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Sport

Kommentar: Fast alles war anders

Die WM in Brasilien war hochklassig. Allerdings musste man sich von vielen Vorstellungen verabschieden, von denen man vorher fest ausgegangen war, meint DW-Sportreporter Andreas Sten-Ziemons.

Was ist vor der WM in Brasilien nicht alles geschrieben und vermutet worden: Die Hitze und die klimatischen Verhältnisse würden es einer europäischen Mannschaft unmöglich machen, den Titel zu holen. Gastgeber Brasilien sei der Top-Favorit auf den Titel und nur schwer zu schlagen. Und: Es käme vor allem auf Superstars wie Messi, Neymar und Cristiano Ronaldo an, wenn die Spiele in die entscheidende Phase gingen.

Einige Wochen später wissen wir nun, dass sich viele dieser Thesen nicht bewahrheitet haben. Brasilien hat beim Heim-Turnier enttäuscht und sich in keinem seiner Spiele als Top-Favorit oder Weltklassemannschaft präsentiert. Dem fünffachen Weltmeister fehlte ein taktisches System. Neymar war als Dreh- und Angelpunkt der Selecao zwar bemüht, konnte aber auch vor seiner Verletzung die Mängel und Schwächen des brasilianischen Teams nicht verdecken. Im Halbfinale gegen die Deutschen brach das Team schließlich unter dem enormen Erwartungsdruck seiner Landsleute zusammen.

Andreas Sten-Ziemons (Foto: DW)

Andreas Sten-Ziemons

Das Klima hat keine entscheidende Rolle gespielt. Zwar klagten beispielsweise die Niederländer nach ihrem Achtelfinalsieg gegen Mexiko um 13 Uhr Ortszeit über die Hitze. Doch auch die Mexikaner hatten unter den Temperaturen von über 30 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 70 Prozent im Stadion von Fortaleza zu leiden und ihnen gingen ebenfalls am Ende die Kräfte aus. Die Niederländer drehten das Spiel innerhalb der letzten Spielminuten. Herkunft ist kein Vorteil mehr. Auch hier hat die Globalisierung, dank der auch die meisten Nationalspieler aus Lateinamerika mittlerweile in Europa spielen, einen Ausgleich geschaffen.

Kollektiv schlägt individuelle Klasse

Für die Superstars des Weltfußballs wurde das Turnier in Brasilien nicht zur erhofften Bühne: Cristiano Ronaldo verabschiedete sich sang- und klanglos bereits in der Vorrunde. Lionel Messi entschied zwar die ersten Partien für Argentinien fast im Alleingang, mit Beginn der K.o.-Runde gelang ihm aber kein Tor mehr, ab dem Halbfinale auch keine Vorlage. Der Goldene Ball, mit dem die FIFA dem kleinen Argentinier nach dem verlorenen Finale als besten Spieler des Turniers auszeichnete, wirkte wie ein Trostpreis, den er eigentlich nicht verdient hatte. Entscheidend auf sich aufmerksam machten dagegen eher Spieler, die vorher niemand so recht auf dem Zettel hatte: WM-Torschützenkönig James Rodriguez aus Kolumbien, Toni Kroos und der Franzose Paul Pogba sind drei Beispiele. Allerdings fußte ihre individuelle Klasse immer auf dem starken Kollektiv ihres Teams.

Bewahrheitet hat sich allerdings die Annahme, dass es in den entscheidenden Momenten auf die Physis ankommen wird. Deutschland mag nicht immer fehlerfrei und technisch auf dem höchsten Niveau gespielt haben. Allerdings waren die DFB-Kicker in allen sieben Spielen am Ende körperlich besser drauf als der jeweilige Gegner. Ein entscheidender Vorteil, genau wie die mannschaftliche Geschlossenheit bis hin zum letzten Ersatzspieler und der unbedingt Wille, den Titel zu holen. Damit war die deutsche Elf bei dieser WM einfach unschlagbar.

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