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Wirtschaft

EZB-Chef Trichet: Keine Null-Zins-Politik

Die Europäische Zentralbank lehnt im Kampf gegen die Rezession eine Null-Zins-Politik ab. Die EZB hatte den Leitzins für die Euro-Zone um 0,5 Punkte auf 2,0 Prozent gesenkt.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (Bild AP)

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Dem Fernsehen der Deutschen Welle sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Zinssenkung vom Donnerstag (15.01.2009), die Zentralbank strebe keine ähnlich lockere Zinspolitik wie in den USA oder in Japan an. "Es ist nicht unsere Absicht, auf sehr niedriges Niveau zu gehen, da wir sicher sind, dass dies kontraproduktiv für unsere Wirtschaft wäre".

Keine Deflationsgefahr

Die Gefahr einer Deflation im Euro-Raum sehe die EZB derzeit nicht, sagte Trichet weiter. In den USA liegt der Leitzins der Notenbank praktisch bei null Prozent, in Japan bei 0,1 Prozent. Mit dem Zinsschritt der EZB auf 2,0 Prozent befindet sich der Leitzins in der Euro-Zone auf dem niedrigsten Stand seit 2005.

Trichet deutete nach der EZB-Sitzung in Frankfurt am Main an, dass die Zentralbank erst im März über mögliche weitere zinspolitische Schritte entscheiden wird. "Wir gehen davon aus, dass das nächste wichtige Treffen für die Geldpolitik unsere März-Sitzung sein wird, wenn wir wesentliche Elemente neuer Informationen haben werden", so Trichet vor Journalisten.

Große Risiken für Konjunktur

Container im Hamburger Hafen (Bild: AP)

Auch der Export - hier ein Blick in den Hamburger Hafen - ist von der Rezession betroffen

Für die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone in den kommenden Monaten malte der EZB-Chef ein düsteres Bild. Er rechne mit einer deutlicheren Abschwächung der Konjunktur als noch vor wenigen Wochen angenommen. "Es gibt weitere klare Hinweise, dass die Euro-Zone einen deutlichen Abschwung durchmacht, der vor allem auf die Folgen der Intensivierung ... der Finanzmarktturbulenzen zurückgeht. Die Risiken für das Wachstum deuten klar nach unten", betonte Trichet

Auch weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten seien möglich, sagte der EZB-Chef. Die Inflation werde zunächst niedrig bleiben, ab der Jahresmitte könnte die Teuerung aber wieder zulegen.

Banken und Gewerkschaften enttäuscht

Der Bundesverband Öffentlicher Banken begrüßte die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank als Maßnahme zur Milderung konjunktureller Risiken. Gleichzeitig kritisierte er jedoch, dass die Zinspolitik der EZB im Vergleich mit der der US-Notenbank viel defensiver ausgerichtet sei. Die schlechten Wachstumsaussichten für das laufende Jahr hätten eine noch deutlichere Senkung gerechtfertigt. Ähnlich verhalten bewerteten die deutschen Börsianer den Schritt der Bank. Auch sie hatten sich eine noch stärkere Lockerung der Zinssätze erhofft. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Zinssenkung als zu späten und "weitgehend wirkungslosen Trippelschritt".

Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Zentralbank mit frischem Geld versorgen können. Durch seine Senkung werden Kredite für Unternehmen und Haushalte tendenziell billiger, was zu einer Belebung der Wirtschaftstätigkeit führt. (wl/sas)

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