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Politik

Kommentar: Chinas Unsicherheiten kurz vor den Olympischen Spielen

Im August werden die Olympischen Spiele eröffnet, und China will sich als modernes, weltoffenes Land präsentieren. Aber selten waren die Olympischen Spiele so stark politisiert wie diese, meint Matthias von Hein.

Themenbild Kommentar

Hein Matthias von DW Expert 2007

Matthias von Hein

Der 13. Juli 2001 war ein Tag großer Freude in Peking. Zehntausende strömten auf den Platz des himmlischen Friedens, um die Vergabe der Olympischen Spiele an die chinesische Hauptstadt zu feiern. Dieser Tag im Juli vor sieben Jahren war auch ein Tag großer Versprechen und großer Erwartungen. China selbst hatte während der Bewerbung um die Olympischen Spiele nämlich das gemacht, was es jetzt immer strikt ablehnt: Politik und Sport miteinander gekoppelt.

Der Vizepräsident des Bewerbungskomitees, Liu Jingmin etwa hatte argumentiert, die Vergabe der Spiele an Peking werde die Entwicklung der Menschenrechte fördern. Und auch das Internationale Olympische Komitee stimmte ein: Der damalige Generaldirektor des IOC erkannte zwar die Menschenrechtsverletzungen in China an. Er erklärte aber zugleich, das IOC nehme die Wette an, dass es in sieben Jahren viele Veränderungen geben werde.

Entwicklung und Stillstand zugleich

Sieben Jahre später hat sich tatsächlich vieles verändert. Gegenüber 2001 hat sich beispielsweise das chinesische Bruttosozialprodukt verdoppelt. 2003 hat China erstmals einen Menschen ins All geschossen, eine neue Führungs-Generation regiert heute das Land.

Aber vieles ist gleich geblieben: Die Freiheitsrechte der Menschen werden weiterhin massiv missachtet, Andersdenkende stehen immer noch mit einem Bein im Gefängnis. Auch wenn man die Verhältnisse nicht mit dem nackten Terror der Kampagnen aus der Mao-Ära vergleichen kann. Menschenrechtsanwälte – immerhin gibt es sie – werden an ihrer Arbeit gehindert. Das Internet wird zensiert. Und nirgendwo auf der Welt sitzen so viele Journalisten in Haft wie in China.

Bei den Vorbereitungen für die Spiele konnte China seine Stärken voll ausspielen: Die von oben gesteuerte Mobilisierung gewaltiger Ressourcen; die Entwicklung und Durchführung von großen Kampagnen zur Erziehung der Bevölkerung – etwa zum Englischlernen oder auch zum Anstehen an Bushaltestellen; die Fähigkeit, ausländisches Kapital und Know-How anzuziehen. Es wurden großartige Infrastrukturprojekte geschaffen, neue U-Bahnen und ein neuer Flughafenterminal gebaut. Das neue Nationalstadion ist schon heute eine Ikone der Architektur.

Diese Stärken bei harten Faktoren stehen den Schwächen bei den weichen Faktoren jedoch gegenüber: Bei der Transparenz etwa, bei der Herrschaft des Rechts, beim Umgang mit abweichenden Meinungen. Die Reaktion auf die Proteste in Tibet im März war nicht das, was man von einer selbstbewussten, offenen und modernen Regionalmacht erwarten würde.

Peking putzt sich raus

Kein Aufwand ist der Regierung zu groß, um sich als modern zu präsentieren: 30 Milliarden Euro gingen in den Bau der olympischen Infrastruktur. Industrien rund um Peking werden wochenlang stillgelegt, um für blauen Himmel zu sorgen. Und obwohl Wasser auch in der umliegenden Provinz Hebei Mangelware ist, wird es von dort nach Peking geführt.

Doch der Glanz der neuen Stadien und die Beherrschung der modernen Technik werden aus den Olympischen Spielen kein Fest der Jugend der Welt machen. Und deswegen sollte Peking endlich die Gelassenheit lernen, die einem Land von seiner Größe und seiner Kultur ansteht. Auch und vor allem im Umgang mit Andersdenkenden.

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