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Kultur

Menschenschmuggel an deutschen Grenzen

Mehr als 5700 Menschen wurden im vergangenen Jahr nach Deutschland geschmuggelt. Nach den Irakern stehen die Chinesen auf Platz zwei der am häufigsten nach Deutschland geschleusten Personen.

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Viele Chinesen suchen nach einer besseren Zukunft

Allein seit Beginn dieses Jahres hat der Bundesgrenzschutz bereits rund 120 geschmuggelte Chinesen entdeckt. Für die einen ist Deutschland nur ein Durchreiseland. Die anderen erhoffen sich in der Bundesrepublik eine neue Zukunft.

Grenzschutz oft machtlos

Insgesamt schleusen chinesische Schlepper mehr als 600 ihrer Landsleute pro Jahr nach Deutschland, vermutet der Bundesgrenzschutz. Hinzu kommen jedoch noch etliche Chinesen, die trotz pausenlosem Einsatz der Grenztruppen unbemerkt die deutsche Grenze überqueren. "Eine Festung Europa ist weder politisch gewünscht noch mit
polizeilichen Mitteln zu verwirklichen", sagt Wolfgang Wurm, Leiter des Bundesgrenzschutzamtes in Köln. Zudem sei die tschechische Grenze mit dem Waldgebiet und den Felsen sehr unübersichtlich. "Es kann durchaus sein, dass unsere Überwachungstruppe von den Schleusern beobachtet wird. Kaum ist sie vorbei, wird quasi in unserem Rücken über die grüne Grenze geschleust."

Mühevolle Reise

Um nach Deutschland zu gelangen, nehmen die Chinesen viele Risiken und Strapazen in Kauf, wie auch Wang Hui. Nach einer langen Reise mit gefälschtem Pass - von Südchina über Peking, Moskau und Minsk - hat ihn in der Tschechischen Republik ein sogenannter "Fußschleuser" abgeholt.

Dieser führte ihn dann zusammen mit sieben weiteren Chinesen im Morgengrauen über die deutsch-tschechische Grenze. "Wir sind einen Berg hochgeklettert, dort sind wir von den Tschechen festgenommen und einen Tag festgehalten worden. Als wir frei waren, haben wir uns wieder organisiert und sind mit acht Leuten den Berg hoch. Dann hat es geklappt. Wir acht Leute sind seit 1992 in Deutschland," erinnert sich Wang Hui.

Auf Jahre verschuldet

15.000 Euro hat Wang Hui der Schleuserbande für die heimliche Einreise bezahlt - das sind mehrere Jahreseinkommen eines chinesischen Arbeiters. Das Geld hat er sich von Freunden und Verwandten geliehen. Noch heute, elf Jahre später, zahlt er seine Schulden ab. In Deutschland angekommen, hat Wang Hui umgehend Asyl
beantragt. Seitdem ist er Koch in einem Chinarestaurant.

Er weiß, dass er bei seiner Einreise damals Glück hatte. Für viele Chinesen sehen die Reisebedingungen ganz anders aus. "Die Schleusungen erfolgen unter menschenunwürdigen Umständen. Ein Kleintransporter, in dem 30 Menschen zusammengepfercht werden, teilweise in hockender, kauernder Haltung über viele Stunden ohne Wasser, ohne ausreichend Sauerstoff. Das sind katastrophale Zustände", sagt Wolfgang Wurm.

Mit Schaudern erinnert er sich an eine Schleusung, bei der Menschen aus einem solchen Fahrzeug herausgekommen seien, die bewegungsunfähig waren. "Wir haben schwangere Frauen herausgenommen, bei denen wir Zweifel hatten, ob sie das Kind noch zur Welt bringen können."

Schwierige Rechtslage

Einmal gefasst, kann den Schleusern eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren drohen. Die Geschleusten aber machen sich durch ihre illegale Einreise nicht strafbar, sobald sie in Deutschland Asyl beantragen. Das hat auch der 27-jährige Yang Fan getan. "Mein Vater hatte an einer Demonstration teilgenommen, wurde gefasst und saß dann im Gefängnis.
Er ist dann geflüchtet, weil man ihn im Gefängnis geschlagen hat. Als sie kamen, um meinen Vater zu suchen, bin ich abgehauen."

Kein Asyl für Chinesen

Chinesische Asylanträge werden von deutschen Gerichten aber oft mangels Glaubwürdigkeit abgelehnt. Auch Wang Hui erging es so. Elf Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland, wurde sein Asylverfahren vor wenigen Wochen endlich abgeschlossen: Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er muss Deutschland verlassen. Wang Huis Anwalt, Peter Koczian, betreut derzeit etwa 5000 chinesische Mandanten. Er betont, wie schwierig es für die Gerichte ist, Recht und Unrecht zu erkennen. "Ein reiner Wirtschaftsflüchtling, der sich eine gute Geschichte ausdenkt, hat ganz gute Chancen, anerkannt zu werden. Jemand der wirklich Probleme hat, aber nicht die Eloquenz besitzt, das entsprechend vorzutragen, der wird, wenn er Pech hat, zurück geschickt."

Für Wang Hui ist die Ausreiseaufforderung ein harter Schlag. Er hat nun drei Monate Zeit, seine Heimreisepapiere zu besorgen. Dann wird er seine chinesische Freundin und seine in Deutschland geborenen Töchter in Köln zurück lassen müssen.

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