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Fußball

Keine Tore zwischen Deutschland und Polen

Erst dominieren die Deutschen, dann die Polen, doch ein Treffer gelingt keinem von beiden. Es bleibt spannend bis zum Schluss, doch unter dem Strich steht ein gerechtes torloses Remis.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale verpasst. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw kam im Stade de France gegen Polen nicht über ein 0:0 hinaus. Mit nun vier Punkten aus zwei Spielen führt der Weltmeister die Gruppe C dank des besseren Torverhältnisses vor den punktgleichen Polen an. Rechnerisch sicher ist der Achtelfinal-Einzug aber nicht, da noch offen ist, ob die deutsche Mannschaft zumindest zu den vier besten Gruppendritten gehört.

Vor rund 74.000 Zuschauern in Saint-Denis bei Paris begann die Löw-Elf entschlossen und druckvoll. Schon nach vier Minuten gab es den ersten Abschluss: Julian Draxler flankte von der linken Seite, Mario Götze kam aus sieben Metern zum Kopfball und nickte knapp über den Kasten. Den Polen war der Respekt vor der deutschen Mannschaft in den ersten Minuten deutlich anzumerken. Die Elf von Trainer Adam Nawalka wartete ab.

Rückkehrer Mats Hummels war die einzige Änderung von Bundestrainer Joachim Löw in der Startformation im Vergleich zum EM-Auftaktspiel gegen die Ukraine. Der Verteidiger wirkte zu Beginn allerdings ein wenig wackelig. An der Seite seines künftigen Münchner Klubkollegen Jerome Boateng kam er zunächst nicht gut und rechtzeitig in die Zweikämpfe.

Deutschland dominiert

Der Pole Robert Lewandowski liegt enttäuscht und unzufrieden am Boden, Toni Kroos steht dahinter (Foto: picture alliance/augenklick/GES)

Für Robert Lewandowski läuft es nicht rund

Die Polen standen bei deutschem Ballbesitz sehr tief, einzig Robert Lewandowski lauerte etwa auf Höhe der Mittellinie auf Kontergelegenheiten. Gegen dieses Bollwerk versuchte es der Weltmeister über die Flügel, vor allem über links mit Julian Draxler und Jonas Hector. Der Pole Lukasz Piszczek erwies sich auf dieser Seite nicht immer als standfest.

Deutschland dominierte das Geschehen nach Belieben, dennoch sprang aus den Bemühungen lange keine Chance heraus. Ab der 20. Minute wurden die Polen offensiver und frecher: Lewandowski kam in der ersten Strafraumszene an der Sechzehnmeterraumkante zum Schuss, doch die deutsche Abwehr konnte blocken. Das DFB-Team rannte weiter an. Über weite Strecken erinnerte die Partie an ein Handballspiel, bei dem die Deutschen immer wieder um den Strafraum der Polen herum spielten und nach dem Schlüssel suchten.

Kurz vor der Pause hielt Khedira aus der zweiten Reihe per Volleyschuss drauf, doch der Ball flog meterweit am polnischen Kasten vorbei. Im Vergleich zum ersten Auftritt gegen die Ukraine stand die Defensive weitaus sicherer. Bei Ballverlust schaltete Deutschland schnell um und machte hinten die Schotten dicht. Das torlose Remis zur Pause war für die Polen durchaus schmeichelhaft.

Polen überrascht

Thomas Müller in Aktion mit dem Polen Grzegorz Krychowiak (Foto: Reuters/C. Platiau)

Harter Zweikampf, faires Spiel: Thomas Müller und Grzegorz Krychowiak

Nach dem Seitenwechsel legten die Polen überraschend los wie die Feuerwehr. Schon 60 Sekunden nach Wiederanpfiff kam Arkadiusz Milik nach einer Flanke von Kamil Grosicki aus vier Metern völlig frei zum Kopfball und verfehlte das Gehäuse nur knapp. Das hätte die Führung sein müssen. Kurz danach schlug Toni Kroos einen feinen Pass in die Spitze, Götze kam aus rund zehn Metern in halbrechter Position zum Abschluss, doch Keeper Lukasz Fabianski konnte parieren. In der 48. Minute fing Hummels eine Flanke des aufgerückten Linksverteidigers Artur Jedrzejczyk mit etwas Glück im Fallen ab - Lewandowski hatte schon in seinem Rücken gelauert.

Mit Feuer und Tempo ging es weiter. Ein Freistoß der Polen in der 59. Minute sorgte für ein Raunen bei den deutschen Fans. Lewandowski legte den Ball mit der Hacke quer, Milik zog flach ab, der Ball zischte knapp am linken Pfosten vorbei. Die Deutschen zeigten sich nicht geschockt. Kroos hielt in der 65. Minute aus der zweiten Reihe drauf, doch der ging drüber. Eine Minute später verließ Götze das Spielfeld für Andre Schürrle. Es ging weiter Schlag auf Schlag. Zunächst die erstklassige Chance für Polen, als Grosicki den Ball von der linken Seite flach rein gab, Milik am Elfmeterpunkt völlig frei stand, die Kugel aber nicht richtig traf. Auf der anderen Seite zog Mesut Özil an der Strafraumkante mit dem linken Fuß ab, doch Fabianski lenkte den Ball über die Latte.

Mesut Özil (r.) beim Torschuss (Foto: Reuters/J. Sibley)

Auch Mesut Özil (r.) gelingt der erlösende Treffer nicht

In der 72. Minute wechselte Löw erneut, der zuvor von den Fans geforderte Mario Gomez kam für Julian Draxler. Das Spiel wurde ein wenig langsamer, das hohe Tempo zuvor hatte Kraft gekostet, doch es blieb spannend. Bei der deutschen Mannschaft ging nun vieles über links. Schürrle machte auf dem Flügel Druck, wurde jedoch im Strafraum ausgebremst. Fünf Minuten vor Schluss steckte Thomas Müller für Benedikt Höwedes durch, in guter Schussposition sprang dem Rechtsverteidiger die Kugel jedoch zu weit vom Fuß, Michal Pazdan konnte dazwischen gehen. Am Ende blieb es bei dem gerechten 0:0.

Und so meinte auch der Bundetrainer im ZDF: "Insgesamt ist das Unentschieden vollkommen gerecht. In der Defensive haben wir gut gespielt, kaum Chancen zugelassen. Im Spiel nach vorn haben wir nur wenige Lösungen gefunden." Die Einstellung habe aber gestimmt, analysierte Löw. "Wir haben vorne kein Eins-gegen-Eins gewonnen. Wir können froh sein, dass wir 0:0 gespielt haben", urteilte dagegen Jerome Boateng: "Wir spielen bis zum letzten Drittel gut, dann kommen wir nicht am Gegner vorbei und sind nicht gefährlich. Das muss sich verbessern, sonst kommen wir nicht weit." Und Toni Kroos meinte: "Wir haben zwei, drei klare Torchancen zu wenig gehabt. Nach vorne hat einfach ein bisschen was gefehlt." Auch Mats Hummels zeigte sich unzufrieden: "Wir haben es nicht geschafft, das Spiel zu kontrollieren. Die Polen haben uns mit Kontern oft in Schwierigkeiten gebracht, in der zweiten Halbzeit hatten wir Glück." Im letzten Gruppenspiel trifft die DFB-Auswahl am nächsten Dienstag auf Nordirland.

Hier können Sie die Partie noch einmal mit allen Höhepunkten nachlesen.

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