1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Standpunkt

Kommentar: Ein Stern verlischt, ein Stinker kommt

Mercedes ist demnächst nicht mehr Generalsponsor des Deutschen Fußball-Bundes. Die Diesel-Trickser von VW übernehmen. Das ist für die Mercedes-Mutter Daimler eine weitere schlechte Nachricht, meint Henrik Böhme.

Fußball Deutsche Nationalmannschaft | Thomas Müller, Sponsor Mercedes (picture-alliance/augenklick/GES/M. Ibo)

Thomas Müller, einer der erfolgreichsten Torschützen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Am Ende entschied das Geld. Nach langen 45 Jahren fährt der Deutsche Fußball-Bund künftig VW- und nicht mehr Mercedes. Das ist für die Stuttgarter eine herbe Niederlage, denn natürlich sonnt es sich ganz wunderbar im Glanze des Weltmeisters, auch wenn dieser Sonnenplatz ordentlich was kostet. Acht Millionen Euro jedes Jahr flossen von Stuttgart nach Frankfurt in die DFB-Zentrale. Jetzt sollen es, wie man hört, 25 bis 30 Millionen sein. Freilich hatte auch Mercedes sein Angebot deutlich erhöht, aber offenbar nicht deutlich genug.

Denn der Deutsche Fußball-Bund braucht Geld. Für teure Prestige-Produkte wie eine 140 Millionen Euro teure Fußball-Akademie. Für Kosten, die im Zuge des Skandals um die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland noch auf den Verband zukommen. Und, auch das muss gesagt werden, für den Amateur- und Nachwuchsfußball. Die Jagd nach dem runden Leder ist die Sportart Nummer Eins in Deutschland - und dann kommt lange nichts.

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Auch Daimler hat ein Diesel-Problem

Von Mercedes zu VW - da ändert sich ansonsten nicht viel. Die Logos sind beide rund, und beide Autobauer haben Diesel-Dreck am Stecken. Der eine, Volkswagen, mehr, der andere, Daimler, weniger. Wobei, das weiß man nicht mehr so genau. Denn die Schlinge der Strafverfolger, sie zieht sich in diesen Tagen besonders um den Stuttgarter Autobauer dramatisch eng zu. Dieselbetrug? Wir doch nicht! So tönte es aus dem Hause Daimler, als Dieselgate in Wolfsburg seinen Anfang nahm. Mittlerweile ist man da deutlich kleinlauter, erst recht, seit vor ein paar Wochen der Staatsanwalt zu Besuch im Hauptquartier war. Razzia bei Daimler! Nicht schick.

Nun wird der Justiz-Tsunami womöglich nicht so groß, wie der, der seit Dieselgate Volkswagen überrollte. Aber wer in Europa und den USA Autos mit unzulässig hohem Schadstoffausstoß verkauft hat, und wen auch deswegen schon die US-Justiz im Visier hat, der sollte sich auf unruhige Zeiten einrichten. Eine Nachfrage in Wolfsburg kann vielleicht nicht schaden. Analysten jedenfalls reduzieren schon mal ihr Kursziel für die Daimler-Aktie, die in diesem Jahr ohnehin schon zehn Prozent verloren hat.

Volkswagen: Sponsoring ja, Entschädigung nein?

Nun also VW. Der Deutsche Fußball-Bund schmückt sich also demnächst mit einer Firma, die für einen der größten Betrugsfälle der Wirtschaftsgeschichte steht. Elf Millionen Autos mit manipulierter Abgas-Software. 23 Milliarden Euro Rückstellungen für Strafzahlungen. Eine Lawine von Verfahren vor der Brust, die ab Frühjahr 2018 im Wochentakt an diesen Skandal erinnern werden. Immer und immer wieder. Wo man schon beim werkseigenen Fußballklub, dem VfL Wolfsburg, das Ende kommen sah, weil sich der Konzern womöglich aus dem Sport-Sponsoring zurückziehen würde. Immerhin heißt es bei den Fußball-Funktionären, auch wenn die Skandale beider - beim DFB der um die Vergabe der WM 2006 und bei VW Dieselgate - nicht vergleichbar wären, so würde beide die Notwendigkeit einen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Könnte man aber auch so interpretieren: Beide haben keine weiße Weste und passen daher gut zusammen. Das Auto. Die Mannschaft. 

Wie zu hören ist, war die Entscheidung für dieses Sponsoring in der Wolfsburger Chefetage nicht unumstritten. Die Nationalmannschaft für Millionen und Abermillionen mit dem VW-Logo zu schmücken, aber keinen Cent Entschädigung für deutsche und europäische VW-Kunden übrig haben? Wäre das nicht ein viel besserer Weg, um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen? Am Geld scheint es den Wolfsburgern jedenfalls nicht zu fehlen. An Mut schon.

Sie können unterhalb dieses Artikels einen Kommentar abgeben. Wir freuen uns auf Ihre Meinungsäußerung!