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Wirtschaft

Keine Flucht ohne Helfer

Menschenschmuggel ist ein äußerst lohnendes Geschäft. Weltweit verdienen Schmugglerbanden 20 bis 30 Milliarden Dollar mit ihrer menschlichen Fracht. Oft sind ihnen die Flüchtlinge hilflos ausgeliefert.

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Experten erwarten, dass die Zahl der Flüchtlinge weltweit steigt

"Da reiche Länder Flüchtlingen eine legale Einreise kaum noch genehmigen, greifen diese vermehrt auf die Dienste von Schlepperbanden zurück. Deren Praktiken sind häufig der organisierten Kriminalität zuzuordnen", sagt Steffen Angenendt, von der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik. Viele hundert Organisationen leben vom Menschenhandel. Ihre Preise variieren. Vom erzwungenen Geschlechtsverkehr für die Passage auf einem schrottreifen Schiff bis zu 15.000 Dollar für einen Flug zu einem Flughafen in der Nähe des Ziellandes.

"Ohne Helfer gibt es keine Flucht", sagt Julia Duchrow, Expertin für Flüchtlingsfragen bei Amnesty International. "Ohne Hilfe von außen würden die Flüchtlinge ihre Heimat überhaupt nicht verlassen können. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei der Annahme dieser Hilfe skrupellosen Ausbeutern in die Hände fallen, ist hoch." Das International Rescue Committee schätzt die Anzahl der Menschen, die "geschmuggelt" werden, auf 700.000 bis vier Millionen. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Nicht nur USA und Europa

Nicht nur Europa und die Vereinigten Staaten sind Ziele von Flüchtlingen, schreibt Peter Opitz für die Bundeszentrale für politische Bildung. Schlepperbanden arbeiten weltweit und Opitz schätzt, dass sie jährlich 20 bis 30 Milliarden Dollar verdienen. Damit sei der Menschenschmuggel mittlerweile genauso lukrativ wie der internationale Drogen- oder Waffenschmuggel.

Weitere Ziele von Flüchtlingen und somit auch der Schmugglerbanden sind die Erdöl exportierender Golfstaaten. Mit ihrem Reichtum locken sie Flüchtlinge aus ärmeren arabischen Ländern und Asien an. Von 650.000 - noch zu Beginn der siebziger Jahre - stieg ihre Zahl bis Ende des letzten Jahrhunderts auf rund zehn Millionen an. Andere Ziele von Flüchtlingen seien Japan und die so genannten asiatischen Tigerstaaten. Und auch die australischen Behörden melden in den letzten Jahren einen verstärkten Zustrom illegaler Flüchtlinge.

Gründe zur Flucht

Trotz der Gefahr, Ausbeutern in die Hände zu fallen, nehmen Flüchtlinge die Risiken einer Reise mit ungewissem Ausgang auf sich. Ein wesentlicher Grund zur Flucht sind Kriege, die in vielen Entwicklungsländern toben. Ein frühes Beispiel seien die Konflikte, die aus der Entlassung der ehemaligen Kolonien in ihre Unabhängigkeit entstanden, sagt Andreas Kirchhof vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen. Aber auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist Krieg die Hauptursache für Flucht. "Nicht minder bedeutsam als Fluchtgrund sind die Probleme zahlreicher Staaten beim Aufbau tragfähiger Ökonomien", so Peter Opitz.

Verschlechtert wird die Situation in den betroffenen Ländern noch durch das Bevölkerungswachstum. Im Jahr 2050 sollen 9,4 Milliarden Menschen auf der Erde leben, von denen acht Milliarden in den Entwicklungsländern ihre Heimat haben. Das wiederum hat fatale Auswirkungen auf die Ökologie der Länder. "'Übernutzung der Böden, Abholzung der Waldbestände, Senkung der Grundwasserspiegel durch wachsende Entnahmen für Landwirtschaft und Industrie sowie Zerstörung der Atmosphäre sind die Folgen der Bevölkerungsexplosion", so Opitz. Und das veranlasse noch mehr Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat.

"Hinsichtlich der weiteren Entwicklung steht die internationale Völkerwanderung noch ganz am Anfang und wird noch über mehrere Generationen andauern", sagt Opitz. Sie wird noch globaler werden und sich noch schneller vollziehen. Das kann bedeuten, dass der Schmuggel mit der Ware Mensch finanziell bald mehr einbringt als der Schmuggel mit Drogen oder Waffen.

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