1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Keine Angst vor Deflation

Die Preise in Deutschland steigen so langsam wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Die niedrige Inflationsrate von 0,9 Prozent ist ein alarmierendes Phänomen und beschäftigt viele Experten.

Symbolbild Euro

Was soll schlecht sein an mehr Geld, sagen die Verbraucher

Vor ein paar Monaten noch stöhnten die Verbraucher in Deutschland über steigende Preise. Alles wurde teurer: Butter, Brot und Käse, Heiz-Öl und Benzin. So fiel im vergangenen Jahr die durchschnittliche Teuerungsrate mit 2,6 Prozent so hoch aus wie seit 14 Jahren nicht mehr. Doch das ist Vergangenheit.

Leichtes Heizöl kostet inzwischen fast 20 Prozent weniger, Benzin rund 15 Prozent. Doch die Freude darüber wird getrübt. Ein neues Gespenst geistert durch die Öffentlichkeit. Es heißt nun nicht mehr Inflation, sondern Deflation. Die Preise sinken zu schnell. Doch Joachim Scheide, Chefvolkswirt beim Institut für Weltwirtschaft in Kiel, gibt Entwarnung: "Eine ausgesprochene Deflation wird es in Deutschland nicht geben."

Gute und schlechte Deflation

Symbolbild Inflation

Zukünftig mehr oder weniger Geld?

Eine Deflation sei erst eine echte Deflation, wenn alle Preise sinken, sagt Christian Dreger, Konjunktur-Chef beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Zudem würde die Inflationsrate bei knapp unter zwei Prozent liegen, würden die Mineralölpreise nicht berechnet.

Also alles im grünen Bereich? "Es gibt eine gute Deflation", sagt Wirtschaftsforscher Scheide. "Eine solche gute Deflation erleben wir im Moment."

Aber es gibt auch eine schlechte Deflation. Sie führt in eine Abwärtsspirale. Käme es zu einer solchen schlechten Deflation, wovon keiner der Wirtschaftsforscher ausgeht, dann würde es ernst. Denn die Konsumenten erwarten in einer solchen Phase, dass die Preise immer weiter sinken. Sie würden sich mit Einkäufen zurückhalten. Dadurch gingen die Preise flächendeckend weiter zurück, die Löhne aber blieben gleich hoch.

Für Unternehmer hieße das, dass sie ihre Produktion zurückfahren müssten. Es käme zu Entlassungen und zu fehlender Nachfrage - so geschehen in der "Großen Depression" während der Weimarer Republik. Doch aus der Deflationspolitik des damaligen Reichskanzlers Brüning haben die Volkswirtschaftler gelernt.

Mehr Geld drucken

"Eine Deflation kann bekämpft werden und zwar genauso, wie man Inflation bekämpft - nur mit umgekehrten Vorzeichen", empfiehlt Dreger. Die Geldpolitik wäre dann am Zuge. "Letztlich ist dann die Notenbank dafür verantwortlich, dass keine Deflation einsetzt. Wenn es wirklich ernst wird, würde man sehr viel mehr Geld drucken und so eine Deflation verhindern."

Eine Deflation wird es in Deutschland voraussichtlich also nicht geben - und einstweilen haben durch die aktuellen Entwicklungen die Verbraucher die Taschen etwas voller.

Die Redaktion empfiehlt