zustimmung für das Paket zu bekommen - auch auf höchst fragwürdige Art und Weise.

So bemühte Hörmann kürzlich erneut eine Prozentzahl, um für die Reform zu werben: 95 Prozent der 500 vom DOSB befragen Athleten wären für die Reform, ließ er bei der Bundespressekonferenz wissen. Später musste er einräumen: Eine Umfrage gab es nicht, er habe die Werte aus einer Marketingkampagne abgeleitet. Hörmann bekam auffallend wenig Applaus bei seiner Rede - aber den Mut, ihn öffentlich zu kritisieren, hatte auch niemand. Es knirscht und rumort beim DOSB. Darüber täuschen auch die 98,6 Prozent nicht hinweg. 

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